Alltagskunst: Windelmauer

IMG_0554.JPGEine wackelige Mauer auf weichem Untergrund gebaut. Lange wird sie nicht halten. Nicht nur wegen des Baumaterials und des Untergrunds. Nein. Schwups ist schon der erste „Stein“ entwendet. Bald die ganze Mauer wieder aufgebraucht. Kurz die Freude der jungen Mutter über die vielen fertig gelegten Windeln. Doch sie wird wiederkommen. Wenn man sich die Zeit nimmt.

Was man nicht sieht: Hinter der Mauer schläft die kleine Miss.

Fast zwei Wochen

Fast zwei Wochen sind es nun schon. Fast zwei Wochen zu viert. Inzwischen haben wir uns gut aneinander gewöhnt. Wissen wann welche Bedürfnisse erfüllt werden wollen. Können sie mehr und mehr in unseren Tagesablauf integrieren und alles wieder auf einander abstimmen. Es ist gut, dass wir noch fast zwei Wochen zu viert haben. So können wir uns noch besser aneinander gewöhnen bis der neue Alltag bestritten werden möchte. Mit kleinen und großen Prüfungen, angekündigten und überraschenden.

Jetzt genießen wir die Zeit. Erfreuen uns an dem was ist. Genießen nachmittägliche Ausflüge in unseren und Nachbars Garten. IMG_0030.JPG

2 Wochen – 4 Fotos

Gewappnet für den nächsten großen Regen:IMG_0512.JPG

Ein fleißiger Bauarbeiter auf dem Spielplatz:IMG_0530.JPG

Mamas Schuhe brauchen dringend eine Ordnung. Im Schuhschrank sind sie nicht gut sortiert. Alle werden ordentlich davor gestellt. Besser!IMG_0539.JPG

Einkaufen kann man nun auch schon bald alleine. Zumindest den Wagen schiebt man schon fleißig durch den Laden. Das Prinzip hat man auch schon verstanden. Es wandert so ziemlich alles in den Korb. IMG_0029.JPG

Zerreißen und teilen

Irgendwie passt es zusammen: zerreißen und teilen. Denn erst wenn etwas getrennt ist kann man es mit anderen teilen. Doch ich merke schnell, dass es Dinge gibt, die man nicht zerreißen kann und trotzdem teilen möchte. Irgendwie. Zu diesen Dingen zähle auch ich. Ich kann mich nicht zerreißen. Aber oft genug fühlt man sich zerrissen oder hin und her gerissen. So geht es mir gerade. Springt der kleine Mann hier durch die Wohnung und den Garten möchte ich dabei sein. Möchte mit ihm Zeit verbringen und an seinen Erlebnissen teilhaben. Gleichzeitig sehe ich unser Mädchen neben mir liegen, halte sie im Arm und mag mich kaum von ihr trennen.

Zerrissen. Innerlich.

Es macht es nicht leichter, das der kleine Mann nun anfängt aus zu testen. Nun hat auch er wirklich realisiert, dass es jetzt für immer anders ist. Die Anfangsaufregung ist etwas verflogen und so langsam beginnt er sich wieder zu finden. Die neue Situation muss ausgetestet werden, um dann irgendwann seinen Platz ein zunehmen. Angekommen. Bis dahin ist noch ein Weg zu gehen. Im Moment merke ich, dass er mich vermisst obwohl ich doch da bin. Er es -natürlich- nicht versteht warum ich immer -zumindest fast immer- mit dem „Bebi“ auf dem Arm im Bett bin und für ihn scheinbar kein Platz mehr ist. Es macht mich traurig.

Zerrissen. Doch mich kann man so nicht teilen.

Es gibt nur eins was helfen kann. Zeit mit beiden gemeinsam und alleine verbringen. Besonders alleine. So hat dann auch der kleine Mann mich wieder ganz für sich. Wenigstens für eine bestimmte Zeit am Tag. Dann können nur wir beide lesen, spielen, puzzeln, malen. Was auch immer. Und auch das zu Bett gehen wird seine Zeit bleiben. Ein Tagesabschluss ohne das Septembermädchen. Vorerst zumindest. Wie es dann wird, wenn der Herzensmann wieder arbeiten geht, werden wir sehen. Bis dahin ist noch etwas Zeit. Zeit die wir so nutzen, um unsere Plätze zu finden, in unser größeren Familie. Dann kann auch ich die Zeit alleine mit dem Septembermädchen beim Stillen usw. besser genießen und ganz für sie da sein. Muss mich nicht mehr zerreißen. Aber ich kann mich teilen. Vielleicht eher aufteilen. Doch zumindest kann ich für jeden ganz da sein, zu seiner Zeit.

