An manchen Tagen ist man als Mutter einfach stolz. Besonders dann, wenn ein Entwicklungsschritt sich zeigt, der bei Gleichaltrigen schon lange vollbracht wurde. Auch wenn ich da sehr entspannt bin und beiden Kindern ihre Zeit gebe und lasse ist da Erleichterung da, wenn es soweit ist. Ich richte meinen Blick im Alltag auf das, was sie können, auf ihre Besonderheiten und das was sie zeigen. So sind wir alle entspannt. Nur manchmal schleicht sich da diese Stimme in meinem Kopf ein. Die Stimme, die sagt; „das Mädchen malt Kopffüssler schon so lange, der Dezemberjunge sollte das auch schon längst können“ oder „ich muss ihnen viel mehr Bastel- und Malangebote machen, sonst lernen die das nie“. Tatsächlich Male und Bastel ich nicht so gerne mit meinen Kindern. Ich mache das alleine auch nicht so oft. Dafür lese ich stundenlang Bücher vor, kitzeln wir uns durch oder singen und singen und singen oder sind draußen unterwegs bei Wind und Wetter. Und es zeigt sich immer wieder, dass das genau richtig ist. Kinder suchen sich das was sie brauchen. Bei uns gibt es Buntstifte, Papier und Scheren zur freien Verfügung. Also können unsere Kinder jeder Zeit auf diese Art kreativ werden. Und dann, wenn man es am wenigsten erwartet und eigentlich ganz was anderes im Kopf hat, präsentieren sie ihre neuen Errungenschaften. 

So war es heute. Eigentlich wollte ich schon weiter gehen. Wir waren in einem Laden. Ich habe das Packet abgegeben und die Kinder flitzten in die Spielecke. Neben Schaukelpferden, gibt es Bücher zum Anschauen und Malsachen. Ich bin bereits fertig und möchte eigentlich schon weiter gehen. Der Dezemberjunge möchte noch malen. Also gut. Und schwups malt der Dezemberjunge vor sich hin. Dann ruft er begeistert: „Ich hab ein Gesicht gemalt!“ Als ich auf sein Bild schaue sehe ich diesen kleinen Mensch. Kopf. Beine. Fuß. Und das herrlichste strahlende Lächeln. 

Danke, lieber Dezemberjunge! 

Draußen!

Irgendwann letzte Woche merkte ich, dass beim kleinen Mann wieder etwas anders ist. Er war etwas unruhiger. Quengelig. Für einen Außenstehenden kaum zu merken. Für mich doch deutlich. Ich wusste nicht was es war. Ob er wächst. Einen Entwicklungsschritt macht. Oder vielleicht sogar zahnt. Doch dass ist nun doch etwas früh. Finde ich. So machte ich es wie immer. Für ihn da sein und abwarten.

Ende der Woche merkte ich dann auch was der Grund war. Es fühlte sich nicht mehr so weich an. Etwas hart. Man konnte die Konturen erahnen. Es kam tatsächlich ein Zahn. Still und heimlich. Ohne großes Theater. Seit dem Wochenende ist er nun durch. Draußen. Sozusagen. Mein Sohn ist nun im Besitz einer Waffe. Klein. Spitz. Ziemlich fies.

Ich bin doch auch ein bisschen überrascht. Kein Geschrei. Kein Theater. Kein Fieber. Oder sonstige Probleme, die einem so rund ums Zahnen erzählt werden. Ganz einfach. Etwas Unruhe. Nichts aufregendes. Ich bin stolz auf den kleinen Mann. Tapferer kleiner Mensch.

Zu essen gibt es trotzdem „nur“ Muttermilch. Solange wie möglich. Ist schließlich das Beste. Wie ich finde.

Rum und num

Nun war es heute so weit. In den letzten Tagen hat er es immer wieder versucht. Bis heute erfolglos. Der kleine Mann hat sich gedreht. Vom Bauch auf den Rücken. Wieder zurück und noch einmal. Nun geht es los, mit der Mobilität. Bald wird nichts mehr vor ihm sicher sein.
Die vergangene Woche brauchte er sehr viel Nähe. Wollte viel trinken und nuckeln. Ist tagsüber nur beim Stillen eingeschlafen und konnte unter keinen Umständen weggelegt werden. Ich habe richtig gemerkt, wie irgendwas in ihm wieder arbeitete. Aber ich hatte dann doch nicht mit einer so schnellen Wende gerechnet. Irgendwie immer darauf gewartet und doch überrascht, als es heute soweit war. Die Frühlingssonne, das neu erwachende Leben überall, hat ihm den letzten Schubser gegeben.