Sommerstille und Hosenliebe

Ruhig ist es hier. Eine Stille, die nur der Sommer mit sich bringt. Warm und dämpfig ist es. So werden wir träge und legen uns am liebsten, wie unsere Hasen, lang gestreckt ins Gras. Mümmeln ab und zu ein bisschen Obst oder Gemüse vor uns hin. Mehr wollen wir nicht machen. Hier auf dem Blog funktioniert das ganz gut. Im Leben nicht. Da gibt es genügend Dinge und Aufgaben, die uns davon abhalten uns ins Gras zu legen. Habe ich es mir doch gemütlich gemacht, auf der grünen Matratze und höre wie es summt und brummt, kommt ganz schnell die ein oder andere Frage. „Mama?! Kann ich ein Eis?“, höre ich oft. Dann schaue ich in den Tiefkühlschrank oder wir ziehen los. Machen uns auf die Suche nach dem Eiswagen. Ja, dem Eiswagen mit Bioeis aus regionalen Zutaten, gezaubert nach italienischer Eistradition. Köstlich! 

Und auch sonst ist es hier eigentlich gar nicht still. Tagsüber Kinderstimmen und abends, wenn die Kinderstimmen zur Ruhe gekommen sind, erklingt ein leises rattern. Dann sitze ich an meiner Nähmaschine. Zaubere ein Kleidchen und noch eins. Dann noch eine Hose. Und so haben sich in den Kleiderschrank  des Septembermädchens wieder ein paar selbst genähte Sachen hinein geschlichen. Die Hose wird geliebt und gern getragen. Auch bei knapp 30° C.  

    
 Und so beschloss ich noch eine zu nähen. Eine aus leichterem Stoff. Eine, die auch bei wärmeren Tagen die Beine luftig leicht kleidet und jedes kleine Lüftchen einfängt. So entstand ganz schnell an einem Abend diese wunderschöne Hose. 

 Eine fluffig leichte Leinenhose. Ich bin einfach ganz im Glück. Denn ich liebe sie jetzt schon. Nicht nur die Sommerhose, nein, auch die grüne Cordhose. Beide finde ich perfekt, noch dazu von mir gemacht und aus alten Kleidern genäht. Besser kann es gar nicht werden. Oder?! 

Und so finde ich es richtig schön, dass der Saum am Bund zusehen ist. Ein kleines Detail, welches verrät, dass der Blümchenstoff von einem T-Shirt stammt. Gutes, angenehmes Bio-Jersey kommt so wieder zum Einsatz und schmiegt sich leicht und weich an einen kleinen Bauch. Und auch der Leinenstoff ist wieder verwendet. Auch das ein altes Kleidungsstück meiner Mutter. Eine Hose, die nun in kleinerer Größe weiter Hose sein darf. Auch hier gibt es kleine Details, die vom ersten Leben erzählen. Nähte, die ehemals am Knie für einen gute Sitz sorgten, finden sich ebenso wieder, wie die Seitennaht, die einfach wiederverwendet wurde.    

 Der Cordstoff stammt aus meinem Fundus. Gekauft irgendwann einmal für irgendeine Bastelidee, reichte er exakt für diese Hose. Und so vereint sich in diesen Hosen alles, was ich sehr mag: Wiederverwenden, aufbrauchen und selber machen. Ja, ich liebe diese Hosen und hoffe, dass auch die zweite Hose beim Septembermädchen so viel Anklang findet, wie die erste. 

Sie kennt die Hose noch gar nicht, denn sie ist verreist. Verreist mit Bruder und Papa zum Zelten. Ein Wochenende also nur für mich. Stille und ein leises Rattern zwischendurch. 

