Draußen!

Irgendwann letzte Woche merkte ich, dass beim kleinen Mann wieder etwas anders ist. Er war etwas unruhiger. Quengelig. Für einen Außenstehenden kaum zu merken. Für mich doch deutlich. Ich wusste nicht was es war. Ob er wächst. Einen Entwicklungsschritt macht. Oder vielleicht sogar zahnt. Doch dass ist nun doch etwas früh. Finde ich. So machte ich es wie immer. Für ihn da sein und abwarten.

Ende der Woche merkte ich dann auch was der Grund war. Es fühlte sich nicht mehr so weich an. Etwas hart. Man konnte die Konturen erahnen. Es kam tatsächlich ein Zahn. Still und heimlich. Ohne großes Theater. Seit dem Wochenende ist er nun durch. Draußen. Sozusagen. Mein Sohn ist nun im Besitz einer Waffe. Klein. Spitz. Ziemlich fies.

Ich bin doch auch ein bisschen überrascht. Kein Geschrei. Kein Theater. Kein Fieber. Oder sonstige Probleme, die einem so rund ums Zahnen erzählt werden. Ganz einfach. Etwas Unruhe. Nichts aufregendes. Ich bin stolz auf den kleinen Mann. Tapferer kleiner Mensch.

Zu essen gibt es trotzdem „nur“ Muttermilch. Solange wie möglich. Ist schließlich das Beste. Wie ich finde.

Sommerhose

Im Moment ist hier gerade die Zeit der Fertigstellungen. Projekte, die vor einer ganzen Weile schon angefangen wurden, finden nun zu ihrer Vollendung. Eine Art Frühjahrsputz sozusagen. Es tut gut, diese „Altlasten“ fertig zu machen. Sie ihrem eigentlichen Zweck zu zuführen. Platz und Raum für Neues zu schaffen. Im Kopf spukt schon so manches Neues rum. Mit dem Frühjahr und dem kommenden Sommer bleibt auch weniger Zeit zum Machen. Mich zieht es raus. Die Natur, der Garten ruft. Doch an Tagen, wie heute, lockt es nicht nach draußen. Trüb und nass präsentiert sich der Mai. Kein schlechtes Gewissen macht sich breit, wenn ich mich verziehe. An die Nähmaschine oder die Stricknadeln. Je nachdem wozu ich Lust habe und wie der kleine Mann mich lässt. Nähen mit ihm ist nicht unbedingt einfach. Eine gerade Naht ist möglich. Doch aufwendigeres? Lieber nicht. Zu sehr fordert er meine Aufmerksamkeit. Die soll er auch bekommen. Keine halben Sachen. Das wird meistens nicht gut und tut uns nicht gut. So nutze ich die kleinen Pausen, die er mir gibt, wenn er schläft. Und schwups ist das nächste Projekt beendet. Plötzlich ganz schnell. Meistens fehlt gar nicht mehr viel. Doch irgendwann war sie mal raus die Luft. Weg die Motivation. Nun hat der kleine Mann ein weiteres Stück Kleidung in seiner Garderobe.

Vor einer Weile, als ich noch gewindelt habe, die Nase voll von dem ständigen an und aus hatte, fing ich an. Im Internet fand ich ein einfaches Schnittmuster für eine Splitpant. Ganz einfach. Wirklich. Eigentlich nur drei Nähte. Ruck zuck waren die zusammen genäht. Die Hose schon fertig. Doch irgendwie nicht nach meinem Geschmack. Mir gefiel sie nicht. So landete sie erstmal auf dem kleinen Stapel der noch nicht fertigen Projekte.

Dann kam die Latz-Splitpant von Kristina Schwarz. So praktisch, warm und nicht mehr weg zudenken. Doch an manchen Tagen inzwischen schon zu warm. So wuchs in meinem Kopf die Idee, wie ich die Hose fertig machen wollte. Mit Latz. Und Beinbündchen, damit sie beim Tragen nicht hochrutscht. Besonders in der Manduca. Und nun ist es vollbracht. Kein Meisterwerk der Nähkunst. Ich bin immer noch nicht mit jeder Naht zufrieden. Aber das ist nur mein Perfektionismus. Sie passt und das ist die Hauptsache.

