„Mama! Das sind doch nur ein paar Wassertropfen!“

Es regnet. Und regnet und regnet und regnet. Ununterbrochen. Als hätte jemand die Dusche an gemacht und vergessen wieder zu zu drehen. Es ist Morgens um sieben. Wir sitzen am Frühstückstisch. In einer Stunde möchte ich die Kinder in den Wald bringen. Es ist gerade Waldzeit. Genauer, die letzten drei Waldtage liegen noch vor uns. Diese werden immer noch mal so richtig genossen und zelebriert. Den die Waldzeit ist etwas besonderes. Zwei Mal im Jahr einen Monat lang. Nur Wald, einen Bauwagen und eine Plane über ein paar Biertischen. Nicht mehr. Dafür Natur pur. Ruhe. Bei sich sein. Mehr Ausgeglichenheit. Kreativität. Ja Freiheit. Die Kinder können sich auf andere Art und Weise erfahren. Und andere Erfahrungen machen. 
Trotzdem denke ich heute Morgen beim Blick aus dem Fenster, muss das sein? Und formuliere meinen Gedanken für die Kinder. „Wenn es nachher immer noch so regnet, macht ihr heute einen Pausentag. Ich habe keine Lust, euch heute in den Wald zu fahren.“ „Mama! Das sind doch nur ein paar Wassertropfen!“, bekomme ich als Antwort vom Dezemberjunge zu hören. Recht hat er. Der Herzensmann pflichtet ihm bei mit einem „Heut Morgen ist ja auch das Auto da.“ Er ist den Vormittag erstmal im Homeoffice. 

So sitzen wir keine Stunde später im Auto. Im Wald sind schon die ersten Kinder da. Es wird nach Malsachen gefragt. Ein paar Kinder sitzen am Schnitzplatz im Regen und schnitzen. Von der Plane tropft das Wasser unablässig. Es bilden sich Pfützen und ich weiß, die Kinder werden ziemlich dreckig sein, wenn ich sie abhole. Und trotzdem ist es schön. Am liebsten würde ich bleiben. Es ist ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Du bist da. Alles andere drum herum wird egal. Sein! Rein und klar. 

Und so werde ich heute Mittag mit dem Fahrrad zwei nasse und müde, aber glückliche Kinder abholen. Kinder, die Regen fühlen konnten. Kinder, die Regen schmecken konnten. Kinder, die die Natur und sich selber in ihr erfahren konnten. Geerdet. 

   
 

Dies und Das

Der letzt Post hier ist schon lange her. Immer wieder habe ich mir vor genommen etwas zu schreiben. Dann kam meist das Leben dazwischen. Damit bin ich gerade sehr beschäftigt. Überall wird man gebraucht, meist mehr als gegeben werden kann. Da braucht es den besonderen Blick auf die schönen Dinge. Die kleinen Momente, die Kraft geben und zeigen, dass alles seinen liebevollen Weg geht. 

  Daran erinnert mich immer diese kleine Bastelei. Das Septembermädchen bringt jeden Tag aus dem Wald unzählige große und kleine Stöcke mit. Erst war ich genervt. Jeden Tag auf dem Fahrrad einen Kinderrucksack voll mit „unnützen“ Stöcken zu transportieren, die mir im Zweifel auch noch in den Rücken picksen. Doch gestern hatte ich dann den Einfall daraus zu basteln. Schwups ein paar Löcher gebohrt und Perlen besorgt. Und nun bin ich dankbar. Dankbar, dass das Septembermädchen mir diese vielen wunderschönen Stöcke mitgebracht hat. 

  Eine kleine Bastelei ist auch diese Tasche. Ein rosa Einhorn Mädchentraum für eine Kindergartenfreundin. Diese feiert ihren Pferde Einhorn Geburtstag, da ist diese Geschenkverpackung genau das Richtige. Hoffe ich zumindest. Der Dezemberjunge hätte selber auch gern etwas mehr rosa Einhornglitzer und wünscht sich einen Rock. So wird hier die Nähmaschine bald wieder rattern. 

