Und plötzlich ein ganzes Stück größer

Nicht mal über Nacht ist er gewachsen. Nein, innerhalb weniger Minuten nach dem Abendessen. Da hatte ich es endgültig satt. Wieder einmal wuselten seine vom Abendbrot klebrig dreckigen Finger durch seine Haare in denen sich schon andere Essenreste befanden. Schon eine Weile hatte ich das Gefühl, das es so langsam an der Zeit ist. Doch irgendwie konnte, wollte, traute ich mich noch nicht. Denn einmal angefangen gibt es kein Zurück und halbwegs ordentlich sollte es möglichst auch aussehen. Aber zum Friseur mit dem kleinen Mann wollte ich dann auch nicht. Ich geh ja selber auch nicht hin. Und so griff ich dann gestern Abend kurz entschlossen zur Schere. Mit einem Findus und Pettersson Video wurde der kleine Mann ruhig gestellt. Das funktionierte ausgezeichnet. So ruhig wird der Kopf sonst nie gehalten. Und schon fielen die ersten Strähnen. Ganz schön viel kam da runter und ein anderes Kind zum Vorschein. Erstmal mussten wir uns alle dran gewöhnen. An diesen kleinen frechen Lausejungen der da plötzlich vor uns saß. Und auch dem kleinen Mann merkte man an, dass es sich anders anfühlt am Kopf, irgendwie. Beim Abtrocknen nach dem Baden schaute er etwas verdutzt in den Spiegel. Da schaut doch jemand anderes zurück.

Mich überkam dann auch noch ein bisschen Wehmut. Als ich kurz vorm Einschlafen so im Bett lag wusste ich plötzlich, warum ich so lang gezögert hatte. Nun ist er wirklich kein Baby mehr. Das war er schon eine Weile nicht mehr, aber die Haare, bis auf den Pony noch nie geschnitten, waren eine Art Verbindung. Eine Verbindung zu einer ganz besonderen Zeit. Diese wohnt in meinem Herzen. Nun stehe ich staunend neben meinem großen kleinen Mann und kann mich nur wundern über die Zeit und die Natur, die so einen großen Jungen aus dem Baby gemacht hat. Als heut morgen ein kleiner Lausejunge zu uns ins Bett geklettert kam wusste ich, dass es richtig war. Das es eben jetzt an der Zeit war. Nicht eher und nicht später. Es fühlte sich mal wieder richtig an und sieht auch richtig aus.

Wochenende: Kontraste

Strahlende Sonne – Grauer Regenhimmel, Unterwegs – zu Hause, Draußen – Drinnen, Menschen treffen – “alleine” zu dritt und noch viele mehr. Dieses Wochenende ist mal wieder genau richtig. Wie so viele, die wir als Familie genießen können. Einfach nur sein und erleben. Wenn keine Verpflichtungen, Vorbereitungen oder andere “Störfaktoren” anstehen und wir frei sind.

So konnten wir gemeinsam bei wunderschönsten Sommerwetter den Ausflug in den Zoo genießen. Einen ganzen Tag Tiere und Menschen gucken. Neue Freunde kennen lernen. Entdecken und staunen. Wir trafen uns mit einer amerikanischen Familie, die seit einer Woche in der Gegend wohnt. Die Mädels sind alle älter als der kleine Mann. Die Begeisterung war auf beiden Seiten schnell entfacht und es wurde gemeinsam gespielt, gegenseitig bewundert und geteilt, was zu teilen war. Es war toll zu sehen, wie egal Sprache ist. Das Kinder ihre ganz eigene Sprache und Verständigung haben.
Der kleine Mann war die ganze Zeit auf den Beinen und hatte keine Ruhe für ein kurzes Päuschen. Es gab zu viele spannende Dinge zu entdecken. So schliefen wir alle zeitig, erschöpft und lange.

