Unterwegs zwischen Heimat und Zuhause

Wir sind zum Kaffee mit unserem Makler auf unserem Lebensort verabredet. Er hatte uns bei der Übergabe im Herbst einen Feigenbaum versprochen. Nun ist es soweit und wir bekommen einen wunderschönen Feigenbaum geschenkt. Nebenbei plaudern wir über dies und das. Er schaut sich interessiert um, was sich so alles getan hat. Der Garten interessiert ihn auch, werkelt er doch selber gern in seinem Garten und probiert dieses und jenes aus. Ja, wir verstehen uns gut mit „unserem“ Makler. Das Wetter ist allerdings nicht ganz so gemütlich und so verabschieden wir uns wieder. Mit dem Septembermädchen machen wir einen kurzen Spaziergang zum Tümpel. Dann ist es schon Zeit den Dezemberjungen beim Klassenkameraden abzuholen. Ich habe wenig Lust auf Auto fahren und müde erschöpfte Kinder. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich noch genügend Zeit habe um nach Hause zu wandern. Pünktlich zum Abendbrot sollte ich wieder da sein. Perfekt. Und so mach ich mich auf den Weg. Der Herzensmann braust mit dem Septembermädchen im Auto davon.

Zwischen Lebensort und aktuellem Zuhause liegen 10 km. Eine Strecke die der Herzensmann schon öfter gelaufen ist, also schnell, so jogging laufen. Kein wandern laufen oder gar spazieren gehen laufen. Laufen und Laufen ist ja nicht dasselbe. Nun ja, ich wandere heute. Die Wegführung auf dem Handy dabei. Denn im Wald gibt es verschiedene Wege und es wäre nicht das erste Mal, das ich mich dort verlaufe. Da nimmt man einmal den falschen Abzweig. Das geht ganz schnell und einfach, denn der Wald ist mit Hügeln und Tälern durchzogen. Da geht kein Weg in die Richtung in die man denken könnte. Und so werfe ich regelmäßig einen Blick auf meine Karte.

Immer wieder macht der Weg Biegungen und Wendungen und so sehe ich immer wieder neue Blicke auf unserem Lebensort unten am Fuße der Burg. Es macht mich glücklich hier Leben zu dürfen. Ein Geschenk. Der Weg führt am Waldrand entlang und durch den Wald. Dann komme ich wieder aus dem Wald heraus und bin mitten in den Weinbergen des Nachbardorfs. Was für ein Blick. Ich kann das ganze Tal überblicken und weiter bis nach Stuttgart zur Messe. Auch der Fernsehturm ist zu sehen. Ich stehe und staune. Doch nicht nur der Blick lässt mich staunen. Auch die kleinen historischen Schätze und liebevoll gepflegten „Stückle“, wie man hier sagt, zeigen die Liebe der Menschen zu ihrer Heimat. Kleine restaurierte Weinbergshütten, überdachte Pressen mitten auf der Wiese zeugen von der Arbeit und dem Alltag der vergangen Generationen. Aber auch der Verbundenheit der Menschen mit der örtlichen Landschaft und Natur. Diese Verbundenheit bzw die Bestimmung des Alltags durch die Natur spüre ich auch, wenn wir Kirschen pflücken, der Zaun bei den Schafen abgebaut werden muss oder andere Aufgaben da sind, die jetzt gemacht werden müssen. Es fühlt sich anders an, als die Wäscheberge die warten oder eine EMail die geschrieben werden muss.

Dann tauche ich wieder ein in den Wald und komme auf vertrautere Wege. Hier bin ich schon öfter unterwegs gewesen, mit Kind oder Hund oder Pferd, je nach dem. Und das Gefühl verändert sich auch. Hier bin ich zu Hause. Doch es fühlt sich anders an. Es gibt eben doch einen Unterschied zwischen Zuhause und Heimat.

