Rum und num

Nun war es heute so weit. In den letzten Tagen hat er es immer wieder versucht. Bis heute erfolglos. Der kleine Mann hat sich gedreht. Vom Bauch auf den Rücken. Wieder zurück und noch einmal. Nun geht es los, mit der Mobilität. Bald wird nichts mehr vor ihm sicher sein.
Die vergangene Woche brauchte er sehr viel Nähe. Wollte viel trinken und nuckeln. Ist tagsüber nur beim Stillen eingeschlafen und konnte unter keinen Umständen weggelegt werden. Ich habe richtig gemerkt, wie irgendwas in ihm wieder arbeitete. Aber ich hatte dann doch nicht mit einer so schnellen Wende gerechnet. Irgendwie immer darauf gewartet und doch überrascht, als es heute soweit war. Die Frühlingssonne, das neu erwachende Leben überall, hat ihm den letzten Schubser gegeben.

Was mich beschäftigt: mein Körper

In den letzten Tagen denke ich immer wieder über meinen Körper nach. Meinen neuen Körper einer Mutter. Deutlich sind die Zeichen der ersten Schwangerschaft zu sehen. Auf dem Bauch. Sie Stören mich nicht, die Kinderzeichnungen. Warum also drüber nachdenken? Vielleicht weil jetzt der Sommer kommt? Badesaison? Bikinizeit? Oder weil wir am Wochenende Besuch hatten, von einer lieben Freundin, die auch ein Kind erwartet. Das Danach auch ein Thema war? Ich weiß es nicht. Die Gedanken Kreisen immer wieder um den Körper. Wie er sich verändert hat. Vor allem aber, wie ich es finde.

Er ist nicht mehr straff. Wird es auch nie wieder sein. Der Bauch. Zu viel Haut. Der Bauchnabel ist größer, weicher irgendwie. Die Schwangerschaftsstreifen schrumpeln ein bisschen zusammen. Sichtbar. Leicht silbrig. Die Bauchmuskeln sind noch nicht ganz geschlossen. Es fehlt noch ein kleiner Spalt. Eine Raute. Wie die Fontanelle meines Sohnes. Etwas größer noch. Ein kleines Bäuchlein ist nun da. Mit all der Haut. Fühlt sich an, wie ein Hefeteig. Ein guter Hefeteig. Schön aufgegangen. So wie es gewünscht wird. Ganz weich. Luftig. Nicht nur der Bauch ist anders. Neu. Auch die Brüste. Größer. Voller. Schwer mit Milch. Mal prall und schmerzend. Mal weich und leer. Abhängig von Tageszeit und Hunger. Die Arme sind wieder stramm. Kräftig. Ab und an auch Muskelkater. Nicht nur in den Armen. Im Rücken. Vom Tragen, Halten, Kuscheln. Die Schultern manchmal schwer. Die Last der Verantwortung drückt. Die Füße schmerzen am Abend. Das Gewicht, das diese tragen, größer.

Veränderungen. Ich finde sie schön. Auch meinen neuen Körper. Schön. Richtig. Wie er sein soll. Fühle mich wohl. Und bin stolz. Unendlich stolz auf ihn. Was er vollbracht hat und immer noch vollbringt. Ein Wunder. Das größte Wunder des Lebens. Neues Leben gedeihen lassen. Weiter wachsen und ernähren. Unwichtig sind irgendwelche Schönheitsideale. Völliger Quatsch in meinen Augen. Eine Mutter ist schön. Sie hat es vollbracht, ein neues Menschlein zu gebären. Ein Kind, Geschenk des Lebens. Darauf kann jede Mutter stolz sein. So auch auf ihren Körper. Egal, ob dieser nun ein paar Kilo mehr auf die Waage bringt. Egal, wie straff oder weich der Bauch nun ist. Egal, wo Schwangerschaftsstreifen sind. Ich bin stolz. Fühle mich schön. Kann so auch Bikinis tragen. Verberge ihn nicht. Stelle ihn nicht zur Schau. Bin so wie immer. Und freue mich auf die schöne Zeit mit meinem Sohn.

berührt: Kindergespräch

“Hannes, guck mal!”
“Ja, was?”
“Guck mal, wie ein Rucksack vorne!”
“Ja da ist ein Baby drin. Die müssen das, wenn sie noch nicht laufen können.”