Nach diesem aktiven Samstag genossen wir den Regensonntag. Mit gemütlichem Frühstück, spielen, basteln und werkeln. Der kleine Mann übte sich im Handwerken und half Schrauben mit dem Akkuschrauber fest zu drehen. Nach getaner Arbeit strahlte er nur so vor Stolz. Ich bereitete unterdessen noch ein paar Nähsachen vor. Die Gardine im Kinderzimmer soll ja auch endlich mal hängen. Da es regnete und regnete probierten wir gemeinsam ein tolles Spiel aus. Ich hatte es vor kurzem genau für so einen Moment gekauft. Der Kinderklassiker “Fische angeln”. Immer wieder wurden heute die Fische rein und raus geangelt. Der kleine Mann hatte sichtlich Freude an diesem Spiel. Zum wunderbaren Abschluss des Tages schaffte es die Sonne auch noch durch die Wolken. So dass wir uns noch draußen beim Pfützensuchen austoben konnten und zu unserer täglichen Frischluftdosis kamen.

Ich liebe solche entspannten Wochenenden. Sie zeigen mir wie richtig unsere kleine Familie ist. Im Alltag gibt es ja oft genug auch die anderen Momente. Die, wo alles zu viel und unschaffbar scheint.

Irgendwie richtig dieser Sommer

Ja, Sommer. Eigentlich. Mitte August sagt der Kalender. September oder gar Oktober das Gefühl und das Wetter draußen. Der Sommer nicht wirklich da. Naja seien wir mal ehrlich. Im Juni gab es heiße Tage. Wir haben geschwitzt. Wir haben im Garten mit Wasser gespielt. Wir haben die Wasserspielplätze der Stadt unsicher gemacht. Und ich habe an diesen Tagen das Schlimmste befürchtet. Für diesen Sommer. Mit wachsendem Bauch und einer Vorliebe für warme aber nicht heiße Tage. Mit einem kleinen aufgewecktem Jungen der beschäftigt werden möchte. Wenigstens mag er es auch nicht wenn es zu heiß ist.
Und dann kamen die Sommerferien und mit ihnen der Regen. Schade für alle Schulkinder, die sich auf einen schönen Sommer mit viel Freibad gefreut hatten. Gut für mich. Ich genieße gerade diesen Herbstsommer. Merke wie gut es mir tut den Herbst schon jetzt zu spüren. Besonders mit der Heimeligkeit die er mit sich bringt. Die passt so gut zu meinem Gefühl. Die Regentage verbringen wir gemütlich drinnen. Toben auch mal durch den Flur, spielen Versteck und Kugeln lachend über die Betten. Oder es werden Bücher angeschaut, gemalt und Musik gehört. Sobald es das Wetter zu lässt sind wir draußen. Im Garten oder auf dem Spielplatz, je nachdem wie die Lust und Laune ist. Der kleine Mann verlangt nun schon ein paar Tage seine Mütze bevor er rausgeht. Die Jacke sowieso. Oft findet sich um die Mittagszeit noch irgendeine Leckerei im Ofen. Apple Crumble, Apfeltaschen und Pflaumentarte waren es die letzten Tage. Der Garten spendiert die Hauptzutaten in Mengen. Wir kommen gar nicht hinterher mit Apfelmus essen, wie es gekocht werden könnte. Die Erntezeit ist in vollem Gange mit den Früchten des Herbstes. Und so langsam beginnt auch das Laub schon zufallen. Das erste Laub wurde schon zusammen gekehrt.
Ja ein Herbstsommer ist es dieses Jahr. Und so schade es für alle Ferienkinder ist. Ich bin froh und dankbar darüber. Genieße die Tage wie sie kommen und freue mich auf die Ernte die noch vor uns liegt. Denn jede Frucht ist irgendwann reif.

