12 – Monats – Geburtstag

Ein Jahr ist er nun schon alt der kleine Mann. Es hat sich wieder so einiges getan im letzten Monat:

… Mann versteht inzwischen eigentlich alles, was man ihm sagt nur mit der Umsetzung hapert es manchmal noch etwas

… Räumt Mann mit Vorliebe den Badschrank aus.

… Kann man super Protestquitschen und sich durch biegen, wenn irgendwas nicht passt.

… Traut man sich ganz selten auch mal im stehen loszulassen.

… Möchte Mann abends den Käse ohne Brot essen und hat ganz schöne Tricks drauf.

… Ist Mann mit Freude Oliven.

… Kann Mann Globuligläschen aufmachen und eine riesen Schweinerei anstellen.

… Kann Mann das Kopfhörerkabel ins IPhone stecken.

… Wenn es klingelt muss Mann zur Tür krabbeln, um zugucken wer da ist.

Windelfrei: Fremdbetreuung

Seit gut drei Monaten geht der kleine Mann nun zur Tagesmutter. Da war ‘Windelfrei’ natürlich auch ein Thema. Wie wird es damit weiter gehen? Wird die Tagesmutter darauf Rücksicht nehmen? Lässt der kleine Mann jemand anderen zu? Wird er überhaupt signalisieren, dass er aufs Klo muss? Oder wird er einfach viel zu abgelenkt sein?

Bei der Suche nach einer Tagesmutter habe ich ‘Windelfrei’ immer direkt angesprochen. Mir war es wichtig, dass die Tagesmutter dafür offen ist. Vielleicht diese Option schon kennt. Am Ende war es bei dem ganzen Wirrwarr um die Tagesmutter auch ein bisschen Glück. Den unsere Tagesmutter kannte ich schon über unsere Hebamme und sie praktiziert ‘Windelfrei’ bei ihrer kleinsten zum Teil. So war es für sie kein Neuland mehr. Sie musste nur den kleinen Mann gut kennen lernen.

Am Anfang war es so, dass der kleine Mann zwar manchmal signalisierte, aber nicht immer mit ihr aufs Klo gehen wollte. Auch war er oft einfach viel zu abgelenkt. Gab und gibt es bei der Tagesmutter noch viele andere große Kinder. Da ist einfach so viel los. Da kann man sich selber schon mal vergessen. Inzwischen läuft es so wie zu Hause. Durch wachsen. Es gibt gute und nicht so erfolgreiche Tage. So wie überall im Leben. Ein was funktioniert allerdings nie bei der Tagesmutter: das große Geschäft. Warum weiß ich nicht. Immer wenn er es zu Hause noch nicht geschafft hat und irgendwann im Laufe des Tages muss, geht es in die Hose. Egal ob die Tagesmutter ihn abhält und es ihm anbietet. Er will dann nicht.

Insgesamt bin ich aber froh, dass es auch bei ihr praktiziert wird. Er weiß, egal wo er ist, wenn er signalisiert, kann er aufs Klo. Das war mir sehr wichtig. So gibt es keine Unterbrechung. Windelfrei und Fremdbetreuung ist also möglich. Die meisten Menschen sind mindestens interessiert. Auch wenn sie es sich nicht vorstellen können. Es lohnt immer es anzusprechen. Erst dann kann man drüber reden.

Zum krönenden Abschluss auch ich

Irgendwie ist hier der Wurm drin. Die Männer sind wieder fit. Der kleine Mann hat gestern Morgen zum Abschluss gebrochen und ist jetzt wieder quietsch fidel. Ich hatte mich bis jetzt so gut wie möglich gesund gehalten. Mal etwas schnupfen. Aber insgesamt war ich immer fit. Bis gestern Abend. Da hat es mich voll erwischt. Innerhalb kürzester Zeit. Vor dem Abendbrot nur müde und geschafft. Nach dem Abendbrot waren die Gliederschmerzen da. Heute den ganzen Tag im Bett verbracht. Der große Mann hat home office gemacht. Der kleine Mann durfte außer planmäßig zur Tagesmutter. Nun liegt er eng an mich gekuschelt neben mir. Er musste sich noch eine Runde beschweren. War beim Abendbrot sehr unausgeglichen. Ihm ist es zuviel gewesen. Noch vier Tage, dann sind Ferien. Bis dahin sage ich sämtlichen Viren in diesem Haus den Kampf an. Irgendwann ist auch mal gut.

Hau ab!

