Ein Bild und seine Geschichte

Ein greller Lichtblitz zieht über den dunkel grauen Himmel. Im selben Moment kracht es. Es fühlt sich an, als würde die Welt auseinander brechen. Kurz danach hören wir nur das laute Prasseln des Regens. Dann fängt der Dezemberjungen an zu schreien. Er steht draußen im Regen, hat seine Feder und seine Schätze in der Hand. Er musste sie retten. Ich stehe an der offenen Terrassentür, rede ihm zu. Bei mir kommt er in meine Arme. Er weint und weint. Dann höre ich weiteres Weinen. Das Septembermädchen ist am Fenster im Kinderzimmer. Sie hat von dort beobachtet, wie ihr großer Bruder seine Schätze gerettet hat. Auch ihr ist der Schreck in den ganzen Körper gefahren. So sitzen wir im Flur, in meinen Armen zwei weinende Kinder. Ich bin ruhig, spreche leise und atme tief ein und wieder aus.

Es ist Abendbrotzeit. Die Suppe steht auf dem Herd. Schon seit über einer Stunde hat sich das Gewitter angemeldet. Der Himmel ist immer dunkler geworden. Ich habe Licht angemacht. Die ersten Tropfen. Von Ferne ein leises Donnerrumpeln. Kurz bevor es diese explosive Entladung gab, konnten wir weitere Blitze sehen. Die ersten waren sehr nah. Das Donnern folgte fast direkt.  Doch dann zog es fort. Dachte ich. Der Dezemberjunge wollte unbedingt seine Schätze retten. Ich hatte keine Lust hinaus zu gehen. Bot ihm an, dass er es machen kann. Ich würde an der Tür auf ihn warten. Dann kam der Schreck.

Vorher hatten beide Gewitter sehr gemocht. Sie standen am Fenster um die Blitze zusehen. Angst hatten sie nicht. Nun sitzt das Septembermädchen am Abendbrottisch. Ihr Blick ist starr. Sie beginnt zu sprechen. Vom Blitz und von Feuer erzählt sie. Ich erkläre, dass heute kein Brand entstehen wird, da es so sehr regnet. Ich erzähle, dass sich der Blitz hohe Sachen aussucht. Mammutbäume und Hochhäuser fallen den Kindern ein. Hochhäuser haben Blitzableiter, so geht der Blitz außen entlang in die Erde, erzähle ich. Die Antwort des Septembermädchens: dann fangen die Menschen keine Feuer die in dem Hochhaus leben. Ihr fällt noch etwas ein. Als wir die Tiere angesehen haben, war auf dem Weg ein Baum, der vor langer Zeit von einem Blitz getroffen wurde. Er war auf ihrer Autoseite, als wir vor mehr als einem halben Jahr dort lang gefahren sind.

Der Dezemberjunge ist noch unruhig. Er erzählt, das sein Herz so schwer geworden ist. Dass es dort, am Bauch, weh tun würde. Ich lege ihm meine Hände auf Herz und Rücken, spüre seine Aufregung, seinen Schreck. Irgendwann rutscht mir ein tiefer Seufzer raus. Der Dezemberjunge löst sich und verschwindet im Kinderzimmer. Eigentlich wollten wir doch Essen.

Er ist sehr ruhig, kommt zur Ruhe und ich spüre genau, wie er diesen Moment für sich braucht. Dann kommt er wieder mit einem Bild. Der Blitz und der Donner, zeigt er. Hier ist das hohe Gras, das sich bei dem Sturm neigt. Das Haus unseres Nachbarn mit der Giraffe und unser Haus. Noch mehr Gras und der graue Himmel. Dann huscht er noch ein Mal weg. Als er wieder kommt, sagt er: “ Jetzt sieht es gefährlicher aus.“ Der Blitz ist nun gelb.

Dann kann auch er von seiner Suppe essen. So lange bis sich Beide in die Haare kriegen (genau einen Löffel), aber das ist eine andere Geschichte.