Ein erstes Mal: “envelope tees”

Vor einer Weile schon packte mich die Nählust. Ich kaufte mir ein wunderbares Nähbuch: “Growing up sew liberated” von Meg McElwee. Ich sah die tollen Projekte bei Frau Kirschkernzeit und war ganz hin gerissen. Ich wollte auch so tolle Kindersachen nähen.
Und dann stand das Buch bei mir. Ich blätterte und träumte. Zu mehr reichte es bis jetzt noch nicht. Ende letzter Woche schaffte ich es endlich den Geheimtipp in Sachen Stoff zu erkunden. Die Auswahl war gigantisch und fiel auf zwei gestreifte Stretchstoffe und einen Stoff mit Eulen drauf. Bei allen dreien hatte ich die Verwendung direkt im Kopf. Die fertigen Projekte sah ich schon vor mir. Und so entstand in den letzten Tagen das Erste dieser drei Projekte. Ein “envelope tees” für den kleinen Mann.

IMG_0494.JPGViele erste Male stecken in diesem kleinen Pulli. Das erste Mal mit Stretch nähen. Das erste Mal ein richtiges Kleidungsstück nähen. Mit Schnittmuster und allem drum und dran. Die erste Nähanleitung in Englisch. Vieles habe ich zum ersten Mal gemacht. Und bin stolz wie Bolle. Denn das Ganze passt auch noch. Wie angegossen, um genau zu sein. Schade, das der kleine Mann schon die größte Größe des Schnittmusters trägt. Vielleicht wächst er nicht so schnell, damit noch ein oder zwei “envelope tees” folgen können.

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Zwischen den Stühlen

Mal wieder bin ich hin und her gerissen zwischen meinen Gefühlen. Wie immer, eigentlich, wenn etwas Neues, Großes auf mich zukommt. Meist treten die negativen Erwartungen bzw. Gefühle dann gar nicht ein. Da sind sie trotzdem. Kreisen in meinem Kopf. Lassen mich nicht los. Bestimmen meine Gedanken. Auf der einen Seite kann ich es langsam nicht mehr erwarten. Bin neugierig wer da zu uns kommt. Wie es sein wird wieder ein Baby bei uns zu haben. Ich frage mich, wie es aussieht. Ob es auch so dunkle Haare haben wird wie der kleine Mann. Welcher Ausdruck in den Augen liegt beim ersten Blick. Welchen Charakter und welche Persönlichkeit es mit bringt und unsere Familie bereichert und erweitert. Und so langsam träume ich wieder von einem kugellosen Bauch. Auch wenn er nicht so unglaublich groß ist und ich öfter Sätze wie “Da ist er (der Bauch) aber noch klein” oder “Ach, so bald schon!” höre, freue ich mich darauf mich auch uneingeschränkt bewegen zu können, wieder eine größere Kleiderauswahl zuhaben (ja, irgendwann hängen auch mir die immer gleichen Outfits zum Hals raus). Und so kann ich es in manchen Momenten kaum noch erwarten, bis es endlich soweit ist.

Doch da sind auch die anderen Gedanken. Ich möchte am liebsten die Zeit anhalten. Gerade ist es so schön. Seit der Stress vorbei ist, haben wir uns wieder eingefunden in einen entspannten Alltag. Der kleine Mann sucht oft meine Nähe, möchte kuscheln und genießt es, wenn wir nachmittags gemeinsam spielen. Meist sitz ich nur daneben und bin einfach nur da und dabei, während er die Welt entdeckt. Wir sind ein gutes Team und ich kann es nicht einschätzen (wie auch), wie es ihn durcheinander würfelt, wenn plötzlich noch jemand dazu kommt. Es wird anders werden, nur wie? Wir reden oft darüber, dass in meinem Bauch ein Baby wächst. Er ist von Babies auch sehr fasziniert. Wenn wir unterwegs einem begegnen tut er seine Entdeckung laut kund. Auch auf Spielplätzen werden kleinere Kinder genau betrachtet. Die Tochter von einer Freundin ist nun gut ein Jahr. Wir treffen uns gerade häufiger und der kleine Mann stellt bewusst fest, dass nicht immer er der Kleinste ist. Denn das war er bei uns und auch bei der Tagesmutter bis jetzt immer. Neben der Faszination für Babies ist da auch die Faszination für den Bauch. Er möchte täglich mit ihm kuscheln und es gehört inzwischen zum festen Guten Morgen Ritual, dass er bei uns noch eine Weile kuschelt, dann schiebt er die Decke und den Schlafanzug weg und kuschelt mit dem “Gauch”. Ich denke, dass er sich auf die Art vorbereitet, eine Beziehung bildet. Er weiß noch am Ehesten von uns wie es da drin so ist. Doch wissen was auf ihn zukommt kann er nicht. Wie auch. So hoffe ich auf wenig Eifersucht und ähnliches. Hoffe, dass seine Beziehung zu meinem Bauch (die sehr liebevoll ist) ein Vorbote der Geschwisterbeziehung ist.
Und ich frage mich, wie es uns als Familie und Paar beeinflusst, mit noch einer Person mehr. Mit noch mehr Verantwortung die getragen werden muss. Mit noch mehr Bedürfnissen die gestillt werden wollen. Werden wir uns schnell in dieser neuen Konstellation zurecht finden und uns wohl fühlen. Oder wird es eine Weile dauern, bis wir alle angekommen sind und uns als Familie fühlen.