Von Liebe und Nähe – wenn aus einem Paar eine Familie wird

Inzwischen ist es schon über vier Jahre her, das der Dezemberjunge zu uns kam. Unser erstes kleines großes Wunder. Wir kuschelten viel und machten es uns in unserem Bett gemütlich. Zu dritt oder zu zweit, in den möglichen Kombinationen. Wir sogen die Liebe  tief ein, die uns wie eine Blase umgab. Die Zeit war nicht nur rosarot, aber trotzdem, nicht nur in der Erinnerung, wunderschön und ganz besonders. 

Dann waren die Weihnachtsferien vorbei, der Herzensmann ging wieder arbeiten. Langsam schlich sich unser Alltag zurück und mit ihm verflog die rosarote Zeit. Plötzlich saß abends nicht nur die glückliche Frau zu Hause, die sich freut, dass der Herzensmann wieder da ist. Nein, da gab es auch die genervte oder verzweifelte Frau, die weinende Frau, weil sie am Rand ihrer Kräfte war, nicht mehr weiter wusste. Oft saß ich mit dem Dezemberjunge da. Er auf meinem Arm, vielleicht war er gerade eingeschlafen, vielleicht schrie er noch, manchmal waren wir auch einfach zufrieden. Dann hatten wir einen sehr guten Tag, waren Nachmittags unterwegs in der Natur, der Dezemberjunge in der Trage. Nähe, unendlich viel Nähe gab es da in dieser Zeit. 

Zwischen mir und dem Dezemberjungen. 

Der Herzensmann hatte diese Nähe nicht. Er ging auf Arbeit, manchmal schliefen wir dann noch. Er kam Abends, oft auch spät. Dann war es meistens Zeit, für den Dezemberjungen, ins Bett zu gehen.  So gab es im Alltag nur sehr wenig Kuschelzeit für die Männer. Wenn der Dezemberjunge schlief, war ich müde, erschöpft und hatte ein Übermaß an Nähe und Liebe gehabt. Ich wollte dann nur auf dem Sofa sitzen, reden oder Sachen für mein Studium erledigen. Und so kam irgendwann die Frage, wie lange der Dezemberjunge wohl noch bei uns im Bett schlafen würde. Eine Frage, die ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht gestellt hätte. So wie es war, war es unglaublich praktisch für mich. Nächtliches Stillen geschah nebenbei, kein langes Schreien, bis ich das Baby hörte und ich wusste immer, ob alles gut ist, konnte, bei Zweifel, schnell schauen. Warum sollte ich daran etwas ändern? 

Es dauerte eine Weile, bis ich den wahren Grund dieser Frage erkannte. Es war unser Bett, nicht nur Schlafstätte, sondern auch Ort der Nähe und Liebe. Der Herzensmann vermisste mich. Vermisste die Innigkeit, die wir vorher hatten. Vermisste die Zeit, die wir vorher hatten. Vermisste seine Partnerin. Und, auch wenn der Erwachsene in uns versteht, warum da gerade nicht so viel Platz ist, warum ich gesättigt bin und nicht noch mehr Nähe ertragen kann (hier kam auch meine Hochsensibilität ins Spiel), sind die Bedürfnisse nach Liebe und Nähe  da. Und auch ein Verlust. Die Partnerin muss nun geteilt werden. Für den Erwachsenen Verstand logisch. Doch die Gefühle werden meist von unserem inneren Kind stark beeinflusst. Das innere Kind ist durch diesen Verlust verletzt, denn es sehnt sich meistens sehr nach Liebe. Die Männer, die nun Väter werden, sind in einer Zeit groß geworden, in der Jungs abgehärtet wurden, nicht verhätschelt werden durften und so einen Mangel an Liebe mit sich tragen. Es ist nicht verwunderlich, dass wir – unser inneres Kind – in einer Liebesbeziehung auch nach dieser Liebe suchen. Die bedingungslose Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Eine tiefe Liebesbeziehung kann dieses Bedürfnis befriedigen. Kommt nun ein Baby in diese Beziehung, wird das Gleichgewicht erstmal deutlich gestört. Es braucht Zeit, bis sich die Waage wieder einpendelt. Eine Waage mit drei Waagschalen. 