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5 – Monats – Geburtstag

Schon wieder ist ein Monat rum. Viel hat sich getan. Inzwischen wird hier fleißig gebrabbelt und gequietscht. Ja gequietscht. In den höchsten Lagen. Alles wird ausprobiert. Nicht nur die Stimme wird ausprobiert. Auch die Mobilität schreitet langsam voran. Wenn man will und Lust hat kann man schon vorwärts kommen. Eine Körperlänge schafft man dann schon. Es ist noch mühsam. Die Anstrengung deutlich sichtbar. Aber Stück für Stück kann man robben. Dem Ziel entgegen. Es sieht so süß aus. Wenn er robbt. Der Kopf wird auf die Arme gelegt. Die Beine werden unter den Körper gewurschtelt. Der Po wandert in die Luft. Ordentlich vor gedrückt mit den Knien. Puh, erst mal schauen, wo man gelandet ist. Und wieder von vorn. So entdeckt man inzwischen auch, dass es noch anderen Untergrund als die Decke gibt. Parket ist glatt. Wiese kann man aus reißen. Fliesen sind kalt.

Die verschiedenen Oberflächen werden erfühlt. Spielzeuge angefasst. Mit Folie geraschelt. Papiertücher aus der Box gezogen. Alles fasziniert erkundet. Besonders draußen im Garten. Da kann so viel entdeckt werden. Vögel zwitschern. Blätter bewegen sich im Wind. Die Wolken ziehen am Himmel entlang. Die Nachbarskinder toben. Es riecht unterschiedlich. Grillgeruch. Blütenduft. Feuchte Erde. Frisch geschnittenes Gras. So viel zu entdecken. Überall Neues Spannendes. Inzwischen ist es auch sehr interessant, wenn Mama und Papa essen oder trinken. Jeder Bewegung wird fasziniert hinter her geschaut. Verfolgt, wie der Teller leer, neues zu trinken eingegossen, die Tasse an den Mund gehoben wird.

Auch bei ihm wandert alles in den Mund. Doch bis jetzt nur zum Erkunden. Gegessen wird noch fleißig Milch. Alles andere ist noch nicht interessant. Außer die Banane, die ich in der Hand hatte. Die wurde auch schon mal an genuckelt. Doch so richtig ist das alles noch nicht. Muss auch nicht. Hat ja noch Zeit. Erkunden kann er die verschiedenen Esssachen noch früh genug.

Weiter hin ist der kleine Mann unser Sonnenschein. Er lacht so viel. Ist zufrieden und macht seinem Namen alle Ehre (der hier aber nicht verraten wird). Nachbarn, Freunde und unbekannte Menschen, die wir treffen freuen sich über ihn. Er lacht jeden an. Schaut aufmerksam, wissend.

Auch ich entdecke jeden Tage Neues. Versuche die Welt mit seinen Kinderaugen zusehen. Und freue mich. Freue mich an ihm. An seiner Freude. Kann mit ihm lachen und schäkern. Richtig viel Quatsch machen. Bin jeden Tag aufs neue erstaunt, was für ein Wunder so ein kleiner Mensch ist. Schön das er bei uns ist.

Patchwork

Patchwork ist etwas wunderbares. Aus vielen kleinen Teilen wird etwas großes Ganzes. Man kann es einfach gestalten. Aber auch ganz aufwändig und kunstvoll. Bis hin zu Quilts mit fantasievollen Mustern. Meine erste Patchwork-Decke war ganz einfach. Lauter Quadrate. Einfach zusammen genäht. Fertig. Nichts aufwendiges, aber doch mit viel Liebe für den großen Mann. Damals noch der Einzige im Hause Quast. Bunt wurde sie. Mit Stoffen, die wir gemeinsam ausgesucht haben. Die Aliens mussten selbstverständlich mit. Das Kind im großen Mann ist oft sehr präsent. Zum Glück. Kuschelig wurde sie. Die Fleece-Decke als Rückseite. Zum Einmummeln für gemütliche Fernsehabende oder so.