So fühle ich mal so und mal so. Bin mal etwas ängstlich und lasse mich von meinen Zweifeln belagern. Bin mal ganz ungeduldig vor lauter Neugierde. Es ist normal so. Und auch gut so. Die meiste Zeit genieße ich einfach die Momente, die ich jetzt mit dem kleinen Mann und die wir als Familie haben. Ändern kann ich nichts nur auf mich zu kommen lassen und annehmen wie es dann ist. Doch manchmal sitzt man zwischen den Stühlen und den Gefühlen.

“Auch ich!”

Der kleine Mann ist ein Schwätzer. Nicht im negativen Sinne. Nein. Es ist einfach unglaublich wieviel und was er alles schon sagen kann. Er erzählt die ganze Zeit, versteht alles und spricht regelmäßig neue Worte nach. Diese werden dann auch bald völlig richtig angewendet. So kann er auch schon sehr gut seinen eigenen Willen und seine Wünsche kund tun. Seit ein paar Tagen ist hier daher sehr oft “gagau” zu hören. Der kleine Mann ist auf den Geschmack von Kakao gekommen und möchte eigentlich nur noch Kakao. Seine erste Zwei-Wort-Kombination ist “Auch ich!” Was das bedeutet ist nicht schwer zu erraten. Sie ist besonders dann zu hören, wenn jemand etwas zu essen hat. Ansonsten reiht er gerne diverse Substantive aneinander und erzählt so was ihn beschäftigt. “Papa, Abeid, Auto” ist schon eine Weile ein gern gesagter “Satz”. Denn Papa fährt mit dem Auto auf Arbeit und immer wenn er Papa hört oder selber nach ihm fragt kommt dann von ihm diese Erkenntnis. So kommentiert er alles was er sieht und erlebt hat. Gestern erzählte er mir beim Abendbrot “Auto, Utsche” es stellte sich raus, dass er nicht nur am Nachmittag mit dem Auto gefahren war und rutschte, sondern das er mit dem Auto (BobbyCar) zur Rutsche auf unserer Wiese gefahren war. Wenn man ihn um etwas bittet irgendetwas zu tun macht er es sehr häufig. Oder rennt lachend weg. Heute Morgen nach e Frühstück machte er seinen Latz ab und schmiss ihn runter. Ich forderte ihn auf, den Latz auf zu heben und auf seinen Stuhl zu legen. Das passierte dann auch umgehend. Solche Momente sind toll und zaubern mir ein stolzes Lächeln aufs Gesicht.

