Von der Teck zum Breitenstein: Kilometer 40 bis 45

Die Idee, den Nordalbrandweg zu wandern, bekam ich auf einer Wanderung, die nun schon vier Jahre zurück liegt. Damals waren wir bereits zu dritt. Der Dezemberjunge saß in der Trage auf meinem Rücken und hatte den bequemsten Platz. Wir starteten nicht direkt an der Teck, sondern unterhalb vom Wanderparkplatz aus. Davon gibt es zwei. Wenn man von Owen den Berg hinauf fährt, biegen wir nach rechts zum ersten Parkplatz ab. Am Ende des Parkplatzes ist eine Schranke. Hier beginnt der Wanderweg. Doch manchmal dauert es etwas bis die Wanderung beginnen kann. Bei schönem Wetter versammeln sich, auf der Wiese unterhalb des Parkplatzes, Modellflieger. Da heißt es erst Mal beobachten. 

Der Weg führt dann durch den Wald. Leicht bergab geht es bis zu einem Sattel, dann wieder bergauf auf schmalen Pfaden. Die Burgruine Rauber liegt als nächstes auf dem Weg. Weiter geht es bergan. Der Weg gleicht mehr einem Pfad. Wir passieren eine Grillwiese und stehen dann an Pferdeweiden. Wir sind wieder oben auf der Alb und haben die Diepoldsburg erreicht. Ab hier führt der Weg uns entlang der Landstraße. Ein gutes Stück laufen wir nun auf Aspahlt. Der Grund, warum ich keine Lust habe, die Wanderung erneut zu machen. Viele Autos fahren hier nicht, denn es ist eine Sackgasse. Trotzdem gibt es weitaus schönere Wege. Am Ende der Aspahltstrecke kreuzen wir den Albaufsteig bei Ochsenwang. Nun sind es nur noch wenige Meter. Der Feldweg führt uns zum Breitenstein. Auf der Wiese tummeln sich bei schönem Wetter Menschen. Aus den Feuerstellen steigt Rauch auf. Und der Blick hinunter ins Tal und hinüber zur Teck ist fantastisch.  

 

Kilometer 10- 39: Von Bad Urach bis zum Schloss Lichtenstein

Lang ist es her seit unserer letzten Wanderung. Die Wochenenden waren verplant oder es gab eine Krankheit und es brauchte Ruhe. Doch nun hatte ich Zeit. Ein ganzes Wochenende. So beschloss ich den Sonntag zu wandern. 

Zeitig ging es los. Bereits 8:00 Uhr sitze ich im Zug. Von uns nach Bad Urach dauert es nur eine halbe Stunde. Ein Mal umsteigen in Metzingen. Ich muss Staunen beim Anblick des Zuges. Er ist voll. Heute ist auch der Ermstalmarathon. Die Läufer starten zum Teil in Bad Urach und laufen wieder nach Metzingen. Ich steige eine Station später aus. So sieht also der Zug normalerweise am Sonntag 8:30 Uhr aus: leer. 

Ich laufe los. Außer ein paar Hunderundengänger bin ich allein im Wald. Der Weg führt mich durch den Wald zum Wasserfall. Hier ist es mir noch bekannt. Wir waren schon öfters hier. Immer wieder bin ich verzaubert. Verzaubert vom plätschern des Baches. Verzaubert von den freigelegten und verwitterten Wurzeln. Verzaubert vom Wasserfall, der sich gut gefüllt, dank der nächtlichen Regenschauer, über die Felskante ergießt.  

 So kletter ich neben dem Wasserfall weiter bergauf. Im Wald ist es kühl und feucht. Es fühlt sich ein bisschen nach Regenwald an und so wird mir schnell warm. Die Treppen führen bis zur Wasserfall Hochwiese, wo gerade die Hütte aufmacht. An einem Sonntag wird hier später viel los sein. Jetzt treffe ich auf Schnecken. Langsam und bedacht kreuzen sie meinen Weg. Ohne Eile kriechen sie Stück für Stück vorwärts. Ich sollte mir, nicht nur heute, ein Beispiel an ihnen nehmen, denke ich.  

 Weiter geht es auf meiner Wanderung. Vom Uracher Wasserfall führt der Weg mich an den Rutschenfelsen vorbei bis nach St. Johann. Der Fohlenhof liegt ruhig da. So wie immer, wenn wir ihn besuchen. Die Fohlen sind auf den Weiden um den Hof. Die Sonne scheint. Landidylle pur. Die sonntägliche Ruhe auf dem Land ist besonders und hat für mich eine starke Anziehungskraft. Sofort bin ich ganz bei mir, in einer Zeitlosigkeit wandere ich weiter. 

Die Ruhe währt nicht lang. Am Fohlenhof vorbei führt der Weg in den Wald. Die nächste Station die Hohe Warte finde ich nicht gleich auf Anhieb. So befinde ich mich plötzlich irgendwo im Wald und vermisse die roten Dreiecke, die sonst so verlässlich den Weg markieren. Am Ende bleibt mir nichts anderes als zurück zugehen. Und da sehe ich dann auch das kleine Schild, welches direkt nach dem Abbiegen in den Wald, vom großen Hauptweg auf einen schmalen Waldweg zeigt. Den richtigen Weg vor mir, fühle ich mich dann wieder wohler. Es dauert auch nicht lange, bis der Turm auf der Hohen Warte mir entgegen schaut.  

 So langsam habe ich Lust auf eine Pause. Eigentlich wollte ich diese an der Hohen Warte verbringen. Doch irgendwie ist mir unwohl. So mitten  im Wald allein. Außerdem möchte ich heute noch bis zum Schloss Lichtenstein. Bis dahin sind es noch einmal 20 Kilometer und so zieht es mich noch ein Stück weiter. Weiter bis zum Gestütshof und noch weiter. Immerwieder stecke ich mir kleine Etappen Ziele, doch eine richtig schöne Raststelle finde ich nicht. So sitze ich dann irgendwann einfach auf einem Stapel Baumstämme am Wegesrand.  

