Mitt-Sommer oder das Leben ist schön

Die letzten Tage sind heiß. Sehr heiß. Jeder Gang wird genau überlegt und möglichst kombiniert. Nachmittags sind wir im Haus in Garten. Wir sind erschöpft, schon jetzt, von der Hitze und den kurzen Nächten. Noch ist Juni und der Sommer eigentlich erst in den Startlöchern. Vielleicht gewöhnen wir uns aber auch noch an die Hitze und finden Möglichkeiten sie gut zu überstehen. Dankbar bin ich nun für diese kühle Wohnung, über die ich im Winter gerne motze, denn dann wird sie nicht so richtig warm. 

Warm geworden sind wir dagegen schnell mit unseren neuen Mitbewohnern. Ein Zwergwidderpaar ist bei uns, mit Sack und Pack, eingezogen und hat eine neues zu Hause gefunden. Die Kinder lieben sie nun schon. Dabei sind sie erst seit gestern da. Heute, nach einem anstrengenden Tag, höre ich lange nichts vom Dezemberjunge, während ich Abendbrot vorbereite. Er sitzt vor dem Stall und ist versunken. Kommt zur Ruhe, ganz für sich. Und ich weiß, es war genau richtig.   

Mittsommer, Sommer-Sonnen-Wende, der längste Tag: ein Grund zum Feiern. Fast jedes Jahr dürfen wir dieses Fest mit unseren Nachbarn verbringen. In gemütlicher Runde sitzen wir beisammen. Die Kinder spielen im Garten. Hüpfen, Schaukeln oder auf die selbstgebaute Wasserrutsche. Nach einer Weile sind die Kinder müde. Wir kriechen durch die Hecke, zurück in unseren Garten. Die Kinder schlafen, ich gieße noch den Garten und dann gehen der Herzensmann und ich gemeinsam zum Feuer zurück. Die Runde ist kleiner geworden. Wir sitzen und genießen die Gemeinschaft. 
    
  

Nun beginnt auch die Ernte Zeit. Die heißen Nachmittage eignen sich gut zum Beeren entstielen. Die Hände können immer wieder im Wasser abgekühlt werden. Wir sitzen entspannt im Schatten. Machen keine großen Bewegugen und trotzdem eine sehr sinnvolle Arbeit. Regelmäßig habe ich auch zwei kleine helfende Hände.   
 

So ist unser Mitt-Sommer-Leben. Ruhig und entspannt. Und wunderschön!

Wo Licht ist darf auch Schatten sein

Immer wieder kommen bei mir diese Phasen. Dann habe ich das Gefühl nie mehr etwas anderes zu machen, alle Ideen und Träume stecken fest und werden nie voran kommen. In diesen Phasen sehe ich nicht die kleinen Schritte, ich sehe nicht wie gut wir es haben, sehe nicht die kleinen Glücksmomente. Ich habe dann das Gefühl mich in diesem Leben festgesetzt zu haben. Mit all dem Luxus und Besitztümern, die wir heute schon als selbstverständlich ansehen. Wir kaufen was wir brauchen und viel zu oft brauchen wir eigentlich nicht. Wir übererfüllen unsere Bedürfnisse und füllen uns zu. Erfüllt sieht oft leider ganz anders aus. Wir besitzen Besitztümer. Doch im Sitzen bewegen wir uns nicht. Und dann sehe ich meinen Traum und mein Leben und frage mich warum ich so weit entfernt bin. Ein Bilderbuch Familienleben am Kleinstadtrand. In diesen Momenten fühle ich mich spießig und unglaublich konservativ. 

Wo sind unsere Träume? Und warum erfüllen wir uns nicht die?

Und dann fühle ich in mich hinein. Frage mich: ist es wirklich so schlimm? Ich sehe dann unsere Kinder. Sie spielen, sind frei und wunderbar. Sie entdecken die Welt und ich darf sie dabei begleiten. Ich bringe dann wieder ein Stappel Zeug weg. Lasse los und werde frei. Ich sehe die Schritte, die wir in Richtung unserer Träume gehen. Ich arbeite im Garten und wir räumen die Wohnung um. Dann geht es wieder vorwärts und ich sehe wieder mehr vom Glück. 

