„Warst du dann ein Mann?“

„Was gibt es heute?“

„Shepherds Pie. Das ist englisch und heißt Schafhirten Kuchen.“ 

„Das ist ja lustig“

„Das kommt aus Irland. Da hab ich mal gewohnt und gearbeitet. Und da gab es dass ab und zu.“ 

„Warst du dann ein Mann?“

„Ne, da war ich ne Frau. Auch Frauen arbeiten, jetzt arbeite ich ja auch. Ich kümmere mich um euch.“

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Das Gespräch mit dem kleinen Mann geht mir lange nach. Für ihn arbeiten also nur Männer. Denn genau das ist es, was er erlebt, was er sieht. Bei allen unseren Bekanntschaften arbeiten die Männer. Die Frauen vereinbaren Arbeit und Familie. Versuchen es, oder haben sich dafür entschieden zu Hause zu bleiben. Sie übernehmen gewollt oder aus Gründen den Hauptteil der Familienarbeit. Das diese oft nicht als Arbeit betrachtet wird, ist nicht korrekt. Und so war mir mein Nachsatz sehr wichtig. Ich arbeite auch. Ich fahre nicht auf Arbeit oder ins Büro. Aber ich arbeite. Und ich mag meine Arbeit. Sie bringt mich an meine Grenzen, sie fordert mich und sie bereitet mir viele unvergessliche und glückliche Momente. Und diese Anerkennung meiner tagtäglichen Aufgaben als Arbeit kommt zu allererst von mir. Auch der Herzensmann erkennt meine Leistung an, so wie ich seine Arbeit anerkenne. Und so möchte ich es auch meinen Kindern vermitteln. Für eine größere Anerkennung der Familienarbeit. 

Kindermund #zerowaste

Eine Milchpackung steht in unserem Kühlschrank.

 „Das ist doch Müll!“, sagt der kleine Mann zum Papa

„Ja, da hast du recht.“

„Warum hast du keine Milch in der Flasche gekauft Papa?“

„Ich hab nicht darauf geachtet. Hätte ich machen sollen.“

„Ja, weil man die Flaschen noch mal benutzen kann. Die Packung ist Müll.“

Bewusstsein bei einem jungen Menschen. Im Dezember wird der kleine Mann 4 Jahre und bereits jetzt hat er schon ein Bewusstsein dafür, was Müll ist. Er gab auch neulich eine Werbeplastebrotdose zurück. „Wir haben ja schon welche.“, war die Begründung von ihm. Ja, stolz bin ich an dieser Stelle sehr. Und ich sehe wie schnell sich unsere Sichtweisen bei unseren Kindern wieder spiegeln. Nur durch vorleben und erklären, warum wir nicht so viel Müll produzieren wollen. 

Kommunikationsblüten: Kindermund tut Wahrheit kund

Eine Mutter mit ihren zwei Kindern sitzen am Abendbrottisch. Der Junge (3 3/4 Jahre) ist so müde, dass er seinen Kopf immer wieder auf den Tisch legen muss. Das jüngere  Mädchen sieht dies und ahmt ihn nach. Sie schließt jedoch nur die Augen und legt den Kopf zur Seite. Dann fängt sie an zu erzählen und es entsteht folgendes Gespräch:

Mädchen: „Leopard auch sehr lange müde. Läft schon Leopard

Junge: „Ja der hat im Gefängnis geschlafen.“

Mutter: „Welches Gefängnis?

Junge: „Na die Wilhelma ist das Gefängnis für den Leopard und die Tiere. Da wo die unten sind ist das Gefängnis. Und da muss man Eintritt bezahlen und dem Schaffner die Karte zeigen und dann darf man erst rein.“

Mutter: „Da hast du Recht, ein Zoo ist wie ein Gefängnis für Tiere.“

Junge: „Und wenn die Sterben ist das nicht gut. Aber wenn die alt sind die Tiere, dann sterben die. Und die zwei Elefanten auch.

  Reichlich einen Monat davor waren eben diese drei Personen im Zoo. Dort entstand auch diese Gespräch zwischen dem Jungen und einem ihm fremden Mann:

Junge: „Die sind ganz schön groß.“

Mann: „Ja und die können auch ganz schnell rennen. Das ist ganz gefährlich. Aber hier kann das nicht passieren.“

Junge: „Ne. Die sind ja eingesperrt.“

Diese beiden Gespräche lassen mich wie so oft staunend zurück. Sie zeigen mir, wie klar Kinder unsere Welt sehen. Wir haben noch nie kritisch über den Zoo gesprochen. Den ich sehe sowohl Vor- und Nachteile. Doch es zeigt mir, dass wir mit unseren Kindern immer offen sein sollen, dürfen und müssen. Wir dürfen nichts schön reden. Wir können es ansprechen und annehmen wie unsere Kinder es benennen. Aber wir können Teile unserer Welt von ihnen gern halten. 

Kurz mit Herz

Heute Morgen. Wir kuscheln noch kurz im Bett bevor der Alltag über uns herfällt und uns mit sich reißt. Das Septembermädchen klettert im Bett rum, macht sich zum Nachttisch auf und spielt an der Lanpe rum. 

Kleiner Mann: „Vorsichd, des is heiß.“
Septembermädchen: „fff, ffffff, fffff“
Kleiner Mann: „Des geht nich kühler!“

Mit einem breiten Lächeln starteten wir in den Tag. 

Spielregeln 

Wir sind im Garten. Die Nachbarskinder und ihre Freunde auch. Sie spielen Ball und diskutieren über die Spielregeln. Es kommen Fragen auf. „Spielen wir alle zusammen?“ „Oder gegen einander?“ „Wir spielen alle in einem Team, gegen einander!“ Klare Ansage. Vom Herzensmann kommt nur: „Kenn ich irgendwo her.“ Ja manche Menschen passen die Spielregeln aus der Kinderzeit nicht an. Dann läuft es auf Arbeit auch noch so. Zum Glück ist das beim Herzensmann auch Geschichte. 

Das größte Lob

Mal wieder. Es ist zwölf ich möchte den kleinen Mann von der Tagesmutter abholen. Er sträubt sich. Nein, er möchte nicht nach Hause. Möchte lieber bei der Tagesmutter bleiben. Bei ihr Essen. Na gut. Heute passt es bei ihr. Mir soll es recht sein. Es ist Trubel bei der Tagesmutter. Eine Freundin ist noch da. Die Kinder. Der älteste Sohn kommt von der Schule. Die Tagesmutter backt Eierkuchen. Damit der mittlere Sohn vom Kindergarten abgeholt werden kann, übernehme ich die Küche. Die jüngste Tochter sitzt neben dem Herd auf der Arbeitsfläche. Jetzt möchte auch der kleine Mann oben sitzen. Das Septembermädchen krabbelt über den Boden. Der älteste Sohn steht auf dem Hocker und schaut zu. Das Tagesmädchen möchte auch mit hoch schauen. Doch es ist einfach kein Platz. So wuselt sie auch unten in der Küche rum. Zwischen Eierkuchen wenden und den Erzählungen des ältesten Sohnes, habe ich ein Auge auf das Tagesmädchen und das Septembermädchen. Immer mal muss ich das Septembermädchen vom Ofen weg nehmen in dem die Eierkuchen warm gehalten werden. Das Tagesmädchen wird regelmäßig erinnert, dass da ja noch ein Baby rum krabbelt und sie vorsichtig machen muss. Irgendwann pule ich dem Septembermädchen Taschentuchreste aus dem Mund. Der älteste Sohn sagt überrascht: „Du bist ja so gut wie Mama!“ Ich staune und freue mich über dieses Lob. Denn man sagt ja immer Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit.