Neulich waren wir auf einem Geburtstag von einem guten Freund. Wir waren nicht die einzigen Eltern da. Neben einer Schwangeren war auch noch ein Pärchen da, die ganz frisch Eltern geworden waren. Das kleine Mädchen war gerade zwei Wochen alt. Ein Kaiserschnitt da sich die kleine Dame kurz vor der Geburt noch mal umgedreht hat. Ich war überrascht, dass die drei mit diesem kleinen Mensch schon auf eine Geburtstagsfeier gingen. Das die junge Mutter so kurz nach einer OP so durch die Gegend “springt”. Hätte sie das nach einer Blinddarm-OP oder einer anderen OP auch getan? Ich weiß es nicht und werde es nie heraus finden.
Was mir aber immer wieder auffällt ist, dass viele Ersteltern ihr Leben genau so weiter leben wie sie es vorher getan haben. Das Kind wird mitgenommen zu welcher Party auch immer. Es wird herum gereicht wie eine Trophäe oder eine Puppe. Es wird laute Musik gehört, Besuch eingeladen und was weiß ich noch alles. Wenn ich das dann so mitbekomme finde ich es für mich schon viel zu viel. Wie muss es dann erst dem kleinen Menschen gehen? Gerade erst aus seiner Schutzhülle geschlüpft ist plötzlich alles neu. Neue Gerüche, neues Raumgefühl, neues Gefühl zu Atmen, neuer Geschmack, neue Geräusche und so viel andere neue Wahrnehmungen. Schon allein ein Zimmer oder nur die eigene Wohnung ist gänzlich neu für dieses kleine Wesen. Doch es wird auch mit raus in die laute Stadt genommen und nicht in die etwas leisere Natur. Man geht in Kaffees, Museen, Geschäfte und und und. Ich habe dann oft das Bedürfnis die Eltern zu schütteln, nach dem Motto: geht’s noch? Habt ihr mal an euer Baby gedacht ihr Egoisten? Ja ich habe das Bedürfnis, aber ich habe es noch nie gemacht.
Auch bei einem befreundeten Pärchen war es ähnlich. Sie bekamen vor gut einem halben Jahr ihre kleine Tochter. Der kleine Mann war ein halbes Jahr alt und wir hatten uns schon ganz gut an unsere neue Rolle gewöhnt. Als wir die junge Familie dann besuchten war ich überrascht. Es lief die ganze Zeit Musik. Das Baby wurde sämtlichen Besuchern auf den Arm gedrückt. Abends gab es dann eine lange Schreizeit, die die jungen Eltern etwas beklagten. Besonders für die Mutter dauerte es lange bis sie sich in ihre neue Rolle eingefunden hatte. Wir haben immer mal wieder Bemerkungen wie “lasst es ruhig angehen” u.ä. fallen gelassen. Doch sie fielen einfach durch, glaub ich. Damals fiel es mir noch sehr schwer es einfach hin zunehmen. Treffen mit den Freunden wurden für mich sehr anstrengend. Ich konnte nicht mehr wirklich ich sein. Habe nicht meine Meinung gesagt, sondern alles so im Raum stehen gelassen. Ich wollte mich nicht einmischen und gleichzeitig tat mir das kleine Mädchen leid. Denn ich wusste es könnte es noch etwas besser haben. Es würde für alle noch etwas leichter werden. Als ich damals mein Leid klagte sagte mir eine ähnlich gestrickte Cousine, dass sie bei einer Freundin den Kontakt unterbrochen hatte. Solange, bis die Kinder eben groß genug waren. Das war für sie das Beste.
Als wir uns neulich mit den Freunden und ihrer Tochter trafen merkte ich, dass es mir inzwischen egal ist. Mir ist es egal, dass sie komplett abgestillt ist und Brei ist. Mir ist es egal, dass sie schon in die Kita geht. Mir ist es egal, dass die Eltern beide bald wieder Vollzeit arbeiten. Mir tat es unheimlich gut, dass fest zustellen. Ich kann nun das, was ich eh schon dachte wirklich vertreten.
Jeder findet seinen richtigen Weg. Es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Wichtig ist letztendlich nur, dass die Eltern ihr Kind lieben. Und das tun eigentlich alle.
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Schön ist’s
Auf Stadt-Land-Mama.de gibt es diese Woche eine schöne Serie. “Wir lieben Elternschaft” ist das Thema. Als Antwort auf die andauernde mediale Debatte über das Elternwerden/-sein und die scheinbaren momentanen Schwierigkeiten. Verschiedene AutorInnen schreiben einen Gastbeitrag zum Thema. Ich finde diese Idee schön. Eine schöne Antwort auf das ständige Gemecker.
Seit einem Jahr bin ich nun Elter. Und was soll ich sagen. Ich liebe es. Klar ist es manchmal anstrengend. Manchmal kann ich nicht mehr. Bin abends erschöpft wie sonst nichts. Aber es ist schön. Zu sehen, wie der kleine Mann sich entwickelt. Herrlich! Wie er sich freut, wenn er in einer Pappkiste durch die Gegend geschoben wird. Wie er versucht zu laufen. Mit Unterstützung. Naja, laufen kann man es auch noch nicht so richtig nennen. Eher wackeln. Aber mutig und forsch wird ein Fuß vor den anderen gesetzt. Wenn er an die Heizung, den Ofen, eigentlich alles fasst und “heis” sagt. Wenn er vom Mittagsschlaf aufwacht und erstmal eine große Runde kuscheln muss. Und, und, und. Beispiele gibt es viele und ich bin glücklich, dass der kleine Mann bei uns ist.
Die Krippe

Nun ist sie vollständig die Weihnachtskrippe. Heute sind oder besser waren vor zweitausend und paar zerquetschten Jahren die Heiligen drei Könige angekommen. Einiges haben sie auf sich genommen auf ihrer Reise bis nach Bethlehem. Nur um die Geschenke abzugeben. Heute würde man ein Päckchen schicken. Statt Gold, Weihrauch und Myrre wären Babysöckchen, Strampler und Kuscheltiere drin. Wobei, ich weiß ja nicht wie das bei Königen heute ist. Aber sicherlich bekommen auch die kaum noch Gold Weihrauch und Myrre. Auch unsere drei Könige mussten so einiges über sich ergehen lassen. Nicht auf ihrer Reise. Denn um ehrlich zusein stehen sie schon seit dem 24.12. brav an der Krippe. Nein bei uns ist heute ein Sturm über sie hin weg gefegt. Wo der herkam? Auf dem Fensterbrett?

Der kleine Mann hat erst heute die Figuren so richtig entdeckt. Und da wurde alles unter die Lupe genommen. Das Jesuskind aus der Krippe gezogen. Josef wurde der Stab geklaut, der nun irgendwo in der Wohnung rum liegt. Der Arm von ihm ist auch nicht mehr ganz so fest dran.
Aber so richtig schlimm hat es den einen König erwischt. Nicht nur das Geschenk wurde ihm entrissen. Nein, er ist jetzt auch noch ein einarmiger König.
Da muss jetzt erstmal das Lazarett auf gebaut werden. Die Heilsarmee ist schon im Anmarsch, Ärzte ohne Grenzen nicht weit weg. Die Arme wieder richten und eventuelle Traumata nach dem Sturm behandeln.
So war’s und so wird’s
Tja nun ist das neue Jahr schon wieder eine halbe Woche alt. Seit ein paar Tagen sind wir wieder zu Hause. Die Weihnachtsbesuche beendet. Der Alltag steht vor der Tür. Noch einen Tag Schonfrist haben wir. Morgen kommen noch die Heiligen drei Könige an die Krippe. Die letzten Tage und Wochen habe ich mehr oder weniger nichts getan. Nur Familie, mehr nicht. Keine Hochschule, keine besonderen Aufgaben und Aktivitäten und auch kein bloggen. So ein bisschen Pause tut gut. Nun ist es ein bisschen so wie nach den Schulferien. Früher. Die Motivation wieder in den Alltag zu schlüpfen ist klein. Zu schön die letzten Tage. Tage, in denen der kleine Mann so richtig aufblühte. Von Tag zu Tag können wir Neues entdecken. Er lacht und plaudert den ganzen Tag, spielt mit uns und alleine je nach dem. Abends ist er in zehn Minuten eingeschlafen. Er ist entspannt und glücklich, zufrieden, dass wir den ganzen Tag beide für ihn da sind. Ich bin gespannt, wie er die Umstellung auf nimmt und ob es anders ist als vor Weihnachten. Oder ob er wieder so anhänglich wird. Wieder abends nur noch rum nörgelt. Nachts wieder ständig trinken will. Denn das ist auch viel besser geworden. Trotz der Backenzähne, die ihre Spitzen durch das Zahnfleisch schieben. Gleich mehrere auf einmal. Dann sind sie draußen und wieder eine kleine Pause bis zu den nächsten Zähnen.

Seit einer Woche klettert der kleine Mann so richtig. Neben Treppen hoch und runter, wird jede Kiste, jeder Hocker, Stuhl und alles erklommen. Auch der Traktoranhänger wird zum drauf sitzen benutzt. Besonders viel Spaß macht es, wenn man dann noch durch die Gegend gefahren wird. Gut das die Cousins auch bei Großmama und Großpapa waren. So konnte mit ihnen auch gespielt werden. Wichtig war dabei sein. Wenn die zwei großen Jungs mal schnell wo anders hin rannten wurde möglichst schnell hinterher gekrabbelt. Gemeckert, wenn vor seiner Nase die Türe mit Schwung zuflog. Lebhaft war es die letzten Tage, ohne Zweifel. Denn nicht nur seine Cousins trafen wir. Auch die Kinder meiner Patentante und eine befreundete Familie mit Kind wurde besucht. So gab es immer wieder wechselnde Spielkameraden. Toll.