Mal wieder Husten. Mal wieder die Nase voll. Die Nächte werden zum Nuckeln und Nuckeln und Nuckeln genutzt. So langsam kann ich nicht mehr.
Am Mittwoch Nachmittag ging es wieder los. Der Husten war wieder da. Die Nächte danach unterbrochen vom Husten und weinen und röcheln. Denn die Nase war auch wieder voll. So richtig leer war sie davor zwar nicht. Aber der kleine Mann konnte Nachts wenigstens frei atmen. Am Donnerstag früh hatten wir eh den U6 Termin. Da konnte der kleine Mann dem Arzt so richtig was vor husten. Die Lunge ist frei. Wenigstens etwas positives. Noch ein neues Mittelchen gegen den Schnupfen und die Erkältung bekommen.
Am Freitag hatte auch der große Mann die Nase wieder voll. So zog er mal wieder aus dem Schlafzimmer aus. Wenigstens einer sollte gut schlafen. Auch ich hatte etwas Halsschmerzen und die Nase ist nicht ganz frei. Aber das ist nicht so schlimm. Viel mehr schlauchen mich die Nächte. Wenn aller zwei Stunden, manchmal auch weniger, getrunken genuckelt werden möchte ist das nicht sehr erholsam. Der Nuckel wird nicht akzeptiert. Dann wird gequietscht und geschrien. Manchmal bin ich stark und bestehe auf das ‘Nein’. Aber oft, leider viel zu oft, will ich dann meine Ruhe haben und akzeptiere dafür das Genuckel. Aber Ruhe ist das auch nicht wirklich. So hoffe ich, dass es besser wird, wenn er wieder gesund wird. Deshalb:

Erkältung, hau ab! Raus hier! Du hast uns jetzt lange genug geplagt.

Körperkontakt

Der kleine Mann braucht mich grad sehr viel. Er ist sehr anhänglich. Möchte oft auf den Arm. Braucht Körpernähe. Meine Nähe. Oft reicht der Papa nicht aus. Ich muss trösten, kuscheln, da sein. Das ist schön. Das ist anstrengend. Ganz schön anstrengend.
Denn es hört mit dem Einschlafen nicht auf. Tags ist es meistens kein Problem. Dann bleibt die eine oder andere Hausarbeit eben liegen. Egal. Dann nehmen wir statt dem Kinderwagen oder dem Fahrradanhänger die Trage. Egal. Dann kommt er eben überall mit hin (ja, überall!). Egal.
Aber Nachts! Er schläft so wieso neben mir im Familienbett. Doch das ist nicht nah genug. Körperkontakt muss es sein. Irgendwie. Die bloße Haut bitte schön. Am liebsten Bauch oder Dekolleté. Na gut. Auch dass wäre meistens noch okay, denn irgendwann im Schlaf dreht er sich ja doch weg. Und irgendwie ist es ja auch gemütlich mit einem Kind im Arm ein zu schlafen.
Doch oft genug muss er Nuckeln. Am liebsten stundenlang, die ganze Nacht. Ja, auch hier Haut. Und das ist anstrengend. Tut irgendwann so richtig weh. Raubt mir den Schlaf. Und das ist gar nicht gut, hab ich eh grad ständig Mangel.
Das Problem: er will nur Nuckeln und der Nuckel -der dafür meiner Meinung nach hervorragend geeignet ist – ist absolut überhaupt nicht auch nur annäherungsweise dafür genehmigt. Meistens. Manchmal kann ich ihn doch überlisten.

11 – Monats – Geburtstag

Mit elf Monaten…

… Kann Mann Sachen in Löcher stecken und versucht überall etwas rein zu tun. Nur das es große und kleine Sachen gibt ist noch nicht ganz so klar

… Kann Mann ganz schnell vor Mama und Papa weg krabbeln und freut sich darüber wie ein König

… Kann Mann immer noch wunderbar herrlich lachen

… Macht man jeden Spaß mit und lacht, wenn andere lachen

…. Möchte Mann von der Schnitte zum Abendbrot selber abbeißen und keine Häppchen bekommen

… Kann Mann schon im Stehen eine Schranktür auf und zu machen und sich dabei nur am Türgriff festhalten.

… Ist Mann so langsam aus der Babyschale raus gewachsen. Es geht noch grad so. Zu weihnachten/Geburtstag gibts den neuen.

… Hat Mann gerade Dauerschnupfen. Mal mehr, mal weniger

… Kommen vielleicht die ersten Backenzähne? Mann sabbert was das Zeug hält und die Finger sind ganz schön weit drin im Mund. Ständig.

… Findet Mann kleine Kätzchen auf dem Ziegenhof toll. Den Umgang üben wir noch mal. Am Schwanz hoch heben ist nicht ganz so nett.