Von unserem Weg, ein Stück 

 Schon lange sind beide Kinder müde. Der Dezemberjunge kommt mit mir rein, um zeitig zu essen und ins Bett zugehen. Auch das Septembermädchen folgt. Essen und die Badroutine kein Problem. Müde Augen, ich helfe beiden. Dann im Bett noch während der Gute-Nacht-Geschichte, oft davor, legt sich ein Schalter um. Plötzlich scheinen beide gar nicht mehr müde. Sie hampeln und strampeln, machen Quatsch und kichern. Sie sind weit weg. Ich versuche sie zu erreichen. Keine Chance. Irgendwann klappt es vielleicht. Oft genug geht es so lange, bis einer sich weh tut. Oder sich auch bei mir ein Schalter umlegt. Denn ich „weiß“ sie sind müde. Ich „weiß“ sie müssen zeitig schlafen, denn es war die letzten Abende spät, oder morgen ist ein anstrengender Tag, oder oder oder. Und dann halte ich fest, packe zu doll zu, drücke auf die Matratze, lege sie unachtsam wieder hin, Schreie sie an, oder habe bittere Blicke und schicke einen von beiden raus. 

Ich verletze sie. 

Ich sehe mir zu und finde mich lächerlich. Es ist lächerlich meine „Macht“ so auszunutzen, spielen zu lassen. Ich finde mich abscheulich in diesen Momenten. Ich bin gemein. 

Und nun liege ich mit schlechtem Gewissen neben meinen Kindern. Warte das sie einschlafen. Wenn ich mich zum Dezemberjunge drehe, dreht er sich weg. Also liege ich mit dem Rücken zu ihm, reiche ihm meine Hand. Er hält sie. Ein kleiner Anker. Ein kleiner Trost. Doch ich weiß, wie sehr ich ihn verletzt habe. Ich kann nur ahnen, wie tief diese Wunde auf seiner Seele ist. Ich fühle mich schlecht und traurig. Ich könnte heulen. Wieder hat sich diese Stimme Bahn gebrochen. Diese Stimme, die meint sie wüsste wie es läuft. Doch am Ende ist da nur ein Scherbenhaufen. 

Wieder denke ich dann, eigentlich weißt du es doch. Du weißt doch, dass es so nicht funktioniert, dass du so nur kaputt machst. Das ist der falsche Weg! Ich höre in meinem Kopf die Stimmen: „sei gnädig mit dir, du bist auf dem Weg, wir sind nur Menschen, Vertraue in dich und deine Kinder und in deine Liebe“. Ich höre und versuche sie an zunehmen. Doch ich schaff es nicht. Nicht in diesem Moment. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von mir. Ach, und da ist es wieder dieses Muster. Ich sehe es. Doch wie kann ich da raus?

Geduld und Liebe. 

Liebe in mich und meine Kinder. Vertrauen. Doch wo ist die Liebe in diesen Momenten. Da ist sie nicht. Wer packt und brüllt und anders verletzt, der liebt nicht. Nicht in diesem Moment. In diesem Moment ist nur mein Wille. Festgefahren und zementiert. Da ist kein Raum für Achtsamkeit, aufeinander zu gehen und Bedürfnisse beachten. 

Und am Ende bin ich genauso schlau wie am Anfang. Denn ich weiß, es ist mein Problem. Doch die Lösung habe ich noch nicht. Die Theorie ist mir bekannt, doch wie sieht es in der Praxis aus? Vertraue dir. Du musst nichts perfekt machen. Und dann ist da ein warmes Gefühl und Dankbarkeit. Dann bin ich mir wieder sicher, die Lösung liegt hinter der nächsten Biegung auf unserem Weg. 