Der Schwäbische Alb Nordrandweg – die Idee

Vor bald vier Jahren am 30. Juni sind der Herzensmann und ich zu einem Ausflug aufgebrochen. Der Dezemberjunge war natürlich in der Trage dabei. Wir wollten wieder ein bisschen mehr von unserer Heimat kennen lernen. So fuhren wir 15 Minuten mit dem Auto bis zum Parkplatz unterhalb der Teck. Von dort ging es über den Rauber zum Breitenstein.  

  

Blick vom Breitenstein


Zufällig bleibt mein Blick an irgendeiner Wandermarkierung hängen und ich lese „Albrandweg 365 km“. Diese Zahl bleibt in meinem Kopf hängen. Jeden Tag ein Kilometer. Warum nicht? 
Seit dem ist diese Idee in den Hintergrund gerutscht. Wir sind viel auf der Alb unterwegs gewesen und haben inzwischen schon den ein oder anderen Streckenabschnitt erwandert. Teilweise auch mehrfach. Aber ich frage mich immernoch: schafft man den Weg in einem Jahr? Mit zwei Kindern. Und nur an Wochenenden. Stück für Stück. Anfang des Jahres bekam ich durch die wunderbare Idee von Miriam von Emil & Ida eine 8 monatige Reise durch Deutschland zu machen neue Motivation. Den auch ich finde, dass es gar nicht immer so weit weg sein muss. In Deutschland kann man viel erleben und sehr viele Dinge entdecken, die wir uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen können, dass es sie in Deutschland gibt. Wie schön es ist langsam durch Deutschland zu reisen haben wir nicht erst auf unserer Radreise gemerkt. Und so habe ich beschlossen, dieses Projekt in diesem Jahr anzugehen. 365 Kilometer – das sollte doch zu schaffen sein, oder? 

Ich bin mir nicht ganz sicher. Bis jetzt ist kein einziger gelaufen. Aber ich bin schon sehr gespannt welche tollen Blicke und Ecken wir entdecken werden. Auf jeden Fall werden wir viele Burgen passieren, durch Wälder wandern und über Wiesen schlendern. Wie es uns dann wirklich ergeht, könnt Ihr natürlich hier lesen. 

Wer mehr über den Weg erfahren will kann auf der Seite des Schwäbischen Albvereins oder bei Wanderbares Deutschland mehr Informationen erhalten. 

Besuch bei Himpelchen und Pimpelchen

Himpelchen und Pimpelchen kennt wahrscheinlich jeder. Der Heinzelmann und der Zwerg, die nach über einem Jahr (75 Wochen!!!) auf dem Berg sitzen und Zipfelmütze wackeln, doch lieber eine Hölle gebuddelt haben und dort nun schlafen. Ein bisschen verrückt klingt das schon. Noch verrückter ist, dass bei uns in der Nähe der Himpelchen-Pimpelchen-Berg ist. Und so haben wir beschlossen, die beiden mal zu besuchen. 

Am Samstagnachmittag bei schönstem Herbstwetter ging es los. Eine kurze Anfahrt mit dem Auto auf ein Parkplatz unterhalb des Berges. Als wir ankamen und voller Elan los laufen wollten, sah es erstmal so aus: 

 Dank tagtäglicher Mittagsschlafverweigerung des kleinen Mannes sammelt sich ein dezentes Schlafdefizit an, welches bestens im Auto aufgefüllt werden kann. Nach kurzer Standzeit wachten beide auf und es konnte los gehen. Das Septembermädchen kam in die Rückentrage, der kleine Mann an die Hand und los. Vorbei an strahlenden Herbstbäumen.  

 Entdeckten wir nach ein paar Metern ein paar Bienenkisten. Dort wurde erstmal geschaut, ob die Bienen schon schlafen. Doch es war noch ein bisschen was los.  

 Als wir weiter gingen kam langsam der Berg hinter den Obstbäumen hervor. Inzwischen durfte der kleine Mann den Anstieg auf Papas Schultern bestreiten. Denn irgendwie war es schon reichlich spät geworden und wir wollten ja noch mit Sonne den Berg hinauf.  

 Der Asphaltweg endete bald und weiter ging es erst auf Schotter, dann auf Wiesenwegen. Zum Schluss nur noch ein Trampelpfad. Oben angekommen erwartete uns eine schöne Aussicht und die Abendsonne, die langsam hinter der Burg Teck verschwand.  