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Doch nun hat sie der kleine Mann beschlagnahmt. Ausgeliehen. Zum Krabbeln und Spielen. Vor einer Weile wollte ich gerne eine etwas kleinere Krabbeldecke haben. Eine, die auch mit genommen werden kann. Eine, zum auf die Wiese legen. Eine, die dem kleinen Mann gehört. Und so fing ich an, Stoffe zu suchen. Bunt. Natürlich. Ein einfaches Muster sollte sie haben. Nichts aufwendiges. Sollte schnell gehen. So neben bei. In einem Buch zum Träumen wurde ich fündig. Ein kleiner Quilt aus lauter Quadraten. Diese krumm und schief zusammen genäht aus Streifen. So soll es werden.

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Die Quadrate waren fertig. Die Decke, die aus denen entstanden wäre mir noch zu klein. Eine Umrandung kam dazu. Dreiecke. Und noch mehr Umrandung. Die Vorderseite war dann fertig. Die Rückseite schnell zusammen gesetzt aus vier großen grünen Quadraten. Dan dachte ich, es wäre nett, wenn ich ein wenig quilte. Zum besseren Zusammenhalt. Und da saß ich nun. Stich für Stich. Reihe für Reihe. Aus der schnellen kleinen Decke wurde ein längeres Projekt. Nun ist es vollbracht. Alles zu genäht. Bereit zum Einweihen.

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Viel Spaß kleiner Mann beim Krabbeln, Spielen, Toben auf deiner eigenen kleinen Decke.

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Schneckenwanderung

Überall sind sie mir heute über den Weg gekrochen. Auf der Terrasse. Am Wegrand. Im Gras. Große schöne Weinbergschnecken. Sie sind raus gekommen aus ihren Löchern und Verstecken. Fühlen sich wohl in der kühlen Feuchte, die sich seit gestern Abend hier ausgebreitet hat.

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Diese konnte ich den ganzen Tag beobachten. Geduldig. Langsam. Ganz in Ruhe kroch sie dahin. Über die Terrasse. Zielstrebig zu ihrem Ziel. Dafür bewundere ich sie. Die Ruhe mit der sie alles angehen. Die Langsamkeit. Schritt für Schritt zum Ziel. Ohne Hast und Eile. Auch mal zwischen drin Pause machen. Abwarten bis alles wieder sicher ist. Weiter geht’s.

Ich möchte das auch. Alles langsam, ganz in Ruhe angehen. Schritt für Schritt. Eins nach dem Anderen. Nichts überhasten. Meine Gedanken auf das aktuelle Geschehen richten. Nicht immer zehn Sachen auf einmal im Kopf haben. Zielstrebig meinem Ziel entgegen gehen. Den Weg dahin genießen. Mich über jeden Schritt freuen, der in die richtige Richtung geht.
Ja das würde ich gerne. Doch hier liegen drei angefangene Projekte. Im Kopf schwirren noch mehr rum. Dann ist da noch ein Bachelorarbeitsthema. Sollte auch etwas dran gemacht werden. Und der Alltag mit seinen Aufgaben ist ja auch noch da. So kann ich nicht eins nach dem Anderen machen. Muss immer an mehrere Dinge gleichzeitig denken. Meine Aufmerksamkeit vielen Dingen widmen. Doch ich möchte mir trotzdem an den Schnecken ein Beispiel nehmen. Geduld und Ruhe. In allen Lebenslagen. Da kann ich noch viel lernen. Auch mal Pause machen. Vor allem wenn der kleine Mann schläft. Nicht immer dem Kopf nachgeben. Der sagt, dieses und jenes muss gemacht werden. Hin setzen, die Ruhe genießen und dann gestärkt weiter machen. Manchmal schaffe ich das schon. Doch ich wäre gerne öfter eine kleine Schnecke.