Bei dir

Es ist halb zehn abends. Du hast schon eine Weile geschlafen. Vom Husten wirst du unruhig. Du weinst und kannst dich nicht beruhigen. Du stehst im Bett, drückst dich durch, weist uns zurück. Inzwischen kennen wir solche Situationen. Da sein. Warten. Zuhören. Ganz in diesem Moment. Ganz bei dir. 

Leise Summe ich eine Melodie. Für mich. Für dich. Du nimmst meine Hand, ziehst mich mit. Auf meinen Arm. „In die Trage!“ Dann sind es nur noch du und ich. Wir. Die Welt da draußen ist egal. Du schmiegst dich an mich. Dein Kopf klemmt unter meinem Kinn. Deine Beine reichen mir längst bis zu den Knien. In diesem Moment werden wir wieder Eins. Für einen Moment bist du wieder mein kleines Baby. So zart. So bedürftig. So geborgen. 

Ein kurzer Moment. Du tankst voll auf. Dann willst du wieder in dein Bett. 

Du weißt, du darfst immer wieder mein Baby werden, egal wie groß du schon bist. Und ich sauge sie ein, diese kleinen Momente. Kostbar sind sie nun. 

„Manchmal wünsche ich mir normal zu sein.“

Ich sitze mit dem Dezemberjunge auf dem Sofa im Kinderzimmer. Er ist zur Ruhe gekommen und hat sich auf meinem Schoß eng an mich gekuschelt. Auch Max und Puppi sitzen auf seinem Schoß und geben ihm Halt. Es ist bereits nach acht Uhr abends. Wir haben einen aufregenden und anstrengenden langen Tag hinter uns. Ins Bett gehen geht so nun noch nicht. Erst einmal lesen wir ein bisschen Geschichte. Dann kuscheln wir noch ein wenig. Ich frage, ob er etwas Schönes heute erlebt hat. Er schüttelt den Kopf. Ich frage weiter, ob er etwas Anstrengendes erlebt hat. Wieder schüttelt er den Kopf. Auf die Frage nach etwas Lautem, antwortet er mit einem Lächeln und Kopf nicken. Er erzählt, wo er es als laut empfunden hat. Darauf hin erzähle ich ihm, dass es auch für mich sehr laut war. Außerdem, dass er sich gut geschützt hat, durch leises Summen und auf meinem Schoß halt suchen. Wir unterhalten uns noch weiter. Doch dieser kleine Moment des Wahrnehmen und Annehmen seiner ganz persönlichen Empfindungen war sehr wichtig. 

Der Dezemberjunge hat noch keinen Namen dafür. Er weiß noch nicht, dass er an dieser Stelle anders empfindet als viele andere Menschen. Und vielleicht ist es möglich für Hochsensible Menschen, ohne das Gefühl des Anders-Seins aufzuwachsen?  

Erst vor kurzem stand ich mit dem Herzensmann in der Küche. Irgendeine Situation hat mich überrollt. Ich weiß nicht mehr was, aber ich erinnere mich sehr gut an meine Worte. „Manchmal wünsche ich mir normal zu sein. Nicht immer alles so stark zu empfinden und wahrzunehmen. Manchmal wünsche ich mir ich wäre nicht so.“ Dieser Wunsch nach einem Normalsein habe ich schon sehr lange. Je nach Lebenssituation ist er mal stärker oder schwächer bis gar nicht vorhanden. Und ich merke sehr deutlich, seit ich einen Namen für mein „Anders-Sein“ habe, kommt der Wunsch immer seltener hoch. Ich kann mich und meine Besonderheit besser annehmen seit ich weiß, dass es die Hochsensibilität gibt. Seit ich weiß, dass ich hochsensibel bin, kann ich viel besser sagen: „so bin ich“ und deutlich besser für mich sorgen. Meine Grenzen sind meine ganz persönlichen Grenzen. Diese muss ich berücksichtigen und ich habe kein komisches Gefühl mehr dabei, wenn ich zum Beispiel mich deutlich eher von einem sozialen Event (egal wie groß oder klein) verabschiede. 

Ich kann mich, Dank des Wissens über die Hochsensibilität, besser annehmen und besser für mich sorgen. Ich konnte heute sehen, wie der Dezemberjunge für sich sorgt, in einer Situation die erstmal für ihn ausweglos erschien. Wir saßen da in einem vollen, lautem Café und er musste auf uns warten. Er konnte nicht ohne uns wieder gehen. Eine Ecke in der es ruhiger war, gab es auch nicht. Also suchte er Sicherheit auf meinem Schoß und summte leise für sich, um das Stimmengewirr aus zublenden.

In unserem Gespräch habe ich ihm gezeigt, dass das genau richtig war. Das nicht nur er es als zu laut empfunden hat und das es ganz okay ist etwas als zu laut zu empfinden. Denn das Wichtigste, was (hochsensible) Kinder erfahren sollten ist, dass sie genau richtig sind, so wie sie sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt kein Normal und Nicht normal. Es gibt Menschen, jeden in seiner ganz besonderen Einzigartigkeit mit seinen Empfindungen und Grenzen.  Und, ich bin mir sicher, wenn Kinder das von Anfang an lernen und erfahren, dann haben sie kein Gefühl des Anders-Sein. Letztendlich sind wir alle ein kleines bisschen Anders. 

Ist eine Reise die Freiheit?

Schon seit einer Weile fallen mir mehr und mehr Familien auf. Sie gehen mit ihren Kindern in liebevolle Beziehung. Sie begleiten ihre Kinder beim sich frei entwickeln und kommen irgendwann an den Punkt, dass sie die Koffer packen und Reisen. Es scheint die Möglichkeit schlechthin zu sein, Kindern eine freie Emtwicklung zu ermöglichen. Und es scheint Freiheit pur zu sein. Nebenbei kann man der deutschen Anwesenheitspflicht in Schulen ausweichen, den Kindern noch länger ihre Freiheit geben. 
Freiheit. 

Warum strebt alle Welt nach Freiheit? Und vor allem nach welcher? Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. So können wir alles machen. Wir sind frei in unseren Entscheidungen. Wir können wohnen wo und wie wir wollen. Wir können essen was wir wollen. Wir können, dank des Internet, uns sämtliche Informationen (sinnvoll oder nicht sei dahin gestellt) beschaffen und auch arbeiten wo wir wollen. 

Grenzenlos.

So fühlt es sich an. Das wir irgendwann an Grenzen stoßen werden, kommt dann doch vor. Und grenzenlos ist nicht Freiheit. Doch welche Freiheit streben wir wirklich an? Frei sein bedeutet für mich genau mein Ding zu machen. Frei sein ist meinen Traum zu leben. Dazu muss ich bei mir sein und wissen was mein Traum eigentlich ist.  

 Zur Zeit leben wir in eine Wohnung in eine mir Kleinstadt. Wir haben einen Garten, nette Nachbarn, sichere Arbeit und im Großen und Ganzen geht es uns gut. Trotzdem fühle ich mich immer wieder unfrei, eingesperrt und gefangen. Dann möchte ich weg. Am liebsten würde ich dann direkt in ein Auto steigen, raus fahren und unterwegs sein. So kam auch bei uns die Idee einer Reise auf. Außerdem sind wir gerne unterwegs, neugierig und es gibt so viel zu entdecken. So fingen wir an zu planen. Wir bekamen grünes Licht vom Chef des Herzensmannes. Ein gutes halbes Jahr Frei-Zeit. Schnell waren da Ideen. Dahin und dorthin und am liebsten um die halbe Welt. Ruck zuck wurde aus der Frei-Zeit, durch organisierte Zeit. Es fühlte sich gar nicht stimmig an. Freiheit sieht doch anders aus. Oder? So überdachten wir. Verwarfen Pläne und überlegten uns neue. Weniger ist mehr. Doch dann fragten wir uns, was wollen wir wirklich? Schnell war klar, dass wir am Ende der Reise am gleichen Punkt stehen würden. Denn eigentlich wollen wir etwas ganz anderes. Unser Traum sieht anders aus. 