… Ist Mann unser kleiner großer Sonnenschein

Das Leben eben

Still hier. Nicht weil es nichts zu erzählen gäbe. Nein. Da gibt es genug. Nur fehlt mir die Zeit, die Kraft und der Kopf. Besonders der. Die Pausen werden als Pausen genutzt. Wenigstens nichts tun. Vielleicht etwas stricken oder aus dem Fenster schauen. Bloß nicht den Kopf anstrengen. Ich merke es immer sofort, wenn ich lange am Stück sitzen und lernen muss/soll/darf. Mir fehlt die frische Luft, die Bewegung und an langen Tagen wie heute der kleine Mann. Die Anfangseuphorie ist weg geblasen. Es wird einfach Tag für Tag weiter gemacht. Bis irgendwann, in nicht mal mehr 1 1/2 Jahren, es geschafft ist. Es macht auch immer noch Spaß. Aber der Wunsch nach beenden und fertig sein ist im Moment sehr groß. Die Frage wo wir sein werden, treibt mich immer wieder um. Ich träume meinen Lebenstraum. Und da ist das Studium nur der Weg zum Ziel oder auch nur Mittel zum Zweck. Ich weis noch nicht.

Als ich heute mit einer Kommilitonin und guten Freundin übe die fehlende Motivation sprach meinte sie etwas später. Sie kennt das. Aber ich sei jetzt wieder ich. Entspannter und so. Ja das kann sein. Ich bin nach nun 11 Monaten Mama-sein angekommen. Die kleinen Freiräume, das Studium geben mir die Möglichkeit mehr als nur Mama zu sein.

Aber bin ich wirklich wieder ich, also so wie vorher, nur mit Kind? Oder bin ich nicht viel mehr ein neues verändertes ich. Zumindest merke ich selber wie sich grad bei mir so einiges verschiebt, neu gedacht wird, Einstellungen ändern und Prioritäten verschieben. So manches was ich gerade mache und jetzt für gut befinde, hätte ich noch vor kurzem mit einem kritischen ‘hm, ich würde das nicht machen, finde ich zu krass, ist mir zu extrem’ und ähnlichem bedacht. Wichtiges wurde plötzlich oder schleichend zu Nebensächlichkeiten. Alles ist im Fluss. Es muss passen. Sich gut an fühlen. Dann ist es richtig. Nicht immer ist alles super. Aber es gibt immer ein Grund zur Freude. Viele klein große Glücksmomente am Tag. So wie es ist. Das Leben eben.

Familienglück

Ich sitz am Schreibtisch. Werkel ein bisschen vor mich hin und schreib mal wieder einen richtigen Brief.
Die beiden Männer sind im Arbeitszimmer. Der kleine findet es dort super. Möchte auf das Gästebett klettern. Ich höre es juchzen und Jauchzen. Zwischen durch auch mal ein “Vorsicht!” Der kleine Mann hat den Abstieg vom Bett noch nicht ganz raus. Vorwärts funktioniert nicht ganz so gut.
Dann macht der große Mann Musik an. Unser Familien-Lieblings-Lied ist das, mit den großen Elefanten und den Bäumen. Der kleine Mann hört die Melodie und freut sich. Juchzer und vielleicht auch ein Versuch mit zu singen. Wer weiß?
Dann auch irgendwann ein Plumps. Schreien. Auch das gehört dazu. Doch ich muss mich nicht bewegen. Aller Frust über den Schmerz und die noch nicht geglückte Entdeckung werden weg gepustet. Dann geht es auch schon weiter. Fröhliches plappern von Beiden. Inzwischen läuft im Hintergrund “wer hat die Kokosnuss geklaut”. Der kleine Mann entdeckt Flugtickets.
Und ich? Ich sitz gemütlich und glücklich an meinem Schreibtisch und genieße dieses – unseres – Familienglück.