ja für solche Gedanken ist es am fünften Tag zu viert vielleicht etwas früh, aber wenn ich mich unwohl fühle, merke so passt es für mich nicht muss eine Lösung her. Egal ob am fünften Tag oder erst in zwei Jahren. In diesem Fall lieber eher als zu spät. Ob es so funktioniert wie gedacht werden wir sehen

Kommunikationsblüten: aus dem Wortschatz

Der kleine Mann ist 20 Monate alt. Er redet die ganze Zeit und bildet auch lustige zwei und drei Wortsätze. Hier ein Auszug:

Aus der Küche:
Boffel – Kartoffel
Tini – Zucchini
Mate – Tomate
Gogelee – Joghurt
Budda – Butter
Rabi – Kohlrabi
Gagau – Kakao

Sätze:
„Papa Auto Abeid“

„Mama essn“ sagte er zu Papa als ich ihn drum bat den Herzensmann zum Essen zu holen

Es wird auch immer erzählt, was gegessen wurde, z. B. „Mama Boffel“ dabei wird auf den Mund gezeigt, denn da ist sie rein gegangen

„Papa Mama auch“ – in diesem Fall hieß es „Papa gib der Mama den Quark sie braucht auch noch welchen.“

Sonstiges:
Neulich kam er mit irgendwas zu mir und meinte „elfen“ – ich sollte ihm helfen

Nau – Genau

Mehr – heißt hier nicht nur mehr oder nochmal, sondern wird immer auch für die Mehrzahl verwendet. Z. B. „Dadoda, mehr“ – ein Traktor und noch ein Traktor

Bommel – Trommel

Biene – alles was fliegt und die Form einer Biene hat also auch Fliegen etc.

Und so viele mehr. Jeden Tag hört man neue Wörter und Kombinationen und man kommt aus dem Staunen kaum raus. Jeden Tag werden neue Zusammenhänge richtig wieder gegeben und erkannt. Es ist einfach toll.

Und plötzlich ein ganzes Stück größer

Nicht mal über Nacht ist er gewachsen. Nein, innerhalb weniger Minuten nach dem Abendessen. Da hatte ich es endgültig satt. Wieder einmal wuselten seine vom Abendbrot klebrig dreckigen Finger durch seine Haare in denen sich schon andere Essenreste befanden. Schon eine Weile hatte ich das Gefühl, das es so langsam an der Zeit ist. Doch irgendwie konnte, wollte, traute ich mich noch nicht. Denn einmal angefangen gibt es kein Zurück und halbwegs ordentlich sollte es möglichst auch aussehen. Aber zum Friseur mit dem kleinen Mann wollte ich dann auch nicht. Ich geh ja selber auch nicht hin. Und so griff ich dann gestern Abend kurz entschlossen zur Schere. Mit einem Findus und Pettersson Video wurde der kleine Mann ruhig gestellt. Das funktionierte ausgezeichnet. So ruhig wird der Kopf sonst nie gehalten. Und schon fielen die ersten Strähnen. Ganz schön viel kam da runter und ein anderes Kind zum Vorschein. Erstmal mussten wir uns alle dran gewöhnen. An diesen kleinen frechen Lausejungen der da plötzlich vor uns saß. Und auch dem kleinen Mann merkte man an, dass es sich anders anfühlt am Kopf, irgendwie. Beim Abtrocknen nach dem Baden schaute er etwas verdutzt in den Spiegel. Da schaut doch jemand anderes zurück.

Mich überkam dann auch noch ein bisschen Wehmut. Als ich kurz vorm Einschlafen so im Bett lag wusste ich plötzlich, warum ich so lang gezögert hatte. Nun ist er wirklich kein Baby mehr. Das war er schon eine Weile nicht mehr, aber die Haare, bis auf den Pony noch nie geschnitten, waren eine Art Verbindung. Eine Verbindung zu einer ganz besonderen Zeit. Diese wohnt in meinem Herzen. Nun stehe ich staunend neben meinem großen kleinen Mann und kann mich nur wundern über die Zeit und die Natur, die so einen großen Jungen aus dem Baby gemacht hat. Als heut morgen ein kleiner Lausejunge zu uns ins Bett geklettert kam wusste ich, dass es richtig war. Das es eben jetzt an der Zeit war. Nicht eher und nicht später. Es fühlte sich mal wieder richtig an und sieht auch richtig aus.