Ich habe gelernt, dass neben der Sonne auch mal Schatten sein darf. Dass ich unzufrieden sein darf. Dass nicht immer alles sofort geht und das Leben trotzdem schön ist. Dass ich manchmal Geduld haben muss und sich meine Träume Stück für Stück erfüllen dürfen. Und ich weiß, wie ich aus diesen Schattenphasen mich wieder dem Licht zu wenden kann. 

Unsere Kinder dürfen diese Erfahrungen noch machen. Sie dürfen ihre Gefühle aus leben, um die Erfahrung zu haben: So fühlt sich dass an. So fühlt sich Wut an, wenn etwas nicht funktioniert. So fühlt sich Enttäuschung an, wenn etwas nicht so ist wie gehofft. So fühlt es sich an, wenn man einfach schlecht drauf ist. Wir Eltern dürfen unsere Kinder dann begleiten und ihnen zeigen, dass es okay ist sich so zu fühlen. Denn wenn man weiß, das man okay ist, egal wie man sich fühlt, dann geht es einem meist schon ein Stückchen besser. 

Leben ist nicht einfach, kann aber wunderschön leicht sein

Wir sind bei Freunden und unterhalten uns. Wir reden über unsere Pläne. Darüber, dass wir unseren Lebensraum finden wollen und dann sicher noch einiges an Renovierung zu tun haben werden. Unsere Freunde machen bereits diese Erfahrung und es fällt der Satz: Ja es ist schon schön, alles so machen zu können, wie wir es wollen, aber die Renovierung ist so viel Arbeit. Im Laufe des Gesprächs kommen wir darauf, dass ich mir einen Kindheitstraum erfüllen möchte. So sprechen wir über die Verantwortung für und das Leben mit einem Hund. Auch an dieser Stelle haben unsere Freunde einen Erfahrungsvorsprung. Sie leben bereits mit einem Hund zusammen. Und dann fällt wieder dieser Satz: Schön ist es, und man kann viel lernen, aber es ist auch oft nervig und viel Arbeit. 

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich das höre. Und nicht nur von diesen Freunden. So oft höre ich „Arbeit“, „das wird aber schwierig“. Und irgendwie geht er mir lange nach dieser Satz, diese Einstellung. 

Ich leugne nicht, dass das Leben Herausforderungen für uns bereitstellt. Dass es mal einfacher und mal schwerer ist. Mal mehr und mal weniger „Arbeit“. Dass weiß ich. 

Aber es ist unser Leben. Wir können entscheiden, ob wir nur das Unkraut und die Arbeit in unserem Lebensgarten sehen. Oder wie die Blumen blühen. Auch das Unkraut hat Blüten und die Brennnesseln sind wichtig für Schmetterlinge.  

Unkraut?! – An wunderschönen Blüten kann man sich auch erfreuen

 Was ich damit meine ist, gehen wir den Weg unseres Herzens, dann ist er ab und an eine Herausforderung. Er wird Aufgaben für uns haben, die alles von uns abverlangen. Und doch ist er schön und leicht, wenn wir den Blick auf die richtigen Dinge legen. Ich kann sehen, wie ich mich durch meine Aufgabe weiter entwickle, wie ich wachse. Ich kann Dinge als Geschenk annehmen, die mit dazu gehören. Und ich kann mir alltägliches ganz bewusst und besonders machen, und so Kraft und positive Energie tanken. 

Und während ich diese Gedanken aufschreibe kommt mir das Zitat von Beppo Straßenkehrer in den Sinn:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“ (Michael Ende)

Schritt für Schritt mit dem Blick für die Blüten und Schmetterlinge in unserem Lebensgarten. Die Früchte werden dann ganz besonders schmecken. Versprochen!

Pures Glück

Morgens Aufstehen. Die Sonne kriecht langsam über den Berg. Sie bahnt sich den Weg durch Nebelschwaden. Noch ist es frisch, fast kalt. Der Körper, noch Sonnen verwöhnt, muss sich erst wieder an die Kühle gewöhnen. Wir stromern durch Gemüsereihen, hören der Frösche Morgenkonzert. Langsam zieht der Esel die Egge. Die Erde formt sich, unter ihr, zu kleinen Hügeln. Ich weiß es ist Richtig so. Nicht anders. Nur so ist es ein kleines Stück Paradies. So „Layed Back“ wie der Herzensmann es ausdrückt. Langsam. Mit, inmitten und im Einklang mit der Natur. Ich spüre, dass auch ich so leben möchte. Einfach. Unabhängig. Frei. Ich weiß, dass mein Paradies irgendwo auf mich wartet. Bis die Zeit gekommen ist. Nur nicht ungeduldig werden.  