Wunderbar ist auch seine Liebe für Musik. Wir haben ein kleines Liederbüchlein. Da weiß er inzwischen schon genau welche Lieder drin sind. Er sucht dann auch oft genau ein Lied raus und möchte dieses hören. Manchmal singt er dann auch mit. So kam neulich ein “Mod” über seine Lippen zwischen all den “aa” nachdem auch ich “Mond” gesungen hatte. Wenn wir das Gute-Naht-Lied anfangen zu Singen freut er sich immer ganz besonders. Und seit dem Wochenende hat er eine neue große Liebe. “Lalalala” heißt sie und wird regelmäßig eingefordert. Nun hören wir oft schon beim Frühstück Clueso mit “Lala” gerne auch “Chicago” was “Gago” heißt. Er macht auch selber Musik. Möchte Klavier spielen oder Xylophon und in jede Röhre wird hinein getutet. Die Trompete der Nachbarn findet er auch toll. Wenn er sie hört läuft er an den Zaun und zeigt hinüber kommentiert mit “Peta” oder mit tanzen. Es ist einfach herrlich ihn zu erleben und wir sind schon gespannt, was er sich später mal aussuchen wird für ein Instrument.

Die eigenen Grenzen testen

Ich möchte mich zurück ziehen in meine kleine Welt. Möchte mein Kind genießen, ganz für ihn da sein. Mit erleben was er erlebt. Ihm zeigen das ich da bin und Anteil habe an seinen Schritten in die Welt hinaus.
Ich möchte mich vorbereiten auf das neue kleine Wesen. Mich einstimmen, es willkommen heißen und die letzten Wochen ganz bewusst erleben.
Ich möchte den Garten genießen und nutzen. Er schenkt uns so viel. Möchte entspannt den Duft in mich einsaugen, wenn man unter dem Klarapfelbaum steht. Denn Duft von frisch gekochtem Apfelmus, der in der Wohnung hängt.

Doch ich kann es nicht. Nicht entspannt. Ich muss den Fokus weiter stellen. Muss Prioritäten anders verschieben. Mich immer weiter bewegen. Ich merke, dass es nicht gut ist den übernächsten Schritt vor dem Nächsten zu bedenken. Besonders wenn der Jetzige noch nicht fertig ist. Merke immer wieder das es so nichts werden kann. Trotzdem wird weiter gemacht, gehofft und gebangt. Der Kopf kann und will die Last nicht mehr tragen und setzt irgendwann aus. Durchatmen. Weitermachen. Die Hoffnung stirbt zu letzt. Vielleicht reicht es ja doch irgendwie.

Die Gewissheit, dass es nicht gereicht hat, tut gut. Nimmt die Last und den Druck. Auch wenn jetzt neue Fragen im Raum stehen. Doch die können noch nach hinten geschoben werden, haben jetzt keinen Platz und noch keine Zeit. Doch ich beginne an eigenen Plänen zu zweifeln, frage mich ob das so wirklich richtig ist. Es fühlt sich so an. Doch gleichzeitig auch irgendwie falsch. Und am Ende weiß ich, dass es nur besser wird, wenn es ganz abgeschlossen ist. Wenn alle Prüfungen, Arbeiten und Vorträge gehalten sind. Wenn das Abschlusszeugnis vor einem liegt. Wenn ich nicht mehr Studentin bin. Deswegen werden die Zähne zusammen gebissen. Der Kopf noch ein bisschen mehr trainiert. Die Grenzen des Möglichen immer und immer wieder getestet. Denn es fehlt nicht mehr viel. Und so vieles ist nun schon begonnen, dass ein Aufschub sich wirklich nicht gut anfühlt.

Wenn es soweit ist

Die Wochen kann man nun schon an zwei Händen abzählen. Schon fast Endspurt bis wir zu viert sein werden. Zumindest wenn man sich die gesamte Reise so vorstellt. Dann ist es nun schon eine der letzten Etappen. Noch sind es knapp zwei Wochen auf dieser Etappe. Dann sind die Prüfungen geschrieben. Eine Besprechung für die Bachelorarbeit ist dann schon gesprochen. Dann kann ich ganz in meinem, unseren Rhythmus den Tag gestalten. Eine neue Etappe noch einmal bis es dann soweit sein wird.