    
Nachdem wir unsere Äpfel alle aufgegessen hatten und die Sonne sich versteckte, stiegen wir schnell hinab. Ohne Sonne war es eisig kalt dort oben. Die Kinder packten wir in die Tragen, dann ging es wieder abwärts. 

 Von Himpelchen und Pimpelchen war keine Spur. Wobei, eine Feuerstelle gab es und diverse Höhleneingänge auch. Wer weiß? 

Wer auch einmal Himpelchen und Pimpelchen suchen möchte. Der Berg heißt natürlich nicht Himpelchen-Pimpelchen-Berg, sondern ist die Limburg auf einem ehemaligen Vulkanschlot. 

Glückliche Sonntagsmomente

*Es hupt und zischt und pfeift. Schwarz steigt der Ruß und Dampf auf. Langsam rollt sie auf uns zu. Voller Staunen ist der kleine Mann. Sicher auf Papas Arm. Neugierig und überwältigt, ängstlich und doch voller Freude. Seine eigene Emma musste natürlich mit. Die kleine Lok soll die große Emma kennen lernen. Er fragt nach Jim. Lukas haben wir schnell entdeckt. Ein Glück, auch Jim ist in der Lok. Dann geht es los. Gebannt schaut er aus dem Fenster. Sieht den Rauch und Dampf. Nochmal fahren. Immer nochmal.  

     

*Gestern waren wir schon einmal da. Haben Kirschen gepflückt gemeinsam mit zwei anderen Familien. Heute ist alles ruhig. Wir wissen, dass wir hier sein dürfen. Der kleine Mann erkennt die Rutsche. Wir machen eine Mittagspause. Essen Kirschen, Wurst und Brötchen. Genießen die besondere Aussicht auf die Alb. Unten durchs Tal dampft die Lok. Aufregung und Traurigkeit. Doch wir fahren nochmal. Können wir beruhigen. Emma hat uns nicht vergessen. Noch ein Stückchen laufen bis zur nächsten Station.  

   *Auch zurück ist es aufregend. Im Bahnhof wir hin und her rangiert. Wir finden Platz im Wagon direkt hinter der Lok. Müde sind wir nun. Laut ist es auch. Zischen und Pfeiffen. Dann rollt es und wird leiser. Bergab nach Hause. An der nächsten Station eine Überraschung. Nachbarn steigen zu. Die Tochter ist ein gern gesehener Gast und Spielkamerad für den kleinen Mann. Im Bahnhof mag der kleine Mann sich von der Lok kaum trennen. Wir warten bis sie rangiert hat. Dann dürfen die Männer noch zu Lukas und Jim in die Lok. Selbst der Ofen wird kurz auf gemacht. Dann dauert es nicht mehr lange. Noch einmal nach legen und schon geht’s los. Das Septembermädchen ist inzwischen eingeschlafen.  

 *Zu Hause gibt es Eierkuchen. Der kleine Mann hilft mit. Teig rühren und beobachten wie alles geht. Irgendwann lässt er mich allein weiter backen. Will lieber raus in den Garten. Dort passieren die nächsten spannenden Sachen. Der Lieblingsnachbar bringt eine Überraschung. Doch bevor dort weiter gebastelt wird, gibt es Eierkuchen mit Marmelade.  

 *Gestern wurden Kirschen geerntet. Nun heißt es verarbeiten. Mit dem Dampfentsafter mache ich das erste Mal Saft. Bald duftet es nach Kirschen in der Wohnung. Vier Liter sind es jetzt. Dunkelrot und süß.  

 

*Während dessen wird im Garten ein Spielhaus gebastelt. Ein großer Karton auf einer Palette. Mit einer Plane wetterfest gemacht. Tür und Fenster hinein geschnitten. Selig. Die Kinder. Schon lange habe ich mir vorgenommen eins zu bauen. Aus alten Paletten war der Plan. Nun wird der Karton erst einmal kaputt gespielt.