 

Auch nach dem schwersten Gewitter scheint wieder die Sonne

Das Leben ist nicht nur hell und leicht. Es ist nicht nur dunkel und schwer. Es ist beides. In allen Tönen, Schattierungen und Stufen präsentiert es uns. Meist an einem Tag die ganze Palette. Nun gut vielleicht nicht jeden Tag schwarz, aber doch oft dunkelgrau. Und dann wieder sonnengelb oder grün. Licht und Hoffnung und Lachen. Glucksendes Babylachen. Freches Kinderlachen. Ansteckend. Kurze Momente reinstes Glück. Die sauge ich auf wie ein Schwamm. Ich bin dankbar für dieses Glück. Überhaupt für alles Glück, was ich bekomme. Gerne würde ich teilen. Ich kenne genug, die nicht so ein Glück haben. Und auch hier ist nicht nur rosarot und sonnengelb. Es gibt auch Gewittergrau. Das braucht es ab und zu in kleinen Dosen. Doch manchmal kommt es wie ein Hammerschlag. Dann braucht es eine Weile, bis man damit umgehen kann. 

PS: Uns geht es gut. Die Ereignisse bei Freunden nehmen mich mit. 

berührt: tiriliereliere

Singen? Ja, Singen! Musik! Tut so gut. In allen Lebenslagen. Es ist befreiend. Entspannt in angespannten, verfahrenen Situationen. Macht gute Laune. Musik bietet so vieles. Für jeden Moment gibt es die richtigen Lieder. Man kann sich gehen lassen. In melancholischen Liedern, seine Unlust richtig genießen. Freudig durch die Gegend tanzen, mit einem quietschenden Baby auf dem Arm. Sich entspannt zurück lehnen und den Klängen lauschen, den Melodien. Wie sie sich hin ziehen und entspinnen. Die Bilder dazu im Kopf arbeiten Lassen. Träumen. Wütend stampfen. Frust abbauen. Mit harten Rhythmen, lautem Getöse. Auch das ist möglich und noch viel mehr. Befreien durch zuhören das Eine. Befreien durch selber machen das Andere. Für mich viel Schönere. Ob einfache selbst gesponnene Melodien summen, ein Instrument zum Klingen bringen oder höchst Anspruchsvolle Chormusik singen. Egal und doch ganz unterschiedlich in seiner Wirkung auf mich.
Summend und singend gehe ich jeden Tag durchs Leben. Es ist meine Motivation. Wenn ich schlecht drauf bin. Est mal kurz suhlen in traurigen, lustlosen Melodien. Die sich dann aufschwingen, zu fröhlichen, Mut machenden Weisen. Mich so befreien aus meinem Loch. Es hilft mir, wenn ich keine Lust habe. Das Baby quengelig und mal wieder alles Sch***e ist. Nicht nur Hilfe, sondern auch Ausdruck meiner Befindlichkeit. Geht es mir gut, wird geträllert und tiriliert.
Hilft das Summen und allein singen nicht mehr. Braucht es eine größere Ausdrucksform. Her mit dem Instrument. Her mit lauteren, kraftvolleren Tönen. Auch mal quietschen und quatschen. Schief und krumm darf es klingen. Je nach Lust und Laune. Auch hier kann ich mich wunderbar abreagieren. Angestaute Energien raus in die Musik entlassen. Kraftvoll umsetzen, alles geben.
Die beste Wirkung auf mich, meinen Körper und Geist/Seele hat gemeinsames musizieren. In größeren Gruppen. Chor oder Orchester muss es schon sein. Anspruchsvoll auch. Da kann ich mich verlieren. In den Tönen, dem Klang, der Gemeinschaft. Egal was vorher war. Wie anstrengend der Tag. Ob ich müde und kaputt bin. Im Chor singen, bringt mich wieder zum Leben. Ich kann mich fallen lassen. Alles vergessen. Einfach nur Sein. Kraft tanken. Die Musik mich berühren lassen. Tief innen im Herzen.