Freiheit heißt auch sich binden (können). Wir wollen einen Ort zum Leben. Einen Ort den wir gestalten können. Einen Ort an dem wir immer wieder heim kehren können. Ein Ort der uns ernährt, körperlich wie seelisch. Ein Ort an dem wir Sein können, Wurzeln schlagen und aufblühen. Wir sind keine Zugvögel. Wir brauchen eine Heimat. 

Für uns ist eine (Langzeit)Reise nicht die Freiheit. Denn unser Traum sieht anders aus. Und auch wenn es zur Zeit sehr viele Familien gibt die Reisen, und man das Gefühl bekommt, dass ist der richtige Weg. Muss jede Familie für sich allein ihren Weg finden. Denn es gibt nicht die eine perfekte Lebensweise. Und ich habe festgestellt, dass Freiheit nicht unbedingt etwas mit einem Ort oder eben keinem Ort zu tun hat. Freiheit ist ein Gefühl. Wir fühlen uns frei oder gefangen. Und so sind wir immer dann frei, wenn wir wir Sein dürfen, mit unseren Wünschen, Träumen und Hoffnungen. Wenn wir mit unseren Besonderheiten in Liebe angenommen werden von unserem Partner und von allen Mitmenschen. Frei sind wir, wenn wir Menschen sind. Und das gilt auch für unsere Kinder. 

Die Anderen

Ich schiebe den Dezemberjunge das letzte Stück des Weges. Er ist viel gelaufen. Es ist spät. Er ist müde. Es geht etwas den Berg hinauf. Uns kommt eine Familie entgegen. Die Kinder sind beide schon in der Schule. Vielleicht schon in der Weiterführenden? Ich kann das Alter schlecht schätzen. Der Vater sieht mich, schnaubt und schüttelt den Kopf. Diese Reaktion bringt mich direkt auf die Palme. 

„Was bildet der sich ein. Der hat doch keine Ahnung. Ich gehe auf die Bedürfnisse meines Kindes ein. Seine Kinder mussten wahrscheinlich immer laufen“ und vieles mehr schießt mir sofort in den Kopf. Ich rufe ihm hinter her, dass der Dezemberjunge viel gelaufen ist. Ich bekomme ein „wahrscheinlich immer nur Berg ab“ als Antwort zu hören. Auch jetzt während ich diese Worte schreibe, spüre ich die Wut in mir. Was bildet er sich eigentlich ein? Welches Recht hat er so über mich und mein Kind zu urteilen? Er kennt uns nicht. Wir haben uns an diesem Tag zufällig zwei Mal gesehen. Sie sind die Wanderung anders herum gelaufen. 

Er sieht uns und hat ein Bild im Kopf. Vergleicht dieses mit seiner Art Familie zu leben. Vielleicht sieht er deutliche Unterschiede und muss nun seine Art vor sich rechtfertigen. Vielleicht wurde er irgendwo tief in seinem Inneren berührt, weil er nicht so mit seinen Kindern umgegangen ist als sie in dem Alter waren. Vielleicht musste auch sein inneres Kind laufen, obwohl es nicht mehr konnte. Wer weiß? 

Mich hat diese Begegnung stark berührt. Diese Reaktion hat unmittelbar starke Gefühle in mir ausgelöst. Der Wunsch, akzeptiert zu sein, so wie ich bin und lebe, ist ein Bedürfnis, welches jeder Mensch hat. Beurteilt zu werden fühlt sich meist nicht gut an. Besonders dann, wenn man dabei erst mal nicht gut weg kommt. Urteilen ist immer mit einem negativen Touch versehen. Wenn dann noch eine Vorsilbe dazu kommt wie „be-“ oder gar „ver-“ wird es noch gravierender. Dabei haben wir kein Recht zu urteilen. Egal über was oder wen. Auch andere Formulierungen wie „sich ein Bild machen“ vertuschen das negative nur noch mehr, letztendlich wird trotzdem geurteilt.  