Ich – die Rabenmutter

Heute so passiert: ich hab Donnerstags in der Regel frei. Das trifft sich gut, da die Tagesmutter Donnerstags nicht kann. Wenn ich doch eine Veranstaltung habe, nehme ich den kleinen Mann mit. Das ist zum Glück kein Problem. So auch heute. Eine Projektbesprechung. Auf dem Weg dahin ist der kleine Mann im Fahrradanhänger eingeschlafen. Das war auch dringend nötig und von mir ein bisschen so gewollt. An der Hochschule angekommen schlief er tief und fest. Unser Raum war in der Nähe des Ausgangs, so entschied ich mich dafür den kleinen Mann an der frischen Luft weiter schlafen zu lassen. Ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, das er draußen wunderbar schlief. Bin ich aber mit ihm in ein Gebäude hinein gegangen, ist er aufgewacht. Obwohl er noch nicht wirklich fertig war mit schlafen. Das wollte ich dringend vermeiden. Er war noch so furchtbar müde von gestern. Da wurde viel Schlaf verweigert. So weit so gut. Wir fingen mit der Besprechung an. Nach einer Weile hörte ich ihn. Also raus zu ihm und mit rein nehmen. Im Gang traf ich einen Kommilitonen, der als er mich sah erleichtert meinte: ‘wir dachten schon, das es deiner ist.’ Ich hab mir noch nicht viel bei gedacht. Sondern nur ‘schön, dass sich meine Kommilitonen kurz gekümmert haben.’ Wir haben noch kurz geplaudert, während der kleine Mann sich auf meinem Arm beruhigte. Er musste schließlich laut nach seiner Mama rufen. Auf den wenigen Metern zurück in den Raum, kamen mir zwei Hochschulangestellte und ein paar Studenten entgegen. Alle habe ich noch nie gesehen. Alle waren ziemlich aufgeregt. Ich wurde aufgeregt gefragt, ob dass Kind auf meinem Arm meines sei. Wie ich auf die Idee käme es an der frischen Luft zu lassen. Ob ich Vorlesung hätte. Dann fiel der Satz:’ wir hätten jetzt die Polizei gerufen.’ Und mir die Kinnlade ganz weit runter. Ich war sprachlos. Wusste nicht wie ich überhaupt reagieren sollte. Geschweige den angemessen. Fühlte mich kurz wie vor einem Gericht oder ähnlichem.

Auch jetzt weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Wie soll ich mit dieser Situation umgehen. Für mich. Habe ich wirklich etwas so gravierendes Falsch gemacht? Und wenn ja, was? Ich würde es genauso wieder machen. Lasse auch bei mir mein Kind draußen stehen. Muss ich wirklich davon ausgehen, dass mein Kind weg ist, sobald es kurz ohne mich draußen ist? In was für einer Welt leben wir, wenn das so ist? Muss ich mir Vorwürfe zu meinem Verhalten machen lassen? Und zu welchem konkret? Weil ich mein Kind draußen lasse, wenn es schläft, weil es da schon immer am Besten schläft? Oder weil ich mein Kind mit in die Hochschule nehme? Oder weil ich eine Mutter und Studentin bin? Oder weil, ich weiß auch nicht, jemand gefehlt hat zum Vorwürfe machen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mir keine Vorwürfe machen lassen möchte. Denn letztendlich kommt es immer auf einen Punkt hinaus. Die fehlende Betreuung an der Hochschule. Das Totschweigen der Möglichkeit, dass es Studierende mit Kindern gibt. Ich weiß nicht wieso, dass so ist an der Hochschule. Wieso wird diese Thematik komplett ausgeblendet? Warum ist das Problem nicht schon eher aufgetreten? Wo kommt es her? Diese Inakzeptanz der Kinder in unserer Gesellschaft. (Zum Thema) Oder ist es wirklich so vermessen beides zu wollen. Familie und Studium. Ich denke nicht. Ich denke eher, dass es viel mehr von uns geben sollte. Ich gebe mich nicht mit Situationen zufrieden, nehme es nicht als gegeben hin. Ich nehme mir das Recht heraus, auf diesen Missstand an der Hochschule hin zuweisen. Und wenn es nur durch mein Verhalten, mein Handeln ist. Mein Kind ist sichtbar an der Hochschule. Es ist dabei. Ich kann und will es nicht totschweigen. Genauso wenig möchte ich, dass es von anderen totgeschwiegen wird.

Genauso darf mein Sohn sich äußern. Er darf und soll sich melden, wenn ihm etwas nicht passt. Da wir sehr schnell auf seine Bedürfnisse jeglicher Art reagieren, ist er es nicht gewöhnt zu warten. Mit 10 Monaten auch nicht notwendig. So wird er schnell sehr laut. Doch ich lasse ihn nicht weinen. Nicht Absichtlich. Ja es gibt Momente, wenn ich auf dem Klo, unter der Dusche, beim Anziehen oder sowas bin, dass ich nicht gleich reagieren kann. Und es gibt eben auch Momente (die sehr selten vorkommen), wo ich ihn nicht sofort höre. So wie heute. Auch da ist es für mich völlig in Ordnung, dass er dann etwas länger weint. Er muss ja weiter auf sich aufmerksam machen. Ich reagiere immer sofort, sehr schnell, sobald ich ihn höre.

Es tut mir leid, liebe Hochschule, wenn du es nicht gewöhnt bist ein Kind laut nach seiner Mama rufen zu hören. Gewöhn dich dran. Mein Sohn kommt jetzt öfter vorbei und wenn er mich laut rufen möchte, dann soll er das machen.