Alles zu seiner Zeit


Bei Babys und Kleinkindern ist dieser Spruch so etwas wie das Mantra der Entwicklung. Egal in welcher Hinsicht, ob es die Bewegungsentwicklung, Sprachentwicklung oder andere Entwicklungsschritte sind. Alles zu seiner Zeit. Dann, wenn der innere Bauplan der Kinder es vorsieht. Nicht eher werden die Schritte vollzogen. Durch schieben und drücken oder andere äußere Einwirckung von seitens der Eltern oder Bezugspersonen, wird es nicht schneller gehen. Kann sogar schädlich sein und auch die Lust und Freude nehmen.

Was mir bei der individuellen Entwicklung meiner Kleinkinder selbstverständlich war, durfte ich mir nun bei einem Entwicklungsschritt des Dezemberjungen erneut ins Gedächtnis und in mein Bewusstsein rufen. Denn es ist völlig egal wie alt der Mensch ist. Seine Entwicklung wird er immer -soweit man ihn lässt- nach seinem eigenen Bauplan gestalten. Ganz egal wann die anderen Wegbegleiter diesen einen Entwicklungsschritt gehen.

So ging es mir beim Fahrrad fahren lernen. Schon lange haben wir eins in der Garage stehen. Geliehen von einer guten Freundin für den Dezemberjungen. Doch er hatte überhaupt kein Interesse. Kein Problem. Doch die letzten Monate würde ich unruhig. Innerlich. Zum Einen fahre ich die meisten Strecken mit dem Fahrrad und Anhänger. So langsam wird der Dezemberjungen einfach zu groß. Schwer ist es auch, aber das sehe ich eher sportlich, noch dazu ganz ohne elektrische Unterstützung. Zum Anderen wusste ich, dass er es kann- wir hatten es bereits geübt- und das es ihm sehr viel Spaß machen würde. Und seine Freunde aus dem Kindergarten fahren alle Fahrrad, auch die die schon etwas jünger sind. So ganz lies mich das nicht kalt. Ja, ich wollte das er Fahrrad fahren lernt, bzw noch das Vertrauen dazu gewinnt, das er es kann. So machte ich ihm Angebote. Er sah seine Freunde Rad fahren. Doch er fuhr lieber mit dem zu kleine Laufrad. Irgendwann war es mir dann aber wieder egal. Nachdem ich so einige Möglichkeiten in Betracht gezogen hatte, unter anderem auch den gemeinsamen Kauf eines (gebrauchten) eigenen Fahrrads. Doch zum Glück hat es nie so gepasst, das wir eine der Möglichkeiten und Ideen umgesetzt haben. Dann wurde es mir egal und ich schlug am Karfreitag vor das Fahread mit zunehmen. Ich dachte er würde wie immer ablehnen. Tat er nicht. Und so fuhr er dann im Tiefenbachtal hin und her und wieder her und hin. Er strahlte. Er bremste. Er fuhr ganz alleine los. Er konnte Rad fahren. Jeder Fußgänger konnte das sehen und es wurde ihm auch erzählt und gezeigt. Wir alle konnten seinen Stolz sehen. Seitdem ist eigentlich kein Tag vergangen an dem er nicht Rad gefahren ist. Nun fährt er selber in das Kinderhaus. Hat auch schon längere Strecken durchgehalten und gemerkt, wie es ist Rad zu fahren, wenn man wirklich müde ist.  Und so kann ich einfach nur mir selber immer wieder sagen: nur Geduld, alles zu seiner Zeit.

Der Benefizlauf als Familienevent – es schreibt der Herzensmann

Jedes Jahr veranstaltet die Alte Seegrasspinnerei Nürtingen einen Benefizlauf „Renn Seegras Renn“ für die Kinder- und Kulturwerkstatt (KiKuWe). Das wichtigste zuerst: Bitte spendet noch weiter! Bis Ende April wird weiter gesammelt. Da wir alle 4 (!!!) gelaufen sind, ist das doch eine Unterstützung wert.

Ist ganz einfach: Unter http://www.renn-seegras-renn.de/?2#unterstuetze im Suchfeld „Gerrit“ eingeben und per Überweisung, Paypal oder Kreditkarte spenden, was Ihr wollt. Die KiKuWe kann damit ihr tolles Angebot für Kinder und Jugendliche in Nürtingen aufrecht erhalten und ausbauen!

Nun aber zum heutigen Tag. Durch die Zeitumstellung waren wir etwas spät dran und die Aufregung schon bei allen während des Frühstücks ziemlich zu spüren. Die Herzensdame war am Überlegen, ob sie mit dem Septembermädchen den 1 km wandern solle. Der Dezemberjunge wollte unbedingt spielen. Kein Wandern, kein Laufen.

Ganz anders sah es dann vor Ort aus. Weiterlesen

Vom großen Glück ein Stück

Gerade mal einen halben Tag sind unsere Hühner nun bei uns. Am Abend haben wir ihnen Gute Nacht gesagt. Der Dezemberjunge und ich. Da standen wir also im Schneegestöber vor dem Hühnerstall und schauten durch den kleinen Hühnereingang hinein. Wir beobachteten wie sie sich fröhlich über ihr Futter her machten. Wie sie pickten und gurrten. Ab und zu blickten sie uns an. Sie wunderten sich wahrscheinlich was das soll. Warum guckt da jemand rein. Und wer sind die überhaupt. Doch während es Schnee regnete und ein Wind es nicht so kuschelig machte, stieg in mir eine warme Welle der Zufriedenheit auf. Ja, es ist simple. Hühner, genauer, vier Hühner machen mich glücklich. Ganz ehrlich, wenn es nicht gerade um die null Grad und Schnee draußen wären, hätte ich mir einen Hpcker geholt und dort den Nachmittag verbracht. Sicher war es ganz gut, dass ich das nicht gemacht habe. Zumindest für meinen Gesundheitszustand.

Gemeinsam, mit den Kindern, haben wir sie getauft. Ohne Sekt, Wassertauchen oder andere Schweinerein. Einfach so. Sie haben Namen, was sie gleich noch vertrauter und sympathischer macht. Sie heißen Stoffi-Moffi und Stina-Fina, wie bei Pettersson und Findus, außerdem Henriette Bimmelbahn und Mathilde. Wie wir das erkennen können wer wer ist? Ganz einfach: Sie sehen alle anders aus. Eins ist Schwarz-weiß gesperbert, ein anderes Braun, wieder eins ist weiß mit einem schwarzen Federkranz am Hals, das vierte sieht dem dritten sehr ähnlich hat aber hellbraune Federn auf dem Rücken. Doch auch der Charakter der vier Damen zeigt Unterschiede. Diese dürfen wir in nächster Zeit noch genauer kennen lernen. 

 Und dann ist da ja noch die Sache mit den Eiern. „Mama, wann legen die jetzt ein Ei?“, fragte mich der Dezemberjunge, als wir so im Schnee standen und unseren Hühnern im Stall zusahen. Tja, wenn ich das wüsste. „Und wo kommt das Ei raus?“ Dass wusste ich, da wo sie auch kackern, was wir auch schon beobachten durften. Diese Antwort gab dem Dezemberjuge sehr zu denken. Die nächste Frage folgte und macht das sehr deutlich. „Mama, wie basteln die das Ei eigentlich zusammen?“ Das schauen wir uns drinnen an. Gut, dass ich meine Unterlagen aus dem Studium noch da hab, war ja doch ganz sinnvoll. Und so sitzen der Dezemberjunge und ich beim Abendbrot und schauen uns an, wie ein Ei entsteht. Wir lernen, dass zuerst das Eidotter im Eierstock gebildet wird. Im Eileiter kommt aus Drüsen das Eiklar dazu, wenn dann das Ei nach 24 h die Eienge passiert hat und in den Eihalter kommt, wird dort noch die Schale dran gemacht und dann. Tja, dann geht es dem Huhn wie uns Menschen, es sucht sich ein stilles Örtchen. 
Dass alles haben wir gelernt, weil wir einen halben Tag Hühner haben. Ich glaube, wir lernen noch sehr viel mehr. Am meisten aber, dass ganz einfache Dinge unglaublich glücklich machen. 

Ich würde Euch gerne schon ein Foto zeigen, wenn ich es denn hochladen könnte. Ich hoffe, ich finde bald des Rätsels Lösung. 

Und noch ein Rock

Nach dem Prinzessinnen-Rock, war ich so begeistert von diesem simplen und schnellen Näherfolg, dass ich direkt weiter nähen wollte. Parallel dazu musste mal wieder das Kinderzimmer aufgeräumt werden und mir fiel ein Kleid in die Hände. Ein selbst genähtes von mir. Doch es war nie ganz fertig geworden. An den Trägern fehlten immer noch die Knöpfe. Also lag es zwar im Kleiderschrank, doch es konnte nicht angezogen werden. Die Partie an der Brust war auch letztes Jahr schon etwas eng, so dass aus- und anziehen nicht so gut ging. Alles in allem kein Erfolg. Doch es tat mir leid um das Kleidchen und um meine Näharbeit auch. Der Stoff ist auch sehr schön und passt so gut zum Septembermädchen. Also kam die Schere und ein Bündchen und -schwups- war da ein zweites kleines luftiges Röckchen. Für den Sommer oder bereits jetzt über die Hose. Und nun sind wir beide, das Septembermädchen und ich, sehr glücklich mit diesem selbst genähten Stück. 
   

Eiseskälte

Kalt ist es. Wunderschön kalt. Und irgendwie fühlt sich auch alles andere etwas erstarrt an. Der Dezemberjunge hatte von Freitag bis Sonntag Fieber. Nun hängt er noch etwas schlapp mit verstopfter Nase in der Wohnung rum. Das Septembermädchen bleibt auch einfach zu Hause. Ich habe keine Lust auf Theater und Fahrrad fahren und so. 

Unser Hühnerstall kommt auch nicht voran. Eingefroren auch er. Ich warte auf wärmere Temperaturen. Bevor es weiter geht muss die eine Seite gestrichen werden, damit wir den Stall an seine endgültige Position stellen können. Sonst wird er wahrscheinlich zu schwer. Dabei hatte ich gehofft am kommenden Samstag zu einem Kleintiermarkt zu fahren. Vielleicht machen wir das trotzdem? Mal sehen. 

Jetzt packen wir uns erstmal alle warm ein und stecken die Nase raus. Die Kinder hauen sich zwischen durch die Köpfe ein. Lagerkoller. Vielleicht hilft ein bisschen frische Luft.  

 

Ein Rock für eine Prinzessin

Es ist Fasching. Auch im Kinderhaus wird gefeiert. Der erste Fasching für das Septembermädchen. Ich habe mir nicht groß Gedanken darüber gemacht. Bis letzte Woche. Der Dezemberjunge war sehr klar. Er geht als Feuerwehrmann. Das ist einfach, dachte ich. Arbeitshose, rote Jacke und ein Helm, noch eine Wasserspritzflasche in die Hand, fertig!  

 Auf meine Frage, als was sie sich verkleiden möchte, antwortet das Septembermädchen: als Prinzessin! Mein erster Gedanke war, oh Mann! Voll in die Klischeekiste gegriffen, Feuerwehrmann und Prinzessin. Aber gut, sie entscheidet. Eine Krone haben wir, ein schönes Kleid auch. Alles gut also. Aber reicht das wirklich? Prinzessinnen haben doch lange Röcke oder Kleider an. Unser Kleid ist eher ein kurzes. Also ran an die Nähmaschine. Und so ist an den letzten beiden Abenden ein schönes Prinzessinnen-Röckchen entstanden.     
   