Dem Kind ist diese Einteilung völlig schnurz. Es wächst und gedeiht in seinem Tempo. Wird bei uns sein, wenn es soweit ist. Wird es wirklich Mitte September? Diese Frage stellt sich immer wieder. Das Kind ist klein. Zu klein für diese Woche. Es ist alles gut. Das steht nicht in Frage. Das Wachstum ist kontinuierlich und alles ist dran an dem Kind wo und wie es sein soll. Aber eigentlich wären ein paar Wochen später richtiger. Irgendwie. Es lässt mir keine Ruhe und so habe ich hier gesucht und da geschaut. Verrechnet? Nein, das nicht, da bin ich mir sicher. Aber wie groß kann die Spanne sein? Immerhin fünf Tage. Das ist fast eine Woche. Also alles gut. Auch unsere – des Herzensmannes und meines – Geburtsgewichte sind nicht so hoch. Also auch ein bisschen Veranlagung? Man weiß es nicht. Und alles ist nicht so schlimm. Man macht sich halt Gedanken. Wenn es das erste Kind wäre, würde es wahrscheinlich nicht weiter auffallen. Denn auch ich habe ja gewichtsmäßig nicht viel zu bieten. Auch der Herzensmann ist kein Schwergewicht. Nur der kleine Mann. Der war ganz schön groß und schwer zu seiner Geburt. Unerwartet, auch für die erfahrene Hebamme. So hat man ein Vergleich. Den man natürlich auch zieht. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben.

Am Ende bleibt nur die Gewissheit, dass eigentlich alles gut ist. Dass es gut wächst, sich bewegt und Platz hat. Dass es bei uns sein wird, wenn es soweit ist. Nicht eher und nicht später. Der große Vorteil einer Hausgeburt. Wir sind entspannt und warten die letzten Wochen noch ab. Ob es nun acht, neun oder zehn sind ist ja auch egal.

Kirschtag

Heute war ein irgendwie besonderer Tag. Nicht nur das der Herzensmann heute an einem Montag zu Hause war machten ihn besonders. Bei uns war heute Kirschtag. Na ja, um genau zu sein ging er gestern Abend schon los der Kirschen pflücken und verarbeiten Marathon. Denn es sah nach Gewitter und viel Regen aus. Also haben wir gestern Abend schon einen kleinen (5 Liter) Eimer voll mit Sauerkirschen gepflückt. Das erstaunliche war, dass man dem Baum gar nicht ansah, dass wir etwas geerntet hatten. So ging es heut Vormittag nach einer Lerneinheit mit Kirschen entsteinen weiter. Es wurden gleich zwei große Gläser eingekocht. Die Vermieterin bekam natürlich auch ihre Schüssel voll Kirschen und eh man sich versah war der Eimer wieder leer. Doch der Baum war ja noch voll und so kamen noch weitere Eimer vom Baum in die Küche. Der Nachmittag war gefüllt mit Entkernen und Gläsernachschub besorgen. Denn selbst der Vorrat an Marmeladengläsern war dann auf gebraucht. Von großen Gläsern fürs Einmachen ganz zu Schweigen. Insgesamt wurden heute fünf Kilo entkernte Kirschen verarbeitet. Drei davon wurden eingekocht und können in Winter oder eher als Kompott oder so vernascht werden. Die anderen zwei Kilo gesellten sich in Form von Marmelade zu den anderen frisch gefüllten Marmeladengläsern.

Nun sind die Vorräte wieder etwas mehr aufgefüllt mit leckeren Schätzen. Wir konnten so richtig aus dem Vollen der Natur schöpfen. Darauf hatte ich mich schon seit der Kirschblüte gefreut. Denn auch die war dieses Jahr unglaublich. Doch das wir so reich beschenkt werden, hätte ich nicht gedacht. Der Baum ist auch noch nicht leer. Aber ob der Herzensmann noch einmal hinauf steigen wird, dass weiß ich nicht. Wahrscheinlich schon, denn er möchte gerne KiBa-Marmelade probieren.