Situation: ich bin mit dem kleinen Mann spazieren. Bei der schönen Frühlingssonne spielen auch überall Kinder. Von allen werde ich mit einer Mischung aus Faszination und freudiger Begeisterung angesehen, wenn sie entdecken, dass ich den kleinen Mann in der Manduca vor mir her trage. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich die leuchtenden Kinderaugen sehe.

berührt: tiriliereliere

Singen? Ja, Singen! Musik! Tut so gut. In allen Lebenslagen. Es ist befreiend. Entspannt in angespannten, verfahrenen Situationen. Macht gute Laune. Musik bietet so vieles. Für jeden Moment gibt es die richtigen Lieder. Man kann sich gehen lassen. In melancholischen Liedern, seine Unlust richtig genießen. Freudig durch die Gegend tanzen, mit einem quietschenden Baby auf dem Arm. Sich entspannt zurück lehnen und den Klängen lauschen, den Melodien. Wie sie sich hin ziehen und entspinnen. Die Bilder dazu im Kopf arbeiten Lassen. Träumen. Wütend stampfen. Frust abbauen. Mit harten Rhythmen, lautem Getöse. Auch das ist möglich und noch viel mehr. Befreien durch zuhören das Eine. Befreien durch selber machen das Andere. Für mich viel Schönere. Ob einfache selbst gesponnene Melodien summen, ein Instrument zum Klingen bringen oder höchst Anspruchsvolle Chormusik singen. Egal und doch ganz unterschiedlich in seiner Wirkung auf mich.
Summend und singend gehe ich jeden Tag durchs Leben. Es ist meine Motivation. Wenn ich schlecht drauf bin. Est mal kurz suhlen in traurigen, lustlosen Melodien. Die sich dann aufschwingen, zu fröhlichen, Mut machenden Weisen. Mich so befreien aus meinem Loch. Es hilft mir, wenn ich keine Lust habe. Das Baby quengelig und mal wieder alles Sch***e ist. Nicht nur Hilfe, sondern auch Ausdruck meiner Befindlichkeit. Geht es mir gut, wird geträllert und tiriliert.
Hilft das Summen und allein singen nicht mehr. Braucht es eine größere Ausdrucksform. Her mit dem Instrument. Her mit lauteren, kraftvolleren Tönen. Auch mal quietschen und quatschen. Schief und krumm darf es klingen. Je nach Lust und Laune. Auch hier kann ich mich wunderbar abreagieren. Angestaute Energien raus in die Musik entlassen. Kraftvoll umsetzen, alles geben.
Die beste Wirkung auf mich, meinen Körper und Geist/Seele hat gemeinsames musizieren. In größeren Gruppen. Chor oder Orchester muss es schon sein. Anspruchsvoll auch. Da kann ich mich verlieren. In den Tönen, dem Klang, der Gemeinschaft. Egal was vorher war. Wie anstrengend der Tag. Ob ich müde und kaputt bin. Im Chor singen, bringt mich wieder zum Leben. Ich kann mich fallen lassen. Alles vergessen. Einfach nur Sein. Kraft tanken. Die Musik mich berühren lassen. Tief innen im Herzen.

Windelfrei!

Seit ein paar Tagen ist es nun so weit. Tagsüber ist der kleine Mann Windelfrei! Ich habe mich getraut. Mit dieser Hose fast kein Problem. Nur wenn wir spazieren gehen mache ich ihm zur Sicherheit noch eine Windel um. Noch ist es zu kalt, um ihn draußen ab zuhalten. Doch bald kommt der Frühling und es wird wärmer. Dann kann ich auch die weglassen.

Jetzt geht alles wunderbar schnell. Pannen gab es noch keine. Aus dem einfachen Grund: ich halte ihn ab, wenn ich denke er muss. Überlege nicht lange rum. Scheue die Arbeit nicht mehr ihn aus und ein zu packen. Denn es ist keine! Knöpfe auf. Abhalten. Knöpfe wieder zu. Fertig! Wenn er dann doch nicht Musste, kein Problem. Weiter spielen. Welt entdecken. Kein langes Windel aus, Windel wieder an. Oder doch noch etwas warten? Er könnte ja dann eventuell in den nächsten fünf Minuten. Also noch warten. Nach einer Weile und erneutem “Falsch” abhalten: Anziehen, wieder gemütlich machen. Kurze Zeit danach war a) die Windel nass oder b) er musste und ich bin mit ihm wieder los getigert. So lief es vorher oft ab. Das war mir manchmal auch zuviel und ich lies ihn in die Windel pullern. Vor allem wenn ich irgendwas machen wollte. Einfache und simple Dinge wie Mittagessen vorbereiten und essen.

Der kleine Mann freut sich über die neue Bewegungsfreiheit. Nun wurschtelt er auch auf seiner Spieldecke im Wohnzimmer gemütlich vor sich hin. Das hat er so ausgiebig und mit Freude bis jetzt nur auf dem Wickeltisch gemacht. Fröhliche Quietscher stößt er dabei aus. Plaudert vor sich hin. Erzählt lange Geschichten. Ganz zufrieden mit sich und seiner kleinen Welt, die immer größer wird

der kleine Mann auf dem "Klo"Der kleine Mann auf dem “Klo”

“Geborgene Babys”

Vom Urlaub glücklich wieder zu Hause. Eine Woche unterwegs und der Briefkasten quillt fast über. Unter einem Stapel Zeitungen, Briefen und natürlich Werbung, fand ich ein kleines Päckchen mit einem Buch drin. Als Leseratte bin ich immer wieder für neue Bücher zu haben. Dieses hat mich so begeistert, dass ich es direkt durchforstet habe. Konnte es nicht weglegen. Weil es mich so angesprochen hat, möchte ich es mit euch teilen. Hier eine kurze Vorstellung:

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In “geborgene Babys” schreibt Julia Dibbern über die Bedürfnisse eines Babys und wie sie ihrer Meinung nach am Besten befriedigt werden. Es ist ganz objektiv, überhaupt nicht wissenschaftlich und extrem. Extrem in jeder Hinsicht. Weg von der aktuellen Gesellschaftlichen Meinung, wie Babys groß gezogen werden sollen. Hin zur Natur, wie es gewesen sein könnte.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist mit “die Würde des Babys ist unantastbar” überschrieben. Hier geht es um Bonding, Vertrauen in sich und das Kind und um viele Fehlvorstellungen. Wie das Verwöhnen von Babys, das Babys von Natur aus quengelig sind und das so viel Nähe ganz schön viel Arbeit ist. Im zweiten Teil wird es konkret. Die Grundbedürfnisse, von der Schwangerschaft über Geburt bis zum Weinen, Schlafen, Stillen, Ausscheiden. Was Babys eben so machen.

Ganz am Anfang des Buches, im ersten Teil, beschreibt Julia Dibbern, wie sie diesen Weg gefunden hat. Was sie am Anfang dachte und wie es weiter gegangen ist. Sehr ehrlich schreibt sie über die gesellschaftliche ihre Meinung wie es mit Kindern zu sein hat. Mit Windeln, Kinderwagen, Kinderzimmer und Schlafprogramm. Bevor sie selber Mutter wurde. Wie sie durch ihren Sohn langsam Stück für Stück jede dieser Vorstellungen revidierte. Sich auf ihren Instinkt und die “Urmutter” in ihr besinnt und alles anders macht. Mit tragen, im elterlichen Bett schlafen lassen, Stillen so lange wie das Kind will und ohne Windeln.

Sie selber schreibt über ihr Buch: “Geborgene Babys war nie als objektives oder “wissenschaftliches” Buch konzipiert. Es ist keine sachliche Abhandlung und sollte auch nie eine sein. Ich glaube, dass man mit dem Intellekt so ziemlich alles beweisen kann, was man beweisen möchte. Mir ist es daher viel wichtiger, an die Urmutter in uns zu appellieren und wieder darauf hören zu lernen, was das Bauchgefühl als richtig erkennt.” 

“Bei allem was ich schreibe, liegt es mir fern, jemandem auf den Schlips treten oder aus irgendwelchen Gründen ein schlechtes Gewissen machen zu wollen. Dieses Buch soll niemanden diskreditieren, sondern leicht verständlich Ideen und Hintergrundinformationen geben. Ohne jeglichen Absolutheitsanspruch habe ich nur das aufgeschrieben, was ich selbst mir gewünscht hätte, vorher gewusst oder gespürt zu haben, damit es andere vielleicht nicht mehr so schwer haben, die Urmutter in sich unter dem vielen Zivilisationsmüll auszugraben.”

Für mich ist es genau das. Eine Unterstützung auf mein Bauchgefühl zu hören. Das zu tun was ich für richtig halte. Entgegen allen Meinungen von Experten, Nachbarn, Freunden und Fremden.

Wer noch mehr von und über Julia Dibbern erfahren möchte schaut einfach hier auf ihrer Internetseite rein.