Nach dem Besuch bei meinen Eltern ging es für zwei Nächte noch nach Berlin. Silvester feiern. Nicht so, wie das Bild im Kopf automatisch aussieht. So mit vielen Leuten, wilden Partys, viel Geböller und bis zum Morgengrauen. Nein, doch nicht mit Kleinkind. Nein, ganz anders, ganz gemütlich. Bei lieben Menschen, die am Rand von Berlin am See wohnen. Mit leckerem Essen, guten Gesprächen und zwischen durch den kleinen Mann beruhigen. Schon wieder woanders schlafen ist ja auch aufregend. So sind wir langsam und gemütlich ins Neue Jahr gekommen. Ohne viel Knallerei, dafür mit Wunderkerzen. Ich liebe sie. Diese kleinen Sterne und Funken. Wie sie weg fliegen und neue kommen. Das Prasseln und Knistern. Mehr brauch ich nicht.

Und nun sind wir nach einer langen Autofahrt wieder hier. In unseren eigenen vier Wänden. Bereiten uns langsam auf die nächsten Tage vor. Die Hochschule hat ihre Schatten voraus geworfen. Gestern und heute saß ich an meiner letzten Hausarbeit für dieses Semester. In einer Woche ist Abgabe. Nur noch drei Wochen Vorlesung. Dann drei Wochen Prüfungszeitraum. Vier schriftliche und eine mündliche Prüfung. Noch ist nichts gemacht. Noch werden die Gedanken daran verdrängt. Was mich entspannt ist, dass der große Mann noch einen Elternzeitmonat hat. So geplant, dass ich mich entspannt und ‘ohne’ Kind auf die Prüfungen vorbereiten kann. Dann ist das erste Semester mit Kind geschafft. Noch zwei zu meistern. Und schon dieses Jahr, kann ich hoffentlich mein letztes Semester beginnen. Darauf freue ich mich schon sehr.
12 – Monats – Geburtstag
Ein Jahr ist er nun schon alt der kleine Mann. Es hat sich wieder so einiges getan im letzten Monat:
… Mann versteht inzwischen eigentlich alles, was man ihm sagt nur mit der Umsetzung hapert es manchmal noch etwas
… Räumt Mann mit Vorliebe den Badschrank aus.
… Kann man super Protestquitschen und sich durch biegen, wenn irgendwas nicht passt.
… Traut man sich ganz selten auch mal im stehen loszulassen.
… Möchte Mann abends den Käse ohne Brot essen und hat ganz schöne Tricks drauf.
… Ist Mann mit Freude Oliven.
… Kann Mann Globuligläschen aufmachen und eine riesen Schweinerei anstellen.
… Kann Mann das Kopfhörerkabel ins IPhone stecken.
… Wenn es klingelt muss Mann zur Tür krabbeln, um zugucken wer da ist.
Was uns Spaß macht
Windelfrei: Fremdbetreuung
Seit gut drei Monaten geht der kleine Mann nun zur Tagesmutter. Da war ‘Windelfrei’ natürlich auch ein Thema. Wie wird es damit weiter gehen? Wird die Tagesmutter darauf Rücksicht nehmen? Lässt der kleine Mann jemand anderen zu? Wird er überhaupt signalisieren, dass er aufs Klo muss? Oder wird er einfach viel zu abgelenkt sein?
Bei der Suche nach einer Tagesmutter habe ich ‘Windelfrei’ immer direkt angesprochen. Mir war es wichtig, dass die Tagesmutter dafür offen ist. Vielleicht diese Option schon kennt. Am Ende war es bei dem ganzen Wirrwarr um die Tagesmutter auch ein bisschen Glück. Den unsere Tagesmutter kannte ich schon über unsere Hebamme und sie praktiziert ‘Windelfrei’ bei ihrer kleinsten zum Teil. So war es für sie kein Neuland mehr. Sie musste nur den kleinen Mann gut kennen lernen.
Am Anfang war es so, dass der kleine Mann zwar manchmal signalisierte, aber nicht immer mit ihr aufs Klo gehen wollte. Auch war er oft einfach viel zu abgelenkt. Gab und gibt es bei der Tagesmutter noch viele andere große Kinder. Da ist einfach so viel los. Da kann man sich selber schon mal vergessen. Inzwischen läuft es so wie zu Hause. Durch wachsen. Es gibt gute und nicht so erfolgreiche Tage. So wie überall im Leben. Ein was funktioniert allerdings nie bei der Tagesmutter: das große Geschäft. Warum weiß ich nicht. Immer wenn er es zu Hause noch nicht geschafft hat und irgendwann im Laufe des Tages muss, geht es in die Hose. Egal ob die Tagesmutter ihn abhält und es ihm anbietet. Er will dann nicht.