Die Geschichte vom kleinen weißen Wollknäuel

Es war ein mal ein kleines weißes Wollknäuel, dass lebte schon seit langer Zeit in einer Kiste gemeinsam mit vielen anderen Wollknäulen. Wie lange es dort schon lebte weiß das kleine Knäuel nicht so genau. Denn die Tage waren alle sehr gleich und das Knäuel konnte nicht zählen. So wusste es nicht ob es Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre in der Kiste lebte. Es wusste, wie es in die Kiste gekommen war gemeinsam mit ein paar Geschwistern. Damals war eine junge Frau in den Laden gekommen, wo es vorher gelebt hatte. Sie suchte sich genau das kleine Wollknäuel und seine Geschwister aus. Einige der Geschwister wurden gleich zu einem besonders schönem kleinen Jäckchen verstrickt. Doch die anderen und mit ihnen eben jenes kleine weiße Wollknäuel von dem diese Geschichte handelt, waren übrig und kamen in die Kiste. Nach und nach kamen andere Wollknäuel dazu, manchmal wurde auch wieder eines heraus genommen. Das kleine weiße Wollknäuel träumte auch davon endlich, endlich aus der Kiste genommen zu werden. Es träumte davon etwas ganz besonderes zu werden. Doch es dachte immer es habe keine Chance. Denn es war kein besonderes Wollnkäuel, wie es selber fand. Es war ein einfaches weißes Wollknäuel aus reiner Schafwolle. Kuschelweich, das ja, aber eben nichts Besonderes. Nicht so wie manch andere Wollknäuel in der Kiste. Da gab es welche aus feiner Alpakawolle gemischt mit feiner Seide. Da gab es tolle bunte Wollstränge in allen Farben. Da konnte doch so ein einfaches weißes Wollknäuel nicht mit halten. So dachte das kleine Wollknäuel immer, dass es nicht so etwas besonderes sei, wie die anderen Wollstränge.
Eines Tages, wurde die Kiste wieder von dem Regal gehoben. Alle Wollstränge waren schon ganz aufgeregt und hofften, dass sie nun an der Reihe waren. Nur das kleine weiße Wollknäuel lag stumm in seiner Ecke, denn es ahnte, dass es wieder nicht an der Reihe sein würde. Doch nur dieses eine kleine Knäuel wurde aus der Kiste gehoben. Kein anderes wurde wie sonst angeschaut und in den Händen gehalten, meist ein wenig gestreichelt. Nein, nur das kleine weiße Wollknäuel sollte es diesmal sein. Es freute sich und war ganz aufgeregt, was nun aus ihm werden würde. Plötzlich wurde es von zwei kleinen Händen angefasst. Die streichelten erst ein wenig über die schönen Fäden. Das kleine Wollknäuel musste etwas kichern, denn das kitzelte ein wenig. Doch dann fingen die kleinen Hände an es aus einander zu nehmen. Es wurde ganz durcheinander, fiel auf den Boden und wurde auch noch durch die Gegend gezogen. Da wurde es dem kleinen Wollknäuel ganz schwer ums Herz. Dann es war sich ganz sicher, dass ein so verfitztes Knäuel zu gar nichts mehr zu gebrauchen war. Es wusste ja selber nicht mehr wo nun sein Ende und Anfang war. Doch das kleine Wollknäuel täuschte sich. Es wurde wieder aufgehoben und ganz vorsichtig wieder entwirrt. Dann wurde es wieder zu einem schönen runden Knäuel gewickelt und kam in einen Korb. Dort in dem Korb lagen schon Nadeln und auf den Nadeln war schon etwas gestrickt. Es staunte nicht schlecht, unser kleines weißes Wollnkäuel, als es seine Geschwister erkannte. Nun wurde sein Traum vielleicht wahr. Vielleicht wurde es ja jetzt zu etwas ganz Besonderem. Es ahnte nicht, dass etwas so besonderes aus ihm werden sollte. Das kleine weiße Wollknäuel sollte zu einem kleinen wunderbar kuschelweichem Babyjäckchen werden. Wie stolz das kleine weiße Wollknäuel sein wird, wenn es dann von dem kleinen Babykind getragen wird und alle Menschen das Baby mit seinem wunderbar kuschelweichen Jäckchen bewundern werden, dass werden wir nicht erfahren. Aber es wird wohl sehr stolz darauf sein. Denn es ist zu etwas ganz Besonderem geworden.