 Wir können erleben, wie sich etwas anfühlt. Wir können Erfahrungen machen oder Menschen kennen lernen. Und dies alles mit Respekt dem gegenüber was wir erleben, erfahren und kennen lernen. Ganz ohne werten oder urteilen, denn alles hat seine Berechtigung. Schenken wir Menschen ein Lächeln, auch wenn sie es anders machen als wir. Respektieren wir sie, egal wer sie sind, woher sie kommen, wie alt sie sind und wie sie aussehen. Den im Grunde sind wir alle Menschen und allein das reicht aus um Ihnen mit Respekt zu begegnen. 

#EINTAGOHNEMICH

#eintagohnemich ist eine Aktion zum internationalen Weltfrauentag am 8. April. Frauen sollen den Tag alle Arbeit, bezahlt und unbezahlt, nieder legen. Wie würde Mein Tag aussehen? 

Ich weiß es nicht. Aber es würde so einiges anders laufen. Heute wäre ich nicht mit dem Septembermädchen auf gestanden und aus Klo gegangen. Danach hätte ich ihr kein Frühstück gemacht. An den meisten Tagen macht das Frühstück der Herzensmann, denn er steht eher auf. Heute jedoch nicht. Ich hätte mich dann nicht darum gekümmert, dass die Kinder sich anziehen bzw ich sie anziehe. Ich hätte nicht die Essenssachen zusammen gepackt für das Kinderhaus kochen. Ich hätte nicht die Kinder ins Kinderhaus gebracht und für 17 Kinder und 4 Erwachsene gekocht. Wobei das Kinderhaus ohne Frauen wahrscheinlich geschlossen wäre, denn ein Betreuer auf 17 Kinder funktioniert nicht. Immerhin haben wir einen Betreuer! Ich hätte unsere Kinder nicht mit nach Hause genommen und keine Mittagspause nach den unterschiedlichen Bedürfnissen gemacht. Kein Vorlesen und kein Mittagsschlaf. Zwischen durch würde ich auch keine Gemüsekisten Bestellung machen. An einem Tag ohne mich würde ich kein Kaffetrinken machen, wenn das Septbermädchen auf gewacht ist. Ich würde nicht mit ihr Kuscheln bis sie wirklich wieder angekommen ist. Ich würde keine Nachmittagsaktivität durch führen. Das sind bei uns Waldausflüge, Spaziergänge, Gänge in die Bücherei, Treffen mit befreundeten Familien (meist aber Frauen mit ihren Kindern), Kinderchor, eventuell Besorgungen oder einfach nur Spielen. Ich würde nicht die kleinen und großen Emotionen auffangen und begleiten. Ich würde nicht die notwendigen Arbeiten im Haushalt erledigen und kein Abendessen kochen. Danach würde ich nicht die Kinder auf dem Weg ins Bett begleiten. Waschen, Zähne putzen, Gute Nacht Geschichte vorlesen und vom Tag erzählen. Je nach Tagessituation kommt in dieser Phase des Tages der Herzensmann nach Hause. Dann gehen wir ein Stück gemeinsam. 

Ein Tag ohne mich würde sicher funktionieren. Wie er auf Seiten des Herzensmannes aussehen würde? Ich kann nur mutmaßen. Hier würde sicher alles funktionieren. Der kleine Mann wäre im Kinderhaus und das Septembermädchen zu Hause. Er würde genauso ein bisschen Haushalt erledigen. Aber es gäbe keine Möglichkeit für ihn zu arbeiten. Er würde trotzdem versuchen ein oder mehr Telefonate zu führen und die ein oder andere Mail zu schreiben. Das würde wahrscheinlich zu Unzufriedenheit und Gereiztheit führen. Die Kinder würden in dieser Zeit irgendwelchen Quatsch machen (so wie jetzt). Also würde er sich dafür entscheiden es sein zu lassen. Was bedeutet, dass wir einen Einkommensausfall hätten. Am Abend würde der Herzensmann sich sehr nach Ruhe sehnen. Die Küche Küche sein lassen. Vielleicht beim ins Bett bringen sehr genervt sein. Und zwischendurch Tränen trocknen müssen. Denn beide Kinder können ohne mich, aber sie sind mich gewöhnt und fordern sehr bewusst auch meine Nähe ein, wenn sie die Wahlmöglichkeit haben. 

Ein Tag ohne Mich geht, aber wirklich lange funktioniert es wohl nicht. Und ich? Ich würde meine unbezahlte Arbeit vermissen, denn ich mache sie sehr gerne. Auch wenn ich mir wünsche, dass ich einen Teil zum Familieneinkommen beitragen könnte und dass die Familienaufgaben mehr verteilt wären. 

Wie sieht ein Tag ohne Dich aus? Was würde fehlen, wenn Du oder deine Partnerin die Arbeit niederlegst?

In die Welt hinaus

Lange habe ich hin und her überlegt. Immer wieder ja oder nein. Wie möchte ich mit dem Blog weiter machen. Soll er meine kleine Ecke im Internet bleiben oder möchte ich ein paar mehr Menschen ansprechen? Immer wieder bin ich hin und her gerissen. Ich mag es so klein und „gemütlich“. Gleichzeitig freue ich mich riesig, dass ich regelmäßig mehr Besucher bekomme. Und merke, dass ich Menschen erreichen möchte. Ich wünsche mir, dass so viele Menschen wie möglich ein zufriedenes und glückliches Leben haben. Ich wünsche mir, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, sich frei zu entwickeln nach seinem inneren Bauplan. Ich wünsche mir, dass jedes Kind sich gesehen und wahrgenommen fühlt, geborgen ist.   Ich wünsche mir, dass wir unsere Mutter Erde so gut wie nur möglich behandeln. Dass wir sie erhalten und pflegen. Sie nicht zu einem Sondermüll-Objekt verkommen lassen. Der sie letztendlich schon ist mit all dem Plaste und Atommüll und Sachen von denen wir noch gar nichts wissen. Ja, ich möchte die Welt verändern. Dass fängt mit kleinen Dingen an. Kleine Änderungen können schon viel bewirken. Oft beginnen sie im Kopf. Manchmal sind es nur kleine Handlungen oder andere Worte, die schon etwas bewirken. 

Auf dem Blog zeige ich unseren Weg. Ich zeige, wie wir verschiedene Ideen umsetzen. Und ich weiß, dass es oft leichter ist aus anderen Familienalltagen Ideen zu übernehmen. Auch ich frage immer wieder „wie macht ihr das?“ oder schaue mich auf anderen Blogs nach Ideen um. Und so habe ich beschlossen einen Schritt hinaus in die Welt zu gehen. Anfang dieser Woche habe ich eine Facebook-Seite für Familie Quast eingerichtet. Dort werde ich ausprobieren und schauen wie es sich so anfühlt für mich. Ich werde dort andere Blogbeiträge die zu uns passen teilen. Mehr Vernetzung in der großen weiten Bloggerwelt. Und ich überlege, ob es dort auch einen Ort gibt, an dem ich kleine Alltagssituationen mit euch teilen kann. Und für Euch Leser, die bei Facebook sind, kann es natürlich auch eine Erleichterung sein zu folgen. Ich bin gespannt, wie sich dieser Schritt entwickelt und wie es sich anfühlt für mich. Ich freue mich, wenn Ihr mir auch dorthin folgt. Durch Euer „gefällt mir“ helft ihr meine Vision zu verbreiten. Lasst uns gemeinsam die Erde zu dem Paradies machen, das sie einmal war.