Insgesamt bin ich aber froh, dass es auch bei ihr praktiziert wird. Er weiß, egal wo er ist, wenn er signalisiert, kann er aufs Klo. Das war mir sehr wichtig. So gibt es keine Unterbrechung. Windelfrei und Fremdbetreuung ist also möglich. Die meisten Menschen sind mindestens interessiert. Auch wenn sie es sich nicht vorstellen können. Es lohnt immer es anzusprechen. Erst dann kann man drüber reden.
Körperkontakt
Der kleine Mann braucht mich grad sehr viel. Er ist sehr anhänglich. Möchte oft auf den Arm. Braucht Körpernähe. Meine Nähe. Oft reicht der Papa nicht aus. Ich muss trösten, kuscheln, da sein. Das ist schön. Das ist anstrengend. Ganz schön anstrengend.
Denn es hört mit dem Einschlafen nicht auf. Tags ist es meistens kein Problem. Dann bleibt die eine oder andere Hausarbeit eben liegen. Egal. Dann nehmen wir statt dem Kinderwagen oder dem Fahrradanhänger die Trage. Egal. Dann kommt er eben überall mit hin (ja, überall!). Egal.
Aber Nachts! Er schläft so wieso neben mir im Familienbett. Doch das ist nicht nah genug. Körperkontakt muss es sein. Irgendwie. Die bloße Haut bitte schön. Am liebsten Bauch oder Dekolleté. Na gut. Auch dass wäre meistens noch okay, denn irgendwann im Schlaf dreht er sich ja doch weg. Und irgendwie ist es ja auch gemütlich mit einem Kind im Arm ein zu schlafen.
Doch oft genug muss er Nuckeln. Am liebsten stundenlang, die ganze Nacht. Ja, auch hier Haut. Und das ist anstrengend. Tut irgendwann so richtig weh. Raubt mir den Schlaf. Und das ist gar nicht gut, hab ich eh grad ständig Mangel.
Das Problem: er will nur Nuckeln und der Nuckel -der dafür meiner Meinung nach hervorragend geeignet ist – ist absolut überhaupt nicht auch nur annäherungsweise dafür genehmigt. Meistens. Manchmal kann ich ihn doch überlisten.
11 – Monats – Geburtstag
Mit elf Monaten…
… Kann Mann Sachen in Löcher stecken und versucht überall etwas rein zu tun. Nur das es große und kleine Sachen gibt ist noch nicht ganz so klar
… Kann Mann ganz schnell vor Mama und Papa weg krabbeln und freut sich darüber wie ein König
… Kann Mann immer noch wunderbar herrlich lachen
… Macht man jeden Spaß mit und lacht, wenn andere lachen
…. Möchte Mann von der Schnitte zum Abendbrot selber abbeißen und keine Häppchen bekommen
… Kann Mann schon im Stehen eine Schranktür auf und zu machen und sich dabei nur am Türgriff festhalten.
… Ist Mann so langsam aus der Babyschale raus gewachsen. Es geht noch grad so. Zu weihnachten/Geburtstag gibts den neuen.
… Hat Mann gerade Dauerschnupfen. Mal mehr, mal weniger
… Kommen vielleicht die ersten Backenzähne? Mann sabbert was das Zeug hält und die Finger sind ganz schön weit drin im Mund. Ständig.
… Findet Mann kleine Kätzchen auf dem Ziegenhof toll. Den Umgang üben wir noch mal. Am Schwanz hoch heben ist nicht ganz so nett.
… Ist Mann unser kleiner großer Sonnenschein
Ich – die Rabenmutter
Heute so passiert: ich hab Donnerstags in der Regel frei. Das trifft sich gut, da die Tagesmutter Donnerstags nicht kann. Wenn ich doch eine Veranstaltung habe, nehme ich den kleinen Mann mit. Das ist zum Glück kein Problem. So auch heute. Eine Projektbesprechung. Auf dem Weg dahin ist der kleine Mann im Fahrradanhänger eingeschlafen. Das war auch dringend nötig und von mir ein bisschen so gewollt. An der Hochschule angekommen schlief er tief und fest. Unser Raum war in der Nähe des Ausgangs, so entschied ich mich dafür den kleinen Mann an der frischen Luft weiter schlafen zu lassen. Ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, das er draußen wunderbar schlief. Bin ich aber mit ihm in ein Gebäude hinein gegangen, ist er aufgewacht. Obwohl er noch nicht wirklich fertig war mit schlafen. Das wollte ich dringend vