Der Herbst ist da

Schon eine Weile ist der Herbst da. Mit kühlen Morgen, Nebelschwaden und dem Geruch nach reifen Äpfeln. Die Mützen werden früh beim raus gehen nicht mehr vergessen. Das Septembermädchen hat nun schon eine Strumpfhose an. Beim Krabbeln auf dem Boden ist es noch mal kälter. Der kleine Mann hat neue Herbstwinter-Schuhe. Auch ich kuschel mich ein, in eine neue Lieblingsjacke aus Schurwolle in den tollsten Herbstfarben. Genieße so eine wunderschöne Jahreszeit. 

Seit heute ist auch ein kleines Stück Herbst ins Kinderzimmer gezogen. Nun leuchten die Herbstfarben vom Fenster herein. Die Blättergirlande freut den kleinen Mann sehr. Er hatte sie sich gewünscht. Nun schmücken die Blätter der Zaubernuss sein Zimmer.  

 
Für alle die auch eine basteln wollen. Man braucht schöne bunte Blätter und einen Bindfaden. Die Blätter einfach an den Faden knoten. Dafür sollten die Blätter einen kräftigen Stiehl haben. 

2500 € für einen guten Start ins Leben

Beim Abendbrot rief mich meine Hebamme an und gab mir die Zahlen durch, um die ich sie gebeten hatte. Die Kosten der Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett. Pro Kind knapp 2500 €. Diese Summe bezahlt die Krankenkasse bei einer Hausgeburt und der Betreuung vor und nach der Geburt durch die Hebamme. Nicht mit eingerechnet sind die Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt. Derer waren es wenig. Genau drei beim Septembermädchen. Beim kleinen Mann waren es etwas mehr, da ich am Anfang der Schwangerschaft die Vorsorgeuntersuchungen noch nicht von der Hebamme machen ließ und die Frauenärztin bei jedem Termin ein Ultraschall gemacht hat, der nicht notwendig war. 2500 € für einen guten Start ins Leben. 

Dieser gute Start ins Leben wird nicht mehr lange möglich sein. Schon lange sind Hausgeburten Glückssache. Nicht überall gab und gibt es Hebammen die Hausgeburten anbieten. Nun werden es noch weniger werden. Warum? Zum einen ist die Frage der Versicherung immernoch nicht geklärt (mehr lesen). Und es gab einen Schiedsspruch. Dieser legt fest, dass bei einer Terminüberschreitung von mehr als drei Tagen ein Arzt entscheiden muss, ob eine Hausgeburt noch möglich ist. Dies erzählte mir meine Hebamme am Telefon. Sie schaut sich inzwischen nach Stellen um. Wer weiß wie lange sie noch Hausgeburten anbietet, unter diesen Bedingungen. Und ich frage mich was das soll. 

Zum einen werden Hebammen genau dafür ausgebildet. Sie sind am Besten in der Lage eine Schwangerschaft zu beurteilen. Egal ob drei Monate vor dem Geburtstermin, drei Wochen oder drei Tage genauso wie nach dem Termin und auch hier gehe ich bis zu drei Wochen nach dem errechneten Termin. Wir haben ein aktuelles Beispiel im Freundeskreis. 19 Tage nach dem Termin kam ein gesundes Baby zu Hause auf die Welt. Alles war bestens, auch Käseschmiere war noch auf dem Rücken. Im Krankenhaus wollten sie direkt einleiten und pipapo, als meine Freundin zur Kontrolluntersuchung war. Diese empfiehlt die Hebamme auch. 

Zum anderen ist eine Hausgeburt nicht risikoreicher. Auch hier für ist die Hebamme perfekt ausgebildet. Ich habe mich bei beiden Geburten sehr sicher gefühlt. Der Abstecher ins Krankenhaus, nach der Ersten, um den Riss nähen zu lassen, war für mich die Hölle. Ich kann mir auch nicht vorstellen, bei Wehenbeginn irgendwo anders hin zu gehen, als in mein Bett und es mir da gemütlich zu machen. Aber da sind alle Frauen anders. Meine Freundin schwört auf die Wassergeburt und vorher laufen, laufen, laufen. Andere Knien, stemmen sich in Türrahmen oder was weiß ich nicht alles. Letztendlich wären die Geburten meiner Kinder sicher nicht so schön gewesen, wenn ich im Krankenhaus gewesen wäre. 

Und ich will da auch nicht hin. Unter diesen Umständen würde ich kein Kind bekommen wollen. Ja, ich bin froh schon zwei Kinder zu haben. Ein Drittes? Momentan noch  im Gespräch, ich bin ehrlich. Drei waren eigentlich unser Familientraum. Wenn ich keine Hausgeburt machen könnte und keine Versorgung durch eine Hebamme habe, werde ich nicht noch ein Kind bekommen. Echt jetzt! Ich lasse mir nicht vorschreiben wie und wo ich mein Kind bekommen werde. Dann lieber gar keins. 

Ach da war ja noch was. Deutschland hat ja so eine niedrige Geburtenrate und möchte mehr für Frauen und Familien tun. Für mehr Kinder und so. Na dann mal los. Es gibt noch viel zu tun. 

Müde bin ich, geh zur Ruh‘

An den meisten Abenden bringe ich die Kinder allein zu Bett. Lange war das für mich mit die anstrengendste Zeit des Tages. Müde Kinder, ganz unterschiedliche Bedürfnisse, zwei Schlafzimmer und besonders eine müde Mama. Keine so gute Kombination für ein entspanntes ins Bett gehen. Lange war es so, dass mindestens ein Kind irgendwann brüllte, ich zwischen den Zimmern hin und her lief, der kleine Mann regelmäßig wieder aufstand, bis irgendwann alle schliefen und ich gänzlich erledigt war. 

Im Urlaub gab es dann Geschlechtertrennung beim ins Bett bringen. Eine tolle Sache. Jeder bekam was er brauchte, so lange Kind es brauchte und meist auch ohne Unterbrechungen. Aus dieser Situation heraus, musste ich dann „plötzlich“ die Kinder wieder allein ins Bett bringen. Ich bin ehrlich, ich war schon etwas ratlos und beim bloßen Gedanken daran gestresst. Doch es half alles nichts, wir mussten das schaffen und so hieß es: „Alles auf Anfgang.“ Und das war gut. 

Inzwischen gehen beide Kinder mit Ruhe und wenig Gemecker ins Bett. Beim Waschen muss ich den ein oder anderen Ausreiser mal wieder einfangen, aber meist klappt selbst Zähne putzen gerade ohne Geschrei. Sind beide Kinder in den Schlafanzügen, wird im großen Bett eine Geschichte vorgelesen. Das Septembermädchen darf während dessen den Tag beim Milchnachtisch verarbeiten. Dann geht der kleine Mann schon mal ins Bett. Wir machen es bei ihm gemütlich und er kann sich noch ein paar Bücher anschauen. Das Septembermädchen darf als erste einschlafen. Ist sie im Traumland, kann ich mich entspannt zum kleinen Mann ins Bett kuscheln, noch ein bisschen erzählen und Gutenachtlied singen. Recht schnell ist er meistens auch eingeschlafen und ich habe so schon oft vor um acht „Feierabend“. 

In diesem Sinne: „Gute Nacht!“

Hoch hinaus

Es ist kein Geheimnis: wir klettern gerne. Aber mit Sicherung. Das sieht das Septembermädchen ganz anders. Also erst mal den Stuhl an die richtige Stelle schieben und dann hoch. Da oben gibt’s viel spannendere Sachen als unten. Klappt ganz prächtig. Nur ich bekomme mal kurz einen mittleren Herzstillstand, als ich wieder in die Küche komme. 

 
Das war dann heute auch nicht das letzte Mal. Macht ja Spaß. Als ich kurz den kleinen Mann tröste, weil er vor lauter Hampelei hin gefallen war, klettert das Septembermädchen wieder. Diesmal in ihren Stuhl. Ich dacht ich seh nicht richtig. Sitzt sie plötzlich in ihrem Stuhl. Und ich frag mich wie sie da hin gekommen war. Na ganz einfach: auf den Tripptrapp des Bruders, über Tisch oder Lehne in ihren Stuhl. Ganz einfach und auch nicht gefährlich. Also stellt man sich noch kurz in den Stuhl. Muss ja kurz mal präsentiert was man alles kann. Und ich frage mich ob es ein Sicherungssystem für dieses Kind gibt.

Sprachlos. Fassungslos. Ratlos.

Los. So viel los. Vor allem heimatlos. Tausende Flüchtlinge schon seit Wochen, Monaten. Mir fehlen die Worte. Mein Herzensmann hat seine Gedanken und Gefühle in Worte gefasst. Auch er: ein Flüchtling. 

Flüchtlinge – Ich bin einer von ihnen

Mit diesem Mini-Post möchte auch ich die Initiative #BloggerFuerFluechtlinge unterstützen und verbreiten. Mein Aufruf an alle: Engagiert Euch!

Pures Glück

Morgens Aufstehen. Die Sonne kriecht langsam über den Berg. Sie bahnt sich den Weg durch Nebelschwaden. Noch ist es frisch, fast kalt. Der Körper, noch Sonnen verwöhnt, muss sich erst wieder an die Kühle gewöhnen. Wir stromern durch Gemüsereihen, hören der Frösche Morgenkonzert. Langsam zieht der Esel die Egge. Die Erde formt sich, unter ihr, zu kleinen Hügeln. Ich weiß es ist Richtig so. Nicht anders. Nur so ist es ein kleines Stück Paradies. So „Layed Back“ wie der Herzensmann es ausdrückt. Langsam. Mit, inmitten und im Einklang mit der Natur. Ich spüre, dass auch ich so leben möchte. Einfach. Unabhängig. Frei. Ich weiß, dass mein Paradies irgendwo auf mich wartet. Bis die Zeit gekommen ist. Nur nicht ungeduldig werden.  

 

Ein Jahr!

Ein Jahr! Das Septembermädchen ist nun ein Jahr alt, naja jung. Wie auch immer, sie ist nun seit einem Jahr bei uns. Wobei auch das nicht richtig stimmt. Denn sie war auch davor schon bei uns. Nur anders. Gar nicht so leicht die Gefühle in die richtigen Worte zu kleiden. So, dass es verständlich bleibt und auch richtig verstanden wird. Darum versuche ich ein paar Eindrücke des Tages fest zu halten. 

Morgens 

Das Septembermädchen wacht wie immer fröhlich auf. Sie begrüßt den Tag und freut sich, dass ich auch schon wach bin. Dann wird erstmal über den Papa gekrabbelt, gelacht und gefreut. Jeden Morgen denke ich wie schön, dass du bei uns bist. Heute ganz besonders. 

Der kleine Mann erzählt direkt nach dem Aufwachen vom Geburtstag. Dann kommt er ins Bett zu uns. „Alles Gute zum Beburgats“ wünscht er als aller erstes seiner Schwester. Dann fordert er auch uns auf Ihr zu gratulieren. So singen wir ein, zwei Geburtstagslieder. Sie strahlt uns an. 

Natürlich hat der kleine Mann schon das Geschenk auf dem Tisch erspäht. Er möchte es auf machen. Als wir ihm erklären, dass es das Geburtstagsgeschenk für das Septembermädchen ist und sie es auf machen darf, ist er sehr verständnisvoll. Er erzählt auch gleich, dass er auch schon Geschenke aufgemacht hat und fragt wann sie ihr Geschenk auf macht. Gefühlte hundert Mal. Er ist sehr neugierig. Also sehr sehr sehr sehr sehr. 

Nach dem Frühstück nehmen wir Kinder und Geschenk mit nach draußen. Es scheint die Sonne und der Wind ist nicht mehr so stark. Das Septembermädchen darf das Geschenk auf machen. Die Schleife wird ignoriert. Die Schachtel will sie gleich aufmachen. Als sie den Inhalt sieht ist sie begeistert. Ihre Puppe „Lotte“ schläft darin und wird zügig geweckt. Bei der Reaktion geht mein Herz auf. Lotte wurde nur für sie gemacht und hat mir einige schöne Stunden geschenkt. Ich bin sehr stolz auf sie, meine erste selbstgemachte Puppe. So freut mich die Begeisterung noch viel mehr. 

Mittags

Auf einem Spielplatz in Marseille bekommt sie französische Glückwünsche. Ein Mädchen mit ihrem Papa ist noch da und wir kommen ins Gespräch. Das Septembermädchen freut sich besonders über die Rutsche, die sie rückwärts runter rutscht, und die Plattformen mit jeweils einer Stufe. Stundenlang geht es rauf und runter. Hin und her. Immer die Stufe hoch und, viel wichtiger, wieder runter. Inzwischen auch rückwärts. 

Nachdem wir die Notre Dame de la Garde oben auf dem Berg besichtigt hatten, klettern wir die Stufen wieder hinab. Klettern? Nein! Wir hüpfen und lachen um die Wette. Der kleine Mann hüpft jede Stufe. Das Septembermädchen lacht und lacht und lacht. Geschwisterfreude. 

Nachmittags 

Wir entdecken einen tollen Eisladen mit fast hundert Eissorten (kein Witz waren echt so viele!). Außerdem hat er noch kleine Geburtstagsmuffins. So gibt es Eis und einen Muffin zum Geburtstagskaffee. Genüsslich isst das Septembermädchen mein Mangoeis. Hibiskus war auch sehr lecker. 

Der Herzensmann wird erinnert, dass er vor genau einem Jahr einen klitzekleinen Mädchenfuss in der Hand hielt. Wir wollen dieses Foto noch einmal machen. Doch der Fuß ist ganz schnell wieder weg und das Mädchen kichert dabei vor sich hin. Ein fröhliches Kind. Und frech!

Abends

Zum Abendbrot gibt es Nudeln mit Tomatensoße. Geht schnell und was anderes ist nicht da. Das Septembermädchen ist wieder fleißig und verlangt regelmäßig nach mehr, wenn es ihr nicht schnell genug geht. Zum Nachtisch gibt es Nektarine. Dann grinst sie den kleinen Mann an und schüttelt den Kopf. Er lacht gleich los und steigt mit ein. So lachen sie um die Wette und schütteln die Köpfe. Kasper! Alle Beide.

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende. Auf ein neues spannendes Lebensjahr kleines Mädchen. Schön das du bei uns bist.