 Ab dem Gestütshof ist der Weg auch wieder neu für mich. Am Wanderheim Eninger Weide und am Speicherbecken von Glems höre ich ab und zu Posaunenmusik. Die Lieder sind mir alle vertraut. Irgendwo ist ein Gottesdienst im Grünen. Inzwischen sind ein paar mehr Menschen unterwegs. Und dann komme ich auch an der Gottesdienstwiese vorbei. Auch hier ist Aufbruchsstimmung. Für mich geht es nun in die zweite Hälfte der Tour.  

 Auch die zweite Hälfte der Tour ist eine sehr schöne Strecke. Sie führt mich an einem weiteren Hof vom Marbacher Landesgestüt vorbei, dem Schafhof. Der Weg führt mich nun auch immerwieder übers Feld und nicht nur im Wald entlang. Außer einer Schafherde treffe ich wieder nur wenige Menschen. Vorbei geht es am Segelflugplatz Ubersberg. Das Surren, wenn die Flieger in die Luft gezogen werden, begleitet mich noch eine Weile durch den Wald. Ich muss an meinen ersten und bisher letzten Segelflug denken. Kurz war er. 

Das letzte Drittel der Etappe läuft durch den Wald. Lange Strecken geht es direkt an der Albkante entlang. Durch die Bäume kann ich nur ab und zu einen Blick ins Tal erhaschen. Nun muss ich auch immerwieder auf dem schmalen Weg ausweichen. Sonntagnachmittag ist die Zeit der Radfahrer. Mit einem wahnsinns Tempo kommen sie von hinten angesaust. Wenigstens ist es still, da höre ich sie schon eine Weile durch den Wald heran fahren.  

Und dann stehe ich auf einer Burgruine. Vor mir erstreckt sich der grüne Albtrauf. Am Horizont kann ich das Schloss schon sehen (auf dem Bild sieht man es leider nicht). Puh, ist das noch weit.  
So langsam merke ich auch die gelaufenen Kilometer in Füssen und Beinen. Da ich gut in der Zeit bin, möchte ich mir noch einen Rastplatz suchen. Noch bevor ich irgendeine schöne Stelle in Aussicht habe, fängt es an zu grummeln. Noch klingt das Gewitter weit weg und ich laufe entspannt weiter. Frage mich aber zwischendurch, wo ich mich gegebenen falls unterstellen könnte. Es sind noch knapp fünf Kilometer bis zum Schloss. Luftlinie ist es viel Näher, wäre da nicht das Tal dazwischen. 

 So langsam kommt auch das Gewitter immer näher, der Wind frischt auf und es wird ruhig im Wald. Ich beschleunige meinen Schritt und verschiebe die Pause bis zum Ankommen. Den auf Gewitter im Wald hab ich irgendwie keine Lust. Eine Hütte oder ähnliches ist auch nicht in Sicht. Keine zwei Kilometer vor dem Schloss komme ich für ein kurzes Stück aus dem Wald. Regen empfängt mich. Schnell hole ich die Jacke raus und ziehe dem Rucksack den Schutz über. Dann geht es auch so richtig los. Ich zähle die Abstände zwischen Blitz und Donner und laufe weiter. Nun ist es nicht mehr weit. Die Anspannung fällt ab, trotz Gewitter und Regenguss. Und dann bin ich da, am Märchenschloss im Regen. Und habe zu unserer ersten Etappe aufgeschlossen. 
Das ich noch mehr als eine Stunde auf meine Familie warten muss, wusste ich zum Glück vorher nicht. 

Von der Quelle bis zur Mündung – die Ems #4

Das Wetter zeigt sich weiter wechselhaft. Immerwieder ziehen wir Regenjacke und -Hose an und wieder aus. Denn, sobald es nicht mehr regnet, wird man in dieser Bekleidung eher von innen nass. Die Kinder haben es in ihren Anhängern trocken und sämtliche warme Anziehsachen an. Es sind 11° C, damit habe ich beim Packen nicht wirklich gerechnet. Was solls, zieht das Septembermädchen eben über die Leggins noch die Stulpen und die kurze Hose. Der Dezemberjunge trägt zwei T-Shirts unter seiner Fleecejacke und Windweste. Das Regenverdeck der Anhänger ist zusätzlich runter. Manchmal würde ich gerne mit den beiden tauschen. 

In Lingen machen wir Pause. Hier gibt es ein Fahrradladen der unsere Croozer Stange tauschen kann. Während ich eine Spritztour ohne Hänger und Gepäck durch die Stadt mache, hat der Rest der Familie Spass auf dem Spielplatz. Wir haben überlegt, ob wir in Lingen übernachten sollten, doch es zieht uns weiter. In Meppen gibt es wieder eine Jugendherberge. Gerade, als wir los fahren wollen, fällt dem Herzensmann auf, dass sein Hinterrad erstaunlich wenig Luft hat. Wir fahren zur nächsten Tankstelle. Die Untersuchung zeigt einen Nagel der sich durch den Mantel gebohrt hat. Nun heißt es erstmal Reifen flicken. Eigentlich wollen wir noch 20 km fahren. Naja, da ich nicht beim flicken helfen kann, halte ich die Kinder ruhig. An einer Tankstelle denkbar einfach. Eis kaufen kann ich gut. 

Dann geht es endlich weiter. Inzwischen wandert der Uhrzeiger schon deutlich auf die 17:00 Uhr zu. Eine Zeit, zu der wir eigentlich gerne ankommen. So düsen wir am Dortmund-Ems-Kanal entlang. Immer geradeaus mit ziemlicher Geschwindigkeit. Und sind, trotz kleiner Umleitung durch den Wald, bei der wir viel Glück haben und nicht wieder umdrehen müssen, schnell in Meppen an der Jugendherberge. Leider ist die dann voll. Also fahren wir noch kurz durch die Stadt zum Campingplatz und können in einem Mobilehome übernachten.  

 

Am Abend klart es immer mehr auf. Ich kann mir bei diesem strahlend blauen Abendhimmel, dass angekündigte Regenszenario am nächsten Tag kaum vorstellen. Und auch die ersten frühen Morgenstunden sind noch schön. Ich bin optimistisch. Wer weiß? Doch während des Frühstücks zieht es zu. Gerade sind wir startklar und es prasselt los. Wir retten uns erstmal unter die nächste Brücke. Der Wetterbericht kündigt weitere Güße und einen kleinen Weltuntergang für Fahrradfahrer an. Als es etwas weniger wird, fahren wir zum Bahnhof. Wir könnten die gesamte verbliebene Strecke in weniger als einer Stunde zurück legen. Die Tagesetappe dauert mit dem Zug 30 Minuten. Wir überlegen hin und her. Die komplette Etappe mit dem Zug fahren find ich doof. Der Himmel spielt mit und wird wieder heller. Also kann ich überzeugen, dass wir doch einen ersten Teil radeln. Im nächsten Ort hält der Zug auch und wir können immer noch einsteigen.  

 Nach der Hälfte der Strecke fängt es wieder an. Nicht nur der Himmel öffnet seine Schleuse. Wir halten trotz Regen an einer Schleuse am Dortmund-Ems-Kanal. Ein Schlepper wird gerade durch geschleust, dass muss natürlich beobachtet werden. Der Regen wird stärker und stärker. Haren, der nächste Ort mit Bahnhof kommt näher. Dann stellen wir fest, dass der Bahnhof 4 km außerhalb liegt. Weiter geht es bei strömendem Regen. Ich habe inzwischen keine Lust mehr, denn ich weiß, das unser Fahrradanhänger nicht ganz dicht ist. Nicht nur von oben, sondern auch von unten. Durch das Spritzwasser weicht er auf und zieht sich mit Feuchtigkeit voll. Bei Dauerregen nicht so die beste Wahl.  

 In Papenburg am Bahnhof regnet es immer noch in Strömen. Zum Glück ist die Jugendherberge nicht weit. Auf dem Weg dahin werden wir trotzdem klitschnass. Dankbar nutzen wir eine warme Dusche und ein paar Spiele in der Jugendherberge. Bis es dann wieder aufklart und auch noch die Sonne rauskommt. Wir sind versöhnt und entdecken noch etwas die Stadt.  

    
 Nun sind es nur noch gute 50 km bis zum Ziel. Wir würden sie gerne an einem Tag fahren. Die Strecke sieht gut aus. Es geht am Deich neben der Ems entlang. Das Wetter ist toll. Doch so einfach geht es dann nicht. Wir haben gerade alles gepackt und wollen los, da fällt der Blick des Herzensmannes auf die Anhängerreifen. Wir haben ein Problem. Der Mantel ist durch. Wir rufen beim Fahrradladen an. Ein paar Mäntel in der Größe sind da. Der Reifen wird mit Panzertape geflickt und los geht es. Während die Kinder sämtliche Fahrzeuge im Laden ausprobieren, wird der Anhänger wieder fahrtauglich gemacht.  

 So kann man auch den Vormittag verbringen. Es ist früher Mittag als wir wirklich los fahren können. Wir radeln auf dem Weg an dem großen Werftgelände vorbei. Dann geht es immer am Deich entlang. Bis nach Leer. Wir stocken erstmal unsere Vorräte auf. Am nächsten Tag ist Sonntag und wir wissen nicht, wo wir übernachten werden. Am Ende bleiben wir in Leer und verbringen den Nachmittag auf einem Spielplatz. Gemeinsam haben wir uns wieder für die Jugendherberge entschieden. Der Dezemberjunge lehnt das Zelt ab. „Im Zelt ist es viel zu laut.“ Und wir wissen, dass wir alle gut schlafen müssen, sonst kann so eine Tour nicht gelingen.  

 Und dann ist er da, unser letzter Radtag an der Ems. Bei strahlend blauem Himmel haben wir wieder alles gepackt und radeln los. Ein Traum. So macht eine Radtour richtig Spaß. Aus Leer hinaus und an den Deich. Immer geradeaus. Wir klettern auf den Deich und sehen ein Segelboot. Wir fahren immer wieder über Tiergitter im Boden und dann stehen sie da. Die Schafe. Grüner Deich, weiße Schafe und blauer Himmel. Schöner kann sich das Ostfriesland nicht präsentieren.  

   
 In Ditzum setzen wir mit der Fähre über. Das ist ein großer Spaß. Faszinierend für uns ist, wie die Fähre beladen wird. Selbst ein Auto kommt mit drauf.  

 Dann geht es noch 8km am Deich entlang bis zum Hafen von Emden. Der offizielle Endpunkt des Radweges liegt hier. Unser Ziel liegt noch weiter nördlich. Wir wollen die nächsten Tage an der Nordseeküste genießen. So fahren wir noch ein Stück weiter an diesem Tag bis Campen und am nächsten bis nach Norddeich. Hier haben wir ein Quartier für die letzten Urlaubstage. Das tut uns allen auch sehr gut.  

 

Von der Quelle bis zur Mündung – die Ems #3

Von Warendorf geht es am nächsten Tag weiter nach Telgte. Dort soll es sehr schön sein. Wir suchen einen Kaffee für den Herzensmann und eine neue Gaskartusche. Unsere hat bereits am Pfingstmontag den Geist aufgegeben. Wir fahren, wie die letzte Zeit auch, nicht direkt an der Ems, sondern etwas landeinwärts. So fahren wir durch eine landwirtschaftlich geprägte Landschaft, die ganz anders aussieht als im Schwäbischen. Flach ist es hier, mittlere bis große Felder säumen die Wege und immer wieder  liegen wunderschöne Backsteinhöfe mittendrin. Außer Pferdehaltung, kann man nicht immer erkennen welche Tierart auf dem Hof gehalten wird. So spielen wir Tiere raten anhand der Gerüche, die, je nach Windrichtung, uns schon lange vor dem Hof einen Hinweis auf die Tierart geben. 

In Telgte begrüßt uns der erste Regen des Tages. Wir kommen an den Markt und die kaffeehungrigen Augen des Herzensmannes entdecken sofort die TelgterkaffeeBar. Dort kehren wir ein und verweilen. Nicht nur guten Kaffee gibt es dort, sondern auch hervorragende Trinkschokolade. Nebenbei werden neue Kaffeebohnen gemischt. Die Kinder sind ganz begeistert und bekommen kleine Hocker zum gucken. Am Ende wird noch ein Päckchen Kaffee für den Urlaub gekauft. Der Herzensmann beginnt zu träumen. Wir können die TelgterkaffeeBar nur empfehlen. Mit Liebe und Leidenschaft wird hier nicht nur bester Kaffegenuss gezaubert. 

 Nach einem Einkaufsstop verlassen wir Telgte und fahren Richtung Greven weiter. Unterwegs passieren wir die Alte Kanalüberführung. Die Kinder steigen aus und laufen ein Stück. Nicht nur die Alte und stillgelegte Kanalüberführung ist spannend, viel interessanter ist die Großbaustelle zwischen der alten und der aktuellen. Dort wird noch eine weitere Kanalüberführung gebaut. Ein großer Hammer rammt Metallteilen in den Boden und im Hintrgrund fahren die Schiffe über eine Brücke über die Ems.   

Weiter geht es dann nach Greven. Dort ist unser heutiges Ziel und auch das erste Drittel des Radweges wird dann geschafft sein. Zwischen durch fängt es immer wieder an mit Regnen. Die Kinder haben einen neuen Sprechgesang, der aus den Fahrradhängern klingt: „Regen verschwinde und lass die Sonne knallen“. Wir hoffen bei diesem Wetter in Greven im Naturfreundehaus übernachten zu können. Wir fragen in der Information nach und müssen feststellen, dass es das gar nicht mehr gibt. So bleibt uns noch ein Campingplatz etwas außerhalb. Der Wind hat inzwischen an Fahrt aufgenommen. Wir fahren nun nach Google Maps. Nicht unbedingt die beste Entscheidung. Wir suchen lange und müssen zwei Mal umdrehen. Irgendwann ist es dann geschafft. Erschöpft kommen wir an. Der Wind hat die letzten Tageskilometer in die Länge gezogen. So langsam merke ich die schon gefahrenen Kilometer in den Beinen.  

 Trotzdem wird schnell das Zelt aufgebaut. Parallel bereite ich Essen zu. Die Kinder sind ungeduldig, wir versuchen sie mit kleinen Aufgaben abzulenken. Das klappt etwas. Sie sind aber übermüdet und unausgelastet. Vor allem der Dezemberjunge tut sich schwer mit dem Zelt. Er kann abends nicht einschlafen und ist zeitig wach. Tagsüber den Schlaf nachholen, wie das Septembermädchen, schafft er nicht. So gibt es an diesem Abend noch ein großes Theater. Ich bin gefrustet und frage mich ob es so gut weiter gehen kann. Denn auch mir stecken die letzten Zeltnächte in den Gliedern. Auch ich schlafe schlecht. Jede Nacht kommt irgendwann das Septembermädchen in meinen Schlafsack gekrochen, jemand muss aufs Klo oder hat es nicht mehr geschafft. Dann gibt es Unruhe im Zelt und ich bin sofort mit wach. Oft genug kann ich dann lange nicht einschlafen oder denke, es ist ja eh schon hell. Doch das ist es auch gegen fünf. Mit diesen Gedanken im Kopf, frage ich mich ob ich nun älter werde oder woran es liegt, dass mir das Zelten so Probleme bereitet. Dass habe ich sonst sehr gerne getan. Auch gemeinsam mit dem Herzensmann waren wir im Zelt unterwegs, ohne Kinder bzw mit dem Dezemberjunge im Bauch. 

Am nächsten Morgen bauen wir schnell das Zelt ab. Zwischen zwei Regenschauern ist es gerade trocken geworden, an dieser Stelle ist der Wind doch sehr hilfreich. So kommen wir diesmal sehr zeitig auf die Räder. Das ist auch ganz gut. Der Wind ist stark und böig, immer wieder lassen die Wolken von ihrem Gewicht etwas fallen. Für uns ist klar: heute Nacht schlafen wir in einem Haus. So steuern wir die Jugendherberge in Rheine an.  

 Unterwegs regnet es immer wieder und eine kleine Rast machen wir in einem Buswartehäuschen. So können die Anhänger und wir im Trockenen pausieren. Bereits in Rheine bin ich dann eine kurze Sekunde nicht aufmerksam. Ich schaue nach vorne und sehe den Mittelpfosten auf dem Weg auf mich zu kommen. Schnell reiße ich noch den Lenker rum. Trotzdem kracht es. Die Anhängerstange fängt zum Glück die Energie auf, auch die Satteltasche bremst. Dem Dezemberjunge und mir ist nichts passiert. Die Stange müssen wir jedoch noch während dieser Tour tauschen. In Rheine sind wir dann schon am frühen Nachmittag. Das ist irgendwie komisch und doch sehr gut. Die Kinder können auf dem Spielplatz toben. Ich ruh mich ein bisschen aus. Die Nacht in normalen Betten tut am Ende allen sehr gut. 

Von der Quelle bis zur Mündung – die Ems #2

Die Nacht ist kurz, wenn man neben einem Kuhstall schläft. Zeitig hören wir den Traktor und die Kühe. Irgendwie schlafe ich wieder ein, bis kurz danach das Septembermädchen aufs Klo muss. Wir kriechen aus dem Zelt. Freundlich grüßt uns der Bauer, der gerade die Kälber neben an versorgt. Er hätte uns doch hoffentlich nicht geweckt, fragt er. Ich verneine. Mit dem Septembermädchen krieche ich wieder ins Zelt. Wir kuscheln und schlafen noch einmal ein. Dann wacht der Dezemberjunge auf und hat bereits gepullert. Also wieder rumgeraschel. Diesmal kümmert sich der Herzensmann. Auch sie kuscheln sich wieder an einander. Doch es dauert nicht lange, dann ist die Nacht endgültig vorbei. 

  Wir frühstücken in der Sonne. Die Kinder schauen bei den Kälbern vorbei. Dann werden die Kühe hinter unserem Zelt auf die Weide getrieben. Neugierig bleiben alle stehen. Zelt und Fahrräder sind ungewöhnlich für sie. Manche springen schnell weiter. Die ersten Radfahrer kommen vorbei und grüßen. Wir können uns nur schwer losreißen. Schön ist es hier an der Antfängers Mühle. Die Kinder erkunden noch den Dachboden. Kein Problem für Werner, der freundlich und entspannt bei allem hilft. Er selber ist erst vor wenigen Tagen den Emsradweg gefahren. Wir plaudern ein wenig, erzählen von unseren Touren und sind uns einig: es sind die Begegnungen und Erlebnisse die so eine Reise ausmachen. Ab nächstem Jahr wird er wohl auch ein Zimmer an bieten. Zelten darf jeder, der hier hält und abends nicht mehr weiter weiß. Wir können es nur empfehlen.  

 Dann geht es weiter durch Rietberg. Wir sehen eine wunderschöne kleine Stadt. Fahren auf dem Westwall und erhaschen Blicke in kleine Gärten und wunderschöne Häuser. Die ersten Kilometer am Tag ziehen schnell vorbei. Wir erreichen Wiedenbrück. Eine kurze Pause an den Mühlenrädern. Nüsse, Möhren und Brokkoli als Rohkost zwischendurch. So kann es noch etwas weiter gehen. Doch zwei Ecken weiter ist ein toller Spielplatz. Also halten wir noch einmal. Im Seecafé neben an können wir nicht nur Kaffee und Kakao trinken, dass Essen sieht zu gut aus. Also bleiben wir hier und machen eine frühe Mittagsrast.  

   
Nach wenigen Kilometern, dass Essen immer noch gut im Bauch, hören wir: „Und jetzt Eis essen!“ aus dem Fahrradhänger. Wir versprechen; bei der nächsten Pause. Wir radeln und radeln. Doch es zieht sich. Unser Ziel heißt nun Warendorf. Mit Ziel vor Augen geht es plötzlich schwerer. Das Tempo ist gleich, doch das Gefühl ist anders. Es fährt sich nicht mehr so leicht. Die Kilometer ziehen sich hin, wie klebriger Asphalt, der in der Sonne heiß geworden ist. Das schöne am Radfahren ist, man hat Zeit. Zeit zum gucken. Zeit zum sinnieren. Zeit, um Antworten auf wirklich wichtige Fragen zu finden. Und so denke ich darüber nach, warum ich nun nicht mehr so entspannt fahre. Warum ich nun etwas frustriert bin, dass unser Ziel nicht näher rückt. Es liegt am Fokus, an der Einstellung. Das Ziel ist nun so wichtig geworden, dass der Weg aus dem Blickwinkel rückt. Dabei ist beides wichtig. Ein Ziel vor Augen hilft, um auf der Spur zu bleiben. Doch den Weg genießen ist das schöne Leben. Und dann sind wir da, finden ein gutes Eis, sitzen auf dem Kopfsteinpflaster, das Gesicht in der Sonne. Glücklich und zufrieden. 

Von der Quelle bis zur Mündung – die Ems #1

Unser Wochenende ist der Start unserer diesjährigen Radtour. Am Samstag legen wir noch einige Kilometer mit dem Auto zurück. Am Abend sind wir dann am Startpunkt. Am Sonntag geht es nach einer Regennacht dann los. Erst zu Quelle und dann folgen wir dem Bach der langsam zum Fluss wird.  

 Guten Morgen am Samstag. Die erste Nacht im Zelt. Wir haben auf einem Grundstück übernachtet, welches wir uns angesehen haben. Schön ist es dort. 

   Nach einigen Kilometern Autobahn machen wir Pause an einem Rastplatz. Die Kinder spielen eine Runde mit Kiefernzapfen. 
 In Paderborn sind wir unserem Tagesziel schon sehr nah. Wir besorgen noch ein paar letzte Sachen für die Radtour und endlich ein Eis. 

   Auf dem Zeltplatz in der Nähe der Emsquelle wird weiter mit Kiefernzapfen gespielt. 
 Alles ist aufgebaut und vorbereitet für den Start am nächsten Tag. Abendessen auf dem Zeltplatz.  

 Sonntag Morgen: Frühstück im Aufenthaltsraum des Zeltplatzes am Furlbach. In der Nacht hat es geregnet und alles ist nass. 

   Nach dem alles eingepackt und das Auto geparkt ist, fahren wir zu der Emsquelle. 
 Das Wasser ist ganz schön kalt. 

   Auf unserer Fahrt sehen wir wieder Störche. Die Kinder schauen auch schon aus dem Nest. 
 So sind wir dieses Jahr unterwegs: zwei Hänger, zwei Räder, zwei Kinder. 

   Das Septbermädchen nutzt die Fahrt und holt etwas Schlaf nach. 
 An der Antfängers Mühle machen wir Pause. Eigentlich wollten wir in Schöning auf einen Zeltplatz, wir finden jedoch keine Zufahrtstrasse. Also fahren wir noch ein Stückchen weiter und können an der Mühle die Kühe beim Reinkommen zum Melken beobachten.   

 Dank nettem Mühlenbewohner, dürfen wir auf der Wiese zwischen Stall und Mühle übernachten. Unter der großen Kastanie, schützen wir uns, vor einem kurzen Regenguss. 

Wie es bei unserer Tour weitergeht, könnt Ihr in den nächsten Tagen hier auf dem Blog lesen. Bei Geborgen Wachsen gibt es weitere Wochenenden und Euch wünsche ich einen schönen Pfingstmontag. 

Glück im Kleinen

Wir sind unterwegs. Ein Besuch in der Heimat. Zeit bei Omama und Opapa. Aber nicht nur Zeit mit ihnen, sondern auch ganz viel Zeit zu dritt. Gestern haben wir uns nach einem aufregenden und erlebnisreichen Wochenende ausgeruht. Haben im Garten und im Haus gespielt. Haben alle Mittagsschlaf gemacht und am Nachmittag einen Spaziergang durch die Stadt. Das Hauptziel war ein Eis zu essen. Diesmal sollte es bitte ein spitzes Eis sein. Also haben wir nur einen kurzen Weg, die Straße runter zum Marktplatz. Dort gibt es Softeis, spitzes Eis. Da wir auch eine Geschichte mit einem Wetterfrosch gelesen haben, kommen wir auf Frösche und den Froschkönig. So gehen wir dann noch zu einem Brunnen in der Stadt. An dem erwartet uns der Froschkönig. Und da nach dem Eis Hände gewaschen werden können, ist es gut, dass ein Brunnen da ist. Zu erst sind dann die Füße drin. Es wird geplanscht und gespritzt. Auf dem Brunnenrand Balancierübungen vollbracht und getestet wie tief der Beunnen eigentlich ist. Ich sitze währenddessen daneben und genieße. Die Gedanken ziehen vorbei. Pure Entspannung. So ist unterwegs sein mit zwei Kindern wunderbar. Zeitlos. Ganz im Moment.  

    
 

Kilometer 6-9: Vom Breitenstein bis zur Ziegelhütte im Randecker Maar

Wir wandern nicht chronologisch und zur Zeit entgegen der empfohlenen Laufrichtung. Aber das wird sich sicher auch noch ändern. Stück für Stück setzen wir den Weg zusammen, so wie es für uns gerade passt. Dies Mal bestreiten wir einen Teil der Strecke wieder in Verbindung mit einem Rundwanderweg. Ich habe mir eine wunderschöne Runde ausgesucht. Eine, die ich schon lange mal gehen wollte.

 Los geht es am Parkplatz Randecker Maar. Diesmal gebe ich gleich die Koordinaten ein und wir kommen ohne große Umwege ans Ziel. Schon auf der Anfahrt erkennen die Kinder  das ein oder andere Landschaftliche Highlight. So zum Beispiel die Teck und die Limburg, unser Himpelchen und Pimpelchen Berg. 

  Vom Parkplatz starten wir gleich das erste Stück auf dem Nordrandweg. Es führt uns gerade Wegs zum demeter Betrieb Ziegelhütte. Dort verbringen wir dann erstmal einige Zeit. Die Kinder und auch wir sind sofort angekommen. Innerhalb weniger Sekunden sind die ersten Fahrzeuge besetzt und die Kühe begutachtet. Beide sind Bauer und Bäuerin, füttern die Tiere und fahren hin und her. Der Herzensmann schaut sich den kleinen Hofladen und die Maarstube an. Dort kann man neben dem hofeigenen Käse auch verschiedene Gerichte zum direkt Essen erwerben, was wir angesichts der Mittagszeit gleich nutzen. Das indische Arbeiter Curry war eine wunderbare Stärkung. Danach geht es noch eine Runde auf den Spielplatz. Die Kinder können sich kaum trennen, doch der Mittagsschlaf für das Septembermädchen ruft. Diesen macht sie wieder ganz entspannt im Fahrradanhänger.  

    
    
   
Nun verlassen wir erstmal den Nordrandweg und gehen Richtung Schopflocher Moor weiter. Dort gehen wir nicht den Weg außen rum, sondern nehmen den Holzsteg mitten durch. Es ist wunderbar, wie der Dezemberjunge vor raus hüpft. Dann bleibt er stehen. Eine der Bohlen wackelt. Dass muss überprüft werden. An einer Schautafel sehen wir, welche Tiere hier leben. Und wir haben großes Glück. Der Dezemberjunge und ich beobachten eine Waldeidechse. Sie läuft ein ganzes Stück parallel zum Weg, bis sie dann über den Weg huscht und auf der anderen Seite verschwindet. Dann kommen wir zu einem kleinen Tümpel. Hier gibt es noch keinen Frosch- oder Krötenlaich zu entdecken wie an „unserem“ im Wald. Zu dieser Jahreszeit merkt man immer den Höhenunterschied und damit verbundenen Vegetationsunterschied besonders deutlich. Aber wir können den Kröten beim Aufwärmen unter der Wasseroberfläche zu sehen.  

   

Der Weg führt uns nun wieder Richtung Ochsenwang. Wir können von oberhalb auf unser Auto schauen. Und dann laufen wir durch das kleine Örtchen und treffen wieder auf den Nordrandweg. Von hier geht es direkt zum Breitenstein. Hier wurde vor vier Jahren die Idee geboren. Und von hier können wir auf den Himpelchen und Pimpelchen Berg von oben drauf sehen (der kahle Hügel im Bild im Tal). 

   
Heute wollen wir hier aber noch die Feuerstelle aus nutzen. Wir haben ein leckeres Picknick mitgebracht. Die Kinder suchen sich gleich Stöcke zum Schnitzen (der Dezemberjunge) und zum Grillen (Beide) aus. Das ist wirklich wunderschön. Es gibt eigentlich überall Grillplätze. Sie sind in den Wanderkarten verzeichnet und was lockt Kinder das letzte Stück mehr, als die Aussicht auf Feuer. 

    
   Auch hier vertrödeln wir viel Zeit. So dass das Picknick schon fast als Abendbrot gelten kann. Nach dem alles leer ist und die Glut erloschen gehen wir weiter entlang des Nordrandweges. Links ist der bewaldete Abhang, rechts ein Feld. Wir wandern in der Abendsonne Richtung Auchtert einem weiteren Aussichtspunkt. Dann flitzen wir schnell den Hang hinab. Die Kinder freuen sich über ihr Rennauto. Ich entdecke unterwegs kleine Waldmeister und hoffe innerhalb der Waldmeisterzeit wieder auf der Alb zu sein. Ich würde gerne noch ein paar Rezepte ausprobieren. Aber diese müssen noch etwas wachsen.  

  Wir staunen über die doch etwas andere Landschaft hier. Immerwieder sieht man große Felsbrocken aus der Wiese ragen. Durch dichten Wald laufen wir diesmal nicht. Wunderschön ist es trotzdem. Und dann sind wir auch schon wieder beim Parkplatz. Mir kam die reine Laufrunde kürzer vor, als das letzte Mal, aber es waren auch wieder knappe 10 km. 

 

Ist eine Reise die Freiheit?

Schon seit einer Weile fallen mir mehr und mehr Familien auf. Sie gehen mit ihren Kindern in liebevolle Beziehung. Sie begleiten ihre Kinder beim sich frei entwickeln und kommen irgendwann an den Punkt, dass sie die Koffer packen und Reisen. Es scheint die Möglichkeit schlechthin zu sein, Kindern eine freie Emtwicklung zu ermöglichen. Und es scheint Freiheit pur zu sein. Nebenbei kann man der deutschen Anwesenheitspflicht in Schulen ausweichen, den Kindern noch länger ihre Freiheit geben. 
Freiheit. 

Warum strebt alle Welt nach Freiheit? Und vor allem nach welcher? Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. So können wir alles machen. Wir sind frei in unseren Entscheidungen. Wir können wohnen wo und wie wir wollen. Wir können essen was wir wollen. Wir können, dank des Internet, uns sämtliche Informationen (sinnvoll oder nicht sei dahin gestellt) beschaffen und auch arbeiten wo wir wollen. 

Grenzenlos.

So fühlt es sich an. Das wir irgendwann an Grenzen stoßen werden, kommt dann doch vor. Und grenzenlos ist nicht Freiheit. Doch welche Freiheit streben wir wirklich an? Frei sein bedeutet für mich genau mein Ding zu machen. Frei sein ist meinen Traum zu leben. Dazu muss ich bei mir sein und wissen was mein Traum eigentlich ist.  

 Zur Zeit leben wir in eine Wohnung in eine mir Kleinstadt. Wir haben einen Garten, nette Nachbarn, sichere Arbeit und im Großen und Ganzen geht es uns gut. Trotzdem fühle ich mich immer wieder unfrei, eingesperrt und gefangen. Dann möchte ich weg. Am liebsten würde ich dann direkt in ein Auto steigen, raus fahren und unterwegs sein. So kam auch bei uns die Idee einer Reise auf. Außerdem sind wir gerne unterwegs, neugierig und es gibt so viel zu entdecken. So fingen wir an zu planen. Wir bekamen grünes Licht vom Chef des Herzensmannes. Ein gutes halbes Jahr Frei-Zeit. Schnell waren da Ideen. Dahin und dorthin und am liebsten um die halbe Welt. Ruck zuck wurde aus der Frei-Zeit, durch organisierte Zeit. Es fühlte sich gar nicht stimmig an. Freiheit sieht doch anders aus. Oder? So überdachten wir. Verwarfen Pläne und überlegten uns neue. Weniger ist mehr. Doch dann fragten wir uns, was wollen wir wirklich? Schnell war klar, dass wir am Ende der Reise am gleichen Punkt stehen würden. Denn eigentlich wollen wir etwas ganz anderes. Unser Traum sieht anders aus. 

Freiheit heißt auch sich binden (können). Wir wollen einen Ort zum Leben. Einen Ort den wir gestalten können. Einen Ort an dem wir immer wieder heim kehren können. Ein Ort der uns ernährt, körperlich wie seelisch. Ein Ort an dem wir Sein können, Wurzeln schlagen und aufblühen. Wir sind keine Zugvögel. Wir brauchen eine Heimat. 

Für uns ist eine (Langzeit)Reise nicht die Freiheit. Denn unser Traum sieht anders aus. Und auch wenn es zur Zeit sehr viele Familien gibt die Reisen, und man das Gefühl bekommt, dass ist der richtige Weg. Muss jede Familie für sich allein ihren Weg finden. Denn es gibt nicht die eine perfekte Lebensweise. Und ich habe festgestellt, dass Freiheit nicht unbedingt etwas mit einem Ort oder eben keinem Ort zu tun hat. Freiheit ist ein Gefühl. Wir fühlen uns frei oder gefangen. Und so sind wir immer dann frei, wenn wir wir Sein dürfen, mit unseren Wünschen, Träumen und Hoffnungen. Wenn wir mit unseren Besonderheiten in Liebe angenommen werden von unserem Partner und von allen Mitmenschen. Frei sind wir, wenn wir Menschen sind. Und das gilt auch für unsere Kinder. 

Kilometer 1 bis 5 – von der Nebelhöhle zum Schloss Lichtenstein

Die Sonne scheint, es ist fantastisch. Ein perfekter Tag um dieses Projekt zu beginnen. Ich habe mir eine Runde von knapp 10 Kilometern ausgesucht. Davon geht die Hälfte entlang des Nordrandweges. Als es los geht, gebe ich den Parkplatz im Navi ein. Nach einer 3/4 Stunde sind wir da. Wir bauen den Fahrradhänger auf, laden alles ein und sind Start klar. Ein letzter Blick auf die Wanderkarte am Parkplatz. Hm. Irgendwas stimmt hier nicht. Wir sind auf dem falschen Parkplatz. Also alles wieder ausgepackt. Fahrradhänger zusammen klappen und einladen, Kinder anschnallen. Ehe wir viel Zeit mit suchen und rum fahren vergeuden, fahren wir direkt zum Schloss und starten die Runde einfach an einem anderen Punkt. Am Schloss Lichtenstein sind wir nicht die Einzigen. Inzwischen ist es Mittag und wir brauchen eine Stärkung. Dann kann es endlich los gehen. Wir laufen am Schloss vorbei und biegen in den Wald ein. Dann geht es auf einem asphaltierten Feldweg weiter. Vor und hinter uns sehen wir immer Menschengruppen laufen. Es scheint ein beliebter Nachmittagsspaziergang zu sein. Mir kommt der Osterspaziergang aus Goethes Faust in den Sinn. Genau so fühlt es sich an. Und dann stehen wir auf dem eigentlichen Startparkplatz. Wir wundern uns, dass das so schnell ging und stellen bald fest, dass wir irgendwo einen Abzweig übersehen haben. Weil wir weder den Fahrweg zur Höhle laufen wollen, noch einen Weg zwei Mal, beschließen wir quer über die Wiese zu gehen und auf den eigentlichen Weg zu treffen.  

 Das erweist sich als gute Idee. Der Dezemberjunge läuft fleißig mit. Sucht sich seine Stöcke und ist ganz begeistert. Wir schauen immer noch mal nach der richtigen Richtung und laufen über eine Wiese und entdecken den besten Abenteuer Spielplatz. Wir stehen vor einem Feld mit Weidenruten. Die Kinder ziehen los und spielen Abenteurer.  

   
Wir lassen noch ein paar Ruten nach oben flitzen und haben alle unseren Spaß. Dann wandern wir weiter zwischen Feld und Wald entlang und treffen auf den eigentlichen Wanderweg. Eine schöne Runde ist das. Immer abwechselnd geht es durch Wald und Wiese. Wir hören dem Specht zu und spüren die Kiesel unter unseren Füßen. Dann treffen wir auf einen Steinbruch und staunen. Der Dezemberjunge möchte natürlich gleich so einiges wissen. Inzwischen ist das Septembermädchen eingenickt und auch der Dezemberjunge setzt sich für ein Päuschen in den Anhänger. Über einen Feldweg gelangen wir dann zur Nebelhöhle. Hier beginnt nun unsere eigentlich erste Etappe des schwäbischen Alb Nordrandweges.  

 Der Weg ist breit. Meist ist es Waldweg. Mit dem Anhänger kein Problem. Ab und zu gibt es kleine steile Stellen, dann heben wir den Anhönger schnell darüber. Doch das sind nur zwei oder drei. Auch im Anhänger spüren die Kinder den Weg. Es geht oft über Wurzeln. Der Dezemberjunge läuft aber weite Strecken selber. Der Weg führt uns dicht an der Albkante entlang. Und wir sehen oft mehrere 100 Meter hinab. Die noch kahlen Bäume geben den Blick frei auf das Land. Jetzt sind wir froh, dass sie noch kahl sind. Sonst würden wir nur grün sehen.  

    
 Nicht immer ist es leicht für mich, so dicht an der Kante zu gehen. Der Weg ist breit, doch mein Kopf spielt mir wieder Streiche. Dann wird der Weg an einer Stelle etwas schmaler. Ich schiebe den Anhänger mit dem Septembermädchen drin. Mir ist mulmig. Ein Rad ist nun auf der Böschung. Ich fühle mich unwohl, dabei ist alles gut. Nach ein paar Metern ist die Stelle geschafft. Danke Höhenangst, dass du mir es immer wieder etwas schwerer machst. Nach etwa 1,5 Kilometern kommen wir an einen Aussichtspunkt. Ein toller Blick eröffnet sich uns da. Auf der einen Seite sehen wir schon das Schloss. Und vor uns liegt das Tal. Ich fühle mich wieder sehr exponiert und bleibe etwas weiter hinten. Der Herzensmann geht mit den Kindern vor und schaut. Wie exponiert diese Felsspitze wirklich ist, sehen wir erst auf der Heimfahrt. Dann fahren wir das Tal hinunter und sehen die Felszacke hinausragen. 

   

Die nächsten Kilometer geht es immer auf und ab. Manchmal flitzen wir die Hänge hinunter. Oft ist es auch zu steil. Dann heißt es langsam den Hang hinunter „schieben“. Dann kommen wir aus dem Buchenwald auf eine Wiese. Die Nachmittagssonne scheint tief und kräftig. Herrlich. Auf der einen Seite flitzen wir den Hang hinab. Auf der anderen tauchen wir wieder in den Buchenwald ein. Für ein kurzes Stück ändert sich der Wald plötzlich. Es fühlt sich gleich ganz anders an. Wie in einem Märchenwald. Rotkäppchenwald sagt der Dezemberjunge.  

 Und dann geht es nicht mehr weiter. „Wir müssen die Kettensägenmänner holen.“ Klar. Wir versuchen es dann doch mit drüber klettern. Das geht schneller. 

    
 Und dann kommen wir zum Schloss Lichtenstein. Nun sind auch hier die Menschen weg. Während an den Highlights der Strecke es nur so wimmelte haben wir dazwischen nur wenig Menschen getroffen. Der Blick auf das Schloss ist bezaubernd. Ein richtiges Märchenschloss steht dann einfach da. Mit Türmchen und Zugbrücke und allerlei Schnörkelei, wie es sich für ein Märchenschloss gehört. 
 Als wir um das Schloss Richtung Parkplatz herum gehen, sehe ich den Wegweiser. Am liebsten würde ich direkt weiter gehen. Doch es ist spät geworden. Wir kommen wieder. 

Nicht nur um die Nebelhöhle anzusehen, die wir uns aufgrund der Zeit für einen weiteren Besuch aufgehoben haben. Sondern auch um den Weg weiter zu gehen. Ich bin gespannt wo uns die nächsten Kilometer hinführen werden. 

Weitere Informationen zur Nebelhöhle gibt es hier und zum Schloss Lichtenstein hier