   
 
  

Kindergarten Klappe die 2.? – Oder warum übergeben übergriffig ist

Vor den Faschingsferien ging es los. Wenn ich die Kinder ins Kinderhaus bringe, ist das nicht immer so schön. Das Septembermädchen schreit und klammert sich an mich. Oder sie ist unendlich traurig und möchte nicht, dass ich gehe. Sieht sie mich, weil ich zwischen durch noch mal da bin wegen einem Termin, bricht sie zusammen. Ohne mich geht nicht. Also nehme ich sie wieder mit nach Hause. Ein schreiendes Kind dort zu lassen mache ich nicht. Besonders dann nicht, wenn sie klar formuliert, dass sie bei mir sein möchte. 

Sie ging bis dahin gerne in das Kinderhaus. Sie kennt sich aus. Sie hat Freunde gefunden. Sie fühlte sich wohl. So war zumindest mein Eindruck und ich bin nun ratlos. Ich weiß nicht, was der Auslöser ist. Ich weiß nicht, warum nun gerade der Wechsel kommt. Zu Hause spielt sie. Sie ist sehr kooperativ. Es gibt ein paar kleine fast unscheinbare Veränderungen. Sie möchte nun wieder mit mir aufs Klo gehen. Okay, das ist etwas nervig, denn eigentlich kann sie sich die Hose selber runter ziehen. Aber gut. Je nach Situation komme ich mit, oder ich erkläre ihr, dass es nicht geht, weil ich zum Beispiel gerade koche. Dann ist dies für sie meistens auch okay. Eine andere Situation, die wir so vorher nicht hatten, ist Folgende: Sie ruft mich und ich antworte nicht prompt sondern etwas später. Also innerhalb von drei bis fünf Minuten. Was eigentlich in Ordnung war bis dato. Sie fängt dann sehr stark an zu weinen, ist traurig oder lässt den Kopf betrübt auf die Brust sinken. So finde ich sie dann. Sie fühlt sich alleine, nein allein gelassen. Während der Spielphasen, fragt sie auch regelmäßig, wo ich bin. Für mich eigentlich klar, sie braucht wieder mehr Sicherheit. 

Die gebe ich ihr gerne. So ist für mich eines der wichtigsten Dinge in dieser Situation, auf das Septembermädchen hören. Das klingt nun ganz logisch und als das Selbstverständlichste der Welt. Ist es jedoch nicht. Und auch ich musste das für mich noch mal klar machen. Die schwierigen Situationen sind ja nicht die kleinen Momente zu Hause. In denen sind wir im Gespräch. Das Septembermädchen und ich und können so gestärkt aus diesen Situationen gehen. Ganz anders die Momente im Kinderhaus. Dort bin ich nicht mehr mit dem Septembermädchen alleine. Dort spüre ich nun ‚Erwartungen‘ und meine ganz eigenen inneren Glaubenssätze. So habe ich die letzte Woche versucht, das Septembermädchen zu überreden da zu bleiben. Den Vorschlag der Erzieherin, das ich ihr das Kind (welches sich an mich klammert und weint) nun übergeben soll, habe ich ein Mal sehr widerstrebend angenommen. Beim Abholen habe ich direkt erklärt, dass ich das so nicht wieder machen werde. Ja, diese Situationen sind sehr unschön. War eine etwas zustimmende Reaktion. Doch für mich steckt da mehr als nur unschön dahinter. 

Denn was passiert eigentlich mit ‚dem Kind‘? Es wird übergeben. Richtig. Ein junger Mensch wird zum Objekt gemacht. Ich kann nur etwas übergeben. Einen Menschen nicht. Ein Mensch übergibt sich im Zweifel selber. Das ist auch eine eher unschöne Situation. Der Mensch wird also zum Objekt, verliert dadurch so ziemlich alles. Hin zu kommt, das der junge Mensch sich äußert und seine persönlichen Bedürfnisse kundtut. Diese werden übergangen und beim jungen Menschen kommt an, es ist egal was du möchtest, ich mach was mir passt. Jeder der das so liest, möchte sicher nicht tauschen. Wer möchte schon gerne ein Übergabeobjekt sein. Doch es kommt noch mehr oben drauf. Die Person, der ich am meisten vertraue  (meistens bringen sehr vertraute Personen die jungen Menschen in den Kindergarten) nimmt mich nicht ernst. In einem Moment, in dem es mir wirklich nicht gut geht. Kann ich so einer Person weiterhin vertrauen? Puh. Alles in allem eine schwierige Situation. Und ein Vorschlag, der meiner Meinung nach, nicht wirklich hilft, auch wenn er häufig praktiziert wird. 

Wie es weiter geht? Mal sehen. Für mich ist klar, so das es für mich und vor allem für das Septembermädchen passt. 

3, 2, 1… Go!

  
Am Dienstag ist die größte Rakete gestartet. Die Falcon Heavy von Elon Musk. Nicht nur der Herzensmann verfolgt solche Ereignisse mit größtem Interesse, auch der Dezemberjunge ist ganz fasziniert. Allein der Start ist beeindruckend. Welche Kraft sich da entwickelt. Details werden wahr genommen. Die Halterung ist umgekippt, stellte der Dezemberjunge fest. Dann wird gefragt wie schnell und wie hoch die Rakete nun sei. Wann werden die jetzt abgeworfen?, ist die nächste Frage. Wann landen die wieder auf der Erde? Gemeint sind die beiden Boosterraketen. Fasziniert schaut er die Landung an. 

Gestern habe ich dann das Bild von der Rakete im Kinderzimmer entdeckt. Er hat es im Kinderhaus gemalt und seine Erlebnisse verarbeitet. Heute hat er dann nochmal auf einen kleinen Klebezettel eine Rakete gemalt. Diese hat auch eine in der Mitte und zwei Rechts und Links. Ein Auto hat er auch daneben gemalt. Mit Puppe natürlich. 

Von Trösten und Liebe

Unsere Kinder müssen nicht abgehärtet werden. Sie brauchen keine Sprüche zu hören bekommen á la das tut doch gar nicht weh, hab dich nicht so oder hör jetzt auf mit heulen. Auch ein „jetzt hast du genug geweint“ können wir stecken lassen. Woher sollen wir das wissen? Jeder Mensch hat für sich seine eigene Schmerzgrenze. Jeder Mensch weiß für sich ob es noch weh tut oder nicht. Jeder Mensch weiß nur für sich ob er noch wütend ist. Wir können es also nicht für Andere sagen. Nicht für ältere und nicht für jüngere Menschen. 

Aber wir können zu hören, warum geweint wird. Wir können zu hören, warum jemand wütend ist. Wir können respektieren wie sich jemand fühlt und ihm oder ihr sagen; es ist okay. Ja, es ist okay wütend, traurig oder sauer zu sein. Ja, wir dürfen merken, wenn jemand schlecht drauf ist. Ja, das ist oft anstrengend, aber ab und zu muss auch mal Regen fallen, sonst sehen wir die Sonne nicht. Ab und zu? Oder ganze Tage lang? So oft wie es gerade nötig ist. 

Dabei dürfen wir sie mit Liebe überschütten. Wir müssen uns nicht zurück halten, weil man das ja nicht macht oder so. Nein! Wir geben so viel Liebe in Form von Zuwendung, Hilfe, kuscheln, zuhören und was sonst noch gebraucht wird, wie wir können. Niemand kann zu viel Liebe haben. Ganz sicher bin ich mir darüber, dass unsere Welt viel mehr Liebe verträgt. Bei jungen Menschen fällt es uns leichter. Darum fangen wir dort an. 

An unserem Kühlschrank hängt ein Magnet mit dem Spruch:

Zuviel des Guten kann wundervoll sein.

Ich glaube auch. 
Auch mir rutschen immer wieder solche doofen Sätze raus. Deswegen schreibe ich mir das auch hier wieder auf. Meistens sind es Situationen in denen ich mir auch ein bisschen mehr Liebe von irgendwo her wünsche. Diese unerschöpfliche Quelle an Liebe ist in uns drin. Oft vergraben unter vielen Vorstellungen, Denkmustern und so altem Zeug, was wir so eingesammelt haben. Ausmisten tut gut, ist aber gar nicht so leicht. Denn immer dann, wenn ich denke nun bin ich da, findet sich noch mehr alter Kruscht.