  Das was mir am meisten tägliche Dankbarkeit beschert sind unsere inzwischen fünf Hühner. Uns allen bereiten die kleinen und größeren Aufgaben viel Freude. Besonders das morgendliche aus dem Stall lassen und natürlich die Eier aus dem Stall zu holen. Das Septembermädchen hat auch eine gute und weiche Ablagemöglichkeit auf ihrer Höhe gefunden. Nur beim hinsetzen müssen wir immer zwei mal hinschauen.   Und dann ist da „mein“ Garten. Dieses Jahr bekommt er die volle Aufmerksamkeit. So wachsen dieses Jahr Kulturen, die ich vorher noch nicht angepflanzt habe. Kürbis, Gurke und Mais zum Beispiel. An Stellen, die ich noch vor ein bis zwei Jahren nicht nutzen konnte, war ich doch von Vermieterseite auf meine Flächen begrenzt. Seit dem Wechsel ist unser Vermieter nun eher froh um alles was er nicht machen muss, was auc nicht immer schön ist, denn auf einmal hatten wir keine Mülltonne mehr. Aber darum soll es heute gar nicht gehen, sondern um die schönen Dinge. Und so ist auch der Regen heute für mich ein großes Geschenk. Der Garten mit all seinen  Pflanzen freut sich sehr. 

Ein Bild und seine Geschichte

Ein greller Lichtblitz zieht über den dunkel grauen Himmel. Im selben Moment kracht es. Es fühlt sich an, als würde die Welt auseinander brechen. Kurz danach hören wir nur das laute Prasseln des Regens. Dann fängt der Dezemberjungen an zu schreien. Er steht draußen im Regen, hat seine Feder und seine Schätze in der Hand. Er musste sie retten. Ich stehe an der offenen Terrassentür, rede ihm zu. Bei mir kommt er in meine Arme. Er weint und weint. Dann höre ich weiteres Weinen. Das Septembermädchen ist am Fenster im Kinderzimmer. Sie hat von dort beobachtet, wie ihr großer Bruder seine Schätze gerettet hat. Auch ihr ist der Schreck in den ganzen Körper gefahren. So sitzen wir im Flur, in meinen Armen zwei weinende Kinder. Ich bin ruhig, spreche leise und atme tief ein und wieder aus.

Es ist Abendbrotzeit. Die Suppe steht auf dem Herd. Schon seit über einer Stunde hat sich das Gewitter angemeldet. Der Himmel ist immer dunkler geworden. Ich habe Licht angemacht. Die ersten Tropfen. Von Ferne ein leises Donnerrumpeln. Kurz bevor es diese explosive Entladung gab, konnten wir weitere Blitze sehen. Die ersten waren sehr nah. Das Donnern folgte fast direkt.  Doch dann zog es fort. Dachte ich. Der Dezemberjunge wollte unbedingt seine Schätze retten. Ich hatte keine Lust hinaus zu gehen. Bot ihm an, dass er es machen kann. Ich würde an der Tür auf ihn warten. Dann kam der Schreck.

Vorher hatten beide Gewitter sehr gemocht. Sie standen am Fenster um die Blitze zusehen. Angst hatten sie nicht. Nun sitzt das Septembermädchen am Abendbrottisch. Ihr Blick ist starr. Sie beginnt zu sprechen. Vom Blitz und von Feuer erzählt sie. Ich erkläre, dass heute kein Brand entstehen wird, da es so sehr regnet. Ich erzähle, dass sich der Blitz hohe Sachen aussucht. Mammutbäume und Hochhäuser fallen den Kindern ein. Hochhäuser haben Blitzableiter, so geht der Blitz außen entlang in die Erde, erzähle ich. Die Antwort des Septembermädchens: dann fangen die Menschen keine Feuer die in dem Hochhaus leben. Ihr fällt noch etwas ein. Als wir die Tiere angesehen haben, war auf dem Weg ein Baum, der vor langer Zeit von einem Blitz getroffen wurde. Er war auf ihrer Autoseite, als wir vor mehr als einem halben Jahr dort lang gefahren sind.

Der Dezemberjunge ist noch unruhig. Er erzählt, das sein Herz so schwer geworden ist. Dass es dort, am Bauch, weh tun würde. Ich lege ihm meine Hände auf Herz und Rücken, spüre seine Aufregung, seinen Schreck. Irgendwann rutscht mir ein tiefer Seufzer raus. Der Dezemberjunge löst sich und verschwindet im Kinderzimmer. Eigentlich wollten wir doch Essen.

Er ist sehr ruhig, kommt zur Ruhe und ich spüre genau, wie er diesen Moment für sich braucht. Dann kommt er wieder mit einem Bild. Der Blitz und der Donner, zeigt er. Hier ist das hohe Gras, das sich bei dem Sturm neigt. Das Haus unseres Nachbarn mit der Giraffe und unser Haus. Noch mehr Gras und der graue Himmel. Dann huscht er noch ein Mal weg. Als er wieder kommt, sagt er: “ Jetzt sieht es gefährlicher aus.“ Der Blitz ist nun gelb.

Dann kann auch er von seiner Suppe essen. So lange bis sich Beide in die Haare kriegen (genau einen Löffel), aber das ist eine andere Geschichte.

Alles zu seiner Zeit


Bei Babys und Kleinkindern ist dieser Spruch so etwas wie das Mantra der Entwicklung. Egal in welcher Hinsicht, ob es die Bewegungsentwicklung, Sprachentwicklung oder andere Entwicklungsschritte sind. Alles zu seiner Zeit. Dann, wenn der innere Bauplan der Kinder es vorsieht. Nicht eher werden die Schritte vollzogen. Durch schieben und drücken oder andere äußere Einwirckung von seitens der Eltern oder Bezugspersonen, wird es nicht schneller gehen. Kann sogar schädlich sein und auch die Lust und Freude nehmen.

Was mir bei der individuellen Entwicklung meiner Kleinkinder selbstverständlich war, durfte ich mir nun bei einem Entwicklungsschritt des Dezemberjungen erneut ins Gedächtnis und in mein Bewusstsein rufen. Denn es ist völlig egal wie alt der Mensch ist. Seine Entwicklung wird er immer -soweit man ihn lässt- nach seinem eigenen Bauplan gestalten. Ganz egal wann die anderen Wegbegleiter diesen einen Entwicklungsschritt gehen.

So ging es mir beim Fahrrad fahren lernen. Schon lange haben wir eins in der Garage stehen. Geliehen von einer guten Freundin für den Dezemberjungen. Doch er hatte überhaupt kein Interesse. Kein Problem. Doch die letzten Monate würde ich unruhig. Innerlich. Zum Einen fahre ich die meisten Strecken mit dem Fahrrad und Anhänger. So langsam wird der Dezemberjungen einfach zu groß. Schwer ist es auch, aber das sehe ich eher sportlich, noch dazu ganz ohne elektrische Unterstützung. Zum Anderen wusste ich, dass er es kann- wir hatten es bereits geübt- und das es ihm sehr viel Spaß machen würde. Und seine Freunde aus dem Kindergarten fahren alle Fahrrad, auch die die schon etwas jünger sind. So ganz lies mich das nicht kalt. Ja, ich wollte das er Fahrrad fahren lernt, bzw noch das Vertrauen dazu gewinnt, das er es kann. So machte ich ihm Angebote. Er sah seine Freunde Rad fahren. Doch er fuhr lieber mit dem zu kleine Laufrad. Irgendwann war es mir dann aber wieder egal. Nachdem ich so einige Möglichkeiten in Betracht gezogen hatte, unter anderem auch den gemeinsamen Kauf eines (gebrauchten) eigenen Fahrrads. Doch zum Glück hat es nie so gepasst, das wir eine der Möglichkeiten und Ideen umgesetzt haben. Dann wurde es mir egal und ich schlug am Karfreitag vor das Fahread mit zunehmen. Ich dachte er würde wie immer ablehnen. Tat er nicht. Und so fuhr er dann im Tiefenbachtal hin und her und wieder her und hin. Er strahlte. Er bremste. Er fuhr ganz alleine los. Er konnte Rad fahren. Jeder Fußgänger konnte das sehen und es wurde ihm auch erzählt und gezeigt. Wir alle konnten seinen Stolz sehen. Seitdem ist eigentlich kein Tag vergangen an dem er nicht Rad gefahren ist. Nun fährt er selber in das Kinderhaus. Hat auch schon längere Strecken durchgehalten und gemerkt, wie es ist Rad zu fahren, wenn man wirklich müde ist.  Und so kann ich einfach nur mir selber immer wieder sagen: nur Geduld, alles zu seiner Zeit.

Vom großen Glück ein Stück

Gerade mal einen halben Tag sind unsere Hühner nun bei uns. Am Abend haben wir ihnen Gute Nacht gesagt. Der Dezemberjunge und ich. Da standen wir also im Schneegestöber vor dem Hühnerstall und schauten durch den kleinen Hühnereingang hinein. Wir beobachteten wie sie sich fröhlich über ihr Futter her machten. Wie sie pickten und gurrten. Ab und zu blickten sie uns an. Sie wunderten sich wahrscheinlich was das soll. Warum guckt da jemand rein. Und wer sind die überhaupt. Doch während es Schnee regnete und ein Wind es nicht so kuschelig machte, stieg in mir eine warme Welle der Zufriedenheit auf. Ja, es ist simple. Hühner, genauer, vier Hühner machen mich glücklich. Ganz ehrlich, wenn es nicht gerade um die null Grad und Schnee draußen wären, hätte ich mir einen Hpcker geholt und dort den Nachmittag verbracht. Sicher war es ganz gut, dass ich das nicht gemacht habe. Zumindest für meinen Gesundheitszustand.

Gemeinsam, mit den Kindern, haben wir sie getauft. Ohne Sekt, Wassertauchen oder andere Schweinerein. Einfach so. Sie haben Namen, was sie gleich noch vertrauter und sympathischer macht. Sie heißen Stoffi-Moffi und Stina-Fina, wie bei Pettersson und Findus, außerdem Henriette Bimmelbahn und Mathilde. Wie wir das erkennen können wer wer ist? Ganz einfach: Sie sehen alle anders aus. Eins ist Schwarz-weiß gesperbert, ein anderes Braun, wieder eins ist weiß mit einem schwarzen Federkranz am Hals, das vierte sieht dem dritten sehr ähnlich hat aber hellbraune Federn auf dem Rücken. Doch auch der Charakter der vier Damen zeigt Unterschiede. Diese dürfen wir in nächster Zeit noch genauer kennen lernen. 

 Und dann ist da ja noch die Sache mit den Eiern. „Mama, wann legen die jetzt ein Ei?“, fragte mich der Dezemberjunge, als wir so im Schnee standen und unseren Hühnern im Stall zusahen. Tja, wenn ich das wüsste. „Und wo kommt das Ei raus?“ Dass wusste ich, da wo sie auch kackern, was wir auch schon beobachten durften. Diese Antwort gab dem Dezemberjuge sehr zu denken. Die nächste Frage folgte und macht das sehr deutlich. „Mama, wie basteln die das Ei eigentlich zusammen?“ Das schauen wir uns drinnen an. Gut, dass ich meine Unterlagen aus dem Studium noch da hab, war ja doch ganz sinnvoll. Und so sitzen der Dezemberjunge und ich beim Abendbrot und schauen uns an, wie ein Ei entsteht. Wir lernen, dass zuerst das Eidotter im Eierstock gebildet wird. Im Eileiter kommt aus Drüsen das Eiklar dazu, wenn dann das Ei nach 24 h die Eienge passiert hat und in den Eihalter kommt, wird dort noch die Schale dran gemacht und dann. Tja, dann geht es dem Huhn wie uns Menschen, es sucht sich ein stilles Örtchen. 
Dass alles haben wir gelernt, weil wir einen halben Tag Hühner haben. Ich glaube, wir lernen noch sehr viel mehr. Am meisten aber, dass ganz einfache Dinge unglaublich glücklich machen. 

Ich würde Euch gerne schon ein Foto zeigen, wenn ich es denn hochladen könnte. Ich hoffe, ich finde bald des Rätsels Lösung. 

Eiseskälte

Kalt ist es. Wunderschön kalt. Und irgendwie fühlt sich auch alles andere etwas erstarrt an. Der Dezemberjunge hatte von Freitag bis Sonntag Fieber. Nun hängt er noch etwas schlapp mit verstopfter Nase in der Wohnung rum. Das Septembermädchen bleibt auch einfach zu Hause. Ich habe keine Lust auf Theater und Fahrrad fahren und so. 

Unser Hühnerstall kommt auch nicht voran. Eingefroren auch er. Ich warte auf wärmere Temperaturen. Bevor es weiter geht muss die eine Seite gestrichen werden, damit wir den Stall an seine endgültige Position stellen können. Sonst wird er wahrscheinlich zu schwer. Dabei hatte ich gehofft am kommenden Samstag zu einem Kleintiermarkt zu fahren. Vielleicht machen wir das trotzdem? Mal sehen. 

Jetzt packen wir uns erstmal alle warm ein und stecken die Nase raus. Die Kinder hauen sich zwischen durch die Köpfe ein. Lagerkoller. Vielleicht hilft ein bisschen frische Luft.  

 

Ein Rock für eine Prinzessin

Es ist Fasching. Auch im Kinderhaus wird gefeiert. Der erste Fasching für das Septembermädchen. Ich habe mir nicht groß Gedanken darüber gemacht. Bis letzte Woche. Der Dezemberjunge war sehr klar. Er geht als Feuerwehrmann. Das ist einfach, dachte ich. Arbeitshose, rote Jacke und ein Helm, noch eine Wasserspritzflasche in die Hand, fertig!  

 Auf meine Frage, als was sie sich verkleiden möchte, antwortet das Septembermädchen: als Prinzessin! Mein erster Gedanke war, oh Mann! Voll in die Klischeekiste gegriffen, Feuerwehrmann und Prinzessin. Aber gut, sie entscheidet. Eine Krone haben wir, ein schönes Kleid auch. Alles gut also. Aber reicht das wirklich? Prinzessinnen haben doch lange Röcke oder Kleider an. Unser Kleid ist eher ein kurzes. Also ran an die Nähmaschine. Und so ist an den letzten beiden Abenden ein schönes Prinzessinnen-Röckchen entstanden.     
   
   
 
  

Die Hausarbeit und die Kinder

Heute hat Ruth von „der Kompass“ (ehemals unerzogen Leben) auf Facebook gefragt, ob unsere Kinder im Haushalt mithelfen. Mich hat die Frage ein bisschen beschäftigt und ich möchte meine Antwort heute hier fest halten und mit euch teilen. 

Vorne weg möchte ich hier noch mal festhalten, der Dezemberjunge ist 5 und das Septembermädchen 3 Jahre alt. Sie können also schon eine Menge, sind aber noch so klein, dass es keine Pläne oder ähnliches gibt, wie es oft bei Schulkindern gemacht wird. Auch ich kann mich an solche Pläne erinnern. Wir haben in meiner Familie so einige Systeme ausprobiert. Ob ich solche Pläne selber einsetzen werde? Ich weiß es nicht. Das wird die Zeit zeigen. 

Doch wie sieht es nun bei uns aus? Mache ich alles alleine? Nein! Denn die Beiden können schon sehr viel. Aber es ist keine regelmäßige Pflicht á la „du musst jede Woche den Müll rausbringen“. Das wäre ja Quatsch. Um Euch ein Bild zu geben und es für mich festzuhalten, möchte ich ein paar Situationen beschreiben, die mir in den Kopf kamen, als ich die Frage gehört habe. 

Gestern Abend: Das Septembermädchen ist schon bereit ins Bett zu gehen. Der Dezemberjunge ist noch mit mir im Bad. Einen kurzen Moment später kommt sie wieder und spricht den Dezemberjunge an. „Du musst unser Bett noch ordentlich machen, sonst mach ich das.“ Der Dezemberjunge hatte im Laufe des Nachmittags eine Hölle im Bett gebaut. Da wir nur dieses eine Bett haben, ist für alle klar, abends muss es wieder ordentlich sein. So dass alle darin schlafen können. Nun ziehen Beide, mit einer klaren Aufgabe, wieder los. Denn der Dezemberjunge möchte die Hölle selber abbauen. Als ich dann etwas später dazu komme, toben die Zwei fröhlich übers Bett. Mmh. Tief durchatmen. Ich schnappe mir Decken, die ins Kinderzimmer gehören und gebe sie dem Dezemberjunge. Er bringt sie dahin. Das Septembermädchen bekommt Kissen aus dem Wohnzimmer. Ich lege die Bettdecken und Kissen wieder richtig hin. Fertig! Schnell unter die Decke kuscheln. Die gute Nachtgeschichte wartet. 

Anfang der Woche habe ich den Weihnachtsbaum rausgestellt. Bei diesem Manöver, den Baum aus der Terrassentür raus zu bugsieren, fallen immer einige Nadeln ab. Ich hole Besen und Schaufel und siehe da, ich habe Gesellschaft bekommen. Das Septembermädhen hat ihr Spiel unterbrochen und steht nun da. „Was machst du?“, ist eigentlich immer die erste Frage. Ich antworte dann immer! Und zwar ganz exakt das was ich mache. In dem Moment also „ich kehre die Tannenbaumnadeln auf.“ „Ich will das machen“, ist die Antwort von ihr. Also gebe ich ihr die Schaufel und den Besen und gehe in die Küche. Zwischen durch trifft auch der Dezemberjunge im Wohnzimmer ein. Er schaut erstmal zu. Irgendwann ruft mir das Septembermädchen zu, dass sie keine Lust mehr hat. Ich sage, dass das okay ist und ich dann weiter mache. Da meldet sich der Dezemberjunge zu Wort. Er macht das. Also Werkel ich in der Küche weiter vor mich hin. Da kommt der Dezemberjunge mit Schaufel und Besen. Er sei jetzt fertig. Schüttet dem Müll weg und räumt Besen und Schaufel in den Schrank. Als ich fertig bin und ins Wohnzimmer gehe ist wirklich alles weg gekehrt. Keine Nadel oder andere Krümmel sind noch da. Ich freue mich und bedanke mich beim Dezemberjungen. 

Meistens ist es ja so. Die Zwei Spielen und spielen. Kaum fange ich dann an zu kochen für das Abendbrot, stehen da zwei ausgehungerte Menschen in der Küche, die schon seit Tagen, ach Wochen, nichts zu essen hatten. Und so huschen sie mir dann um die Beine. Vielleicht fällt ja was runter, oder eine kleine Hand stibitzt sich was. Und dann kommt die Ansage „Ich will mit machen!“ Wenn dann noch genug zu schneiden ist, kein Problem. Beide setzen sich an den Tisch, bekommen Brettchen und Messer, und los geht’s! Oder es gibt etwas zum umrühren. Doof ist, wenn einfach nur gewartet werden muss, bis das Essen fertig ist. Ab und an ist die Spülmaschine dann gerade bereit zum ausräumen. So kam auch vor kurzem von mir die Idee, räumt doch die Spülmaschine aus. Und da fingen die Beiden an. Und als das Essen fertig war, war auch die Spülmaschine ausgeräumt. 

Tischdecken machen wir gerne gemeinsam. Zum Einen weil es mehr Spaß macht und zum Anderen stehen die Teller bei uns zu weit oben. Aber ab und zu ruf ich auch, „wer hilft mir mit Tischdecken?“ Keiner. Auch okay. Und jedes Kind hätte auch gerne immer sein Lieblingsbesteck. Also sollen sie es sich selber raus suchen. Da konnte ich dann auch diesen Satz hören, „wir machen aber nur unser Besteck. Du musst deins selber raus holen.“ Äh, Danke. Ich fühlte mich etwas vor den Kopf gestoßen und so sagte ich das auch. Aber es hatte keine Auswirkungen. Ich hab mir dann mein Besteck selber rausgesucht. 

Und manchmal fangen die Beiden mit ihrer neuen Seife an, das Bad zu putzen. Die Seife wird schön nass gemacht und mit ihr oder einem Lappen über sämtliche Oberflächen drüber gewischt. Sie putzen das Bad. Und das dürfen sie auch. Dass das so nicht meinen Vorstellungen von putzen und Sauberkeit entspricht, ist meine Sache. Da sie nicht das Klo geputzt haben ist alles gut. 

Und so gibt es viele kleine Momente und Geschichten in denen Beide super „helfen“. Genauso gibt es die Geschichten in denen sie mit Absicht irgendetwas durch die Gegend oder Müll einfach runter schmeißen, in denen ich alles alleine mache. Viele Sachen machen sie selber und das gerne. Weil sie können, weil sie wollen und sie dürfen (nicht im Sinne von erlauben sondern Lassen). Es gibt nur manchmal in sehr speziellen Fällen ein Nein, das geht jetzt nicht. Immer mit Begründung und dann ist es auch okay. Und so ist es im Moment ein Gemeinsames tun und ich wünsche mir, dass das so bleibt. 

Unser Wochenende 6./7. Januar 2018

Der Samstag beginnt ruhig. Bis auf eine kleine Enttäuschung seitens der Kinder. Die Kronen liegen nicht auf dem Frühstückstisch! Ich hatte am Nachmittag zuvor von einigen Drei Königsbräuchen gelesen und diese der Familie erzählt.    
Zum Glück haben wir alles da und so steht den Kronen nichts im Wege. Beide Kinder bekommen eine und spielen immer wieder über den Tag verteilt damit. 

 Auch einen Drei Königskuchen soll es geben. Leider haben wir keinen Blätterteig in Haus und hier ist Feiertag. Also wage ich mich an dieses schnelle Blätterteigrezept. 

   Am Nachmittag geht es noch mal raus. Wir brauchen noch etwas Hasenfutter und Bewegung und Frische Luft. 
 Danach gibt es Kuchen und alle fragen sich wo die Mandel ist. Heute wird sie nicht gefunden. Ist da wirklich eine drin?

   Dann machen wir zum letzten Mal die Kerzen am Weihnahhtsbaum und an der Pyramide an. Auch ein Räuchermännchen darf sein Pfeifchen paffen. Morgen soll ab geschmückt werden. 
Am Sonntag Morgen darf ich lange im Bett bleiben. Kurz vor Mittg stehe ich auf. Wir wollen wenigstens einen Ausflug in den Ferien machen (dank Erkältungs-Staffellauf waren wir fast ausschließlich zu Hause). Ich schaue nach was es gibt und entdecke eine Kinderführung im Schloss in Bad Urach. Die Führung ist ausgebucht, so machen wir uns ohne Führung auf einen Streifzug durch das Schloss. 

 Die Prunkschlittensammlung gefällt den Kindern besonders. Und wir Erwachsenen sind etwas irritiert über die Bräuche und Lebensgewohnheiten der Adligen früher. 

   Ein schön gemachtes Rätsel für die Kinder macht die Tour durchs Shhloss abwechslungsreich. Der Dezemberjunge hat viel Spaß dabei die Fragen mit uns zu beantworten. 
 Danach drehen wir noch eine Runde durch Bad Urach. So viele schöne Fachwerkhäuser gibt es hier zu bestaunen und schicke Gullideckel. 

Wieder zu Hause gibt es den Rest vom Kuchen. Noch ist die Mandel nicht gefunden. Ich werde tatsächlich beschuldigt, keine hinein getan zu haben. Doch ich habe ein Beweisfoto. 

   Und zum Glück kann ich sie wenig später in meinem Kuchenstück finden. Meine Ehre ist gerettet und wir alle hatten viel Spaß. 
 Danach wird gespielt und abgeschmückt. Ziemlich spät gehen die Kinder ins Bett. Gut das sie am Montag noch mal frei haben. 

Euch Wünsche ich eine gute Januarwoche. Und bei Susanne kann man sich durch weitere Wochenenden lesen. 

Zum Jahreswechsel

Ruhige Tage liegen hinter uns. Ein Weihnachten mit wenig Terminen. Nur kanns, keine muss unbedingt. Es gab auch keinen Besuch. Und so plätschert hier jeder Tag dahin. Wir schlafen lang, frühstücken gemütlich, meist sind die Kinder bis Mittag im Schlafanzug, es wird viel Lego gebaut, wir Großen räumen noch etwas auf und zwischendurch wird auch etwas geputzt. Aber ansonsten passiert nicht viel und so ist es genau richtig. Denn ein bisschen erkältet waren am Anfang die Kinder, dann ich und nun auch der Herzensmann. So tut die Ruhe und das „nach unseren Bedürfnissen leben“ sehr gut. Und so ist auch heute der Jahreswechsel ruhig. Am Vormittag habe ich hier noch etwas geputzt und das Arbeitszimmer wurde noch ordentlich, da gestern noch ein Regal abgeholt wurde. Nach dem Mittag und etwas Lego bauen sind wir raus gegangen. An der Fischtreppe konnten wir das milde sonnige Wetter genießen. Erst um fünf gab es Kaffee trinken. Und so wurde es später, denn nun musste erstmal ausgiebig Lego gebaut werden. Irgendwann begann das Septembermädchen kund zu tun, dass sie nun müde sei und ins Bett möchte. Also fing ich an Abendbrot zu bereiten. Es wurde nach acht und das Septembermädchen aß nur noch etwas Salat. Sie war zu müde. Hinzukommt, dass sie die ganze Zeit schon die Knaller sehr deutlich wahr nimmt und sie in Angst und Schrecken versetzen. Egal wo es knallt und ob es am helllichten Tag ist. Sie hat Angst. 

Mit dem Dezemberjunge mache ich nach dem Essen noch Wunderkerzen an. Fasziniert schaut er dieser beim Brennen zu. Er ist begeistert von dem Raketen und Knallern. So steht er noch eine Weile am Fenster und schaut den ersten Raketen zu. Er strahlt als er dann ins Bett kommt. Zwanzig nach neun schlafen Beide. Deutlich später als sonst. Das war dem Dezemberjunge auch sehr wichtig. 

Ich habe wieder die Kerzen draußen an gemacht. Mein Rauhnachtritual. Dieses Jahr begehe ich sie zum zweiten Mal sehr bewusst. Ich bin gespannt, wie sich dass auf das neue Jahr aus wirkt. Auf jeden Fall gehe ich mit diesen besonderen Tagen sehr achtsam um. Diese Achtsamkeit tut mir sehr gut. Heute werden wir nicht mehr viel Machen. Morgen heißen wir dann das neue Jahr Willkommen. Wir werden kleine Walnusskerzenboote fahren lassen, ihnen unsere Wünsche und unseren Segen mit geben. Für das erste Frühstück werde ich nun noch Glücksbrötchen backen. Sie werden hoffentlich wie Schweinchen aus sehen. Und so starten wir ganz geruhsam in das neue Jahr. Ich bin gespannt, was sich verändern wird. 

Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch (O-Ton der Kinder „Warum sagen das jetzt alle Leute“) und ein gesegnetes neues Jahr.