Zeit nehmen

Eigentlich. Das ist gerade so ein Lieblingswort bei mir. Eigentlich wollte ich so. Eigentlich würde ich lieber dieses. Eigentlich war es so geplant. Eigentlich eben. Doch manchmal ist es ganz gut den Plan hinten anzustellen, über den Haufen zu werfen und was man sonst so mit einem Plan machen kann. Außer einhalten. Das nicht.
So ist es jetzt auch mit meinem Plan fürs Studium. Eigentlich (mal wieder) wollte ich nebenbei ein, zwei Vorlesungen mit nehmen und ein Projekt machen. Nicht ganz aussteigen und nicht volle Kanne. So ein bisschen Teilzeit-Studium. Mit der Hochschule kein Problem. War alles abgesprochen. Ist möglich. Wunderbar. So hab ich mir das vorgestellt. Bis – naja – vor einer Woche ungefähr. Da fing es an in meinem Kopf zu arbeiten. Ich hatte mir gerade den Plan zurecht gebastelt. Welche Vorlesungen ich besuchen könnte, wenn der Tagesablauf so bleibt beim kleinen Mann. Am Anfang sah alles ganz gut aus. Dann sah ich noch diese Vorlesung liegt gut und jene auch. Plötzlich war fast an jedem Tag irgendwie Eine drin. So war das auch nicht gewollt. Der Ehrgeiz ist da mal wieder mit mir durch gegangen. Aber ich hab es erst mal so stehen gelassen. Die erste Woche der Vorlesungen auf mich zukommen lassen. Mit diesem Plan.
Am Anfang der Woche ging es beim kleinen Mann dann wieder los. Er war unzufrieden. Wollte essen, essen, essen. Brauchte 100% meiner Aufmerksamkeit. In meinem Kopf wuchsen die Zweifel. Ist mein Plan überhaupt umzusetzen? Schaffe ich das alles? Möchte ich das? Möchte ich immer das Gefühl haben, bei allem was ich mache, nur zum Teil dabei zu sein. Mit dem Kopf immer bei den Dingen die noch zu tun sind. Nicht bei dem was ich im Moment mache. Wie wird sich das auf den kleinen Mann auswirken? Fragen über Fragen. Gedanken im Kopf gewälzt.
Der kleine Mann forderte mich mit jedem Tag mehr. So war der Entschluss eigentlich einfach. Nur im Kopf muss es auch ankommen. Ich muss dahinter stehen. Und dann war es so weit. Ich habe mich doch für ein Urlaubssemester entschlossen. Die Last, die mir nach dieser Entscheidung von den Schultern gefallen ist, war doch groß. Aber das merkt man erst hinter her. Wenn sie weg ist und man sich leichter fühlt. Der Antrag ist raus. Nun heißt es warten. Hoffen das der Prüfungsausschuss mir frei gibt.

3 – Monats – Geburtstag

Nun ist ein viertel Jahr rum. Der kleine Mann drei Monate alt. Die Entwicklung geht rasant von statten. Er wird immer wacher und aktiver. Dreht sich fleißig auf die Seite. Mal sehen wann er es ganz rum schafft. Die letzten Wochen ändert sich ständig irgendetwas. Wachstumsschub: die Woche ist total chaotisch. Dann wieder etwas normalisieren, nachdem der große Mann zwei Tage zu Hause war. Die Mama in der Hochschule. Jetzt sind wir wieder bei einem Wachstumsschub, oder was auch immer, angekommen. Essen, essen, essen ist die Devise. Kackern was das Zeug hält und zwischen durch rumningeln, wegen was auch immer. Doch zwischen durch strahlt er einen an. Dann ist auch alles vergessen. Fast.

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Wie groß und schwer er ist kann ich nicht wirklich sagen. Am 11. April ist U4, dann gibt es ein Update. Die Größe 68 passt sehr gut. Manche Jacken sind schon wieder zu klein. Er ist auf jeden Fall lang und schmal. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Geräusche macht er auch schon fleißig immer weiter. Jeden Tag entdeckt er Neue. Pups Geräusche sind grad seine Lieblingsäußerungen. In allen Varianten und am Besten mit viel Spucke dabei.
Geschlafen wird immer noch gut. In den letzten Tagen wurde die Nachtmahlzeit wieder entdeckt. Pünktlich um drei will mann noch mal was in den Bauch bekommen. Schläft aber zufrieden weiter. Tagsüber wird im Moment nur immer wieder kurz geschlafen. Wo ist dabei ziemlich egal. Mit Vorliebe für den Wickeltisch.

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Mit drei Monaten ist mann auch groß genug, um bald die erste große Reise zu unternehmen. Eine Woche Urlaub bei der Ur-Großmutti und den Großeltern. Ich freu mich schon drauf. Am Sonntag geht’s los. Bin schon gespannt, was der kleine Mann zu so einer langen Autofahrt sagt, wie er es findet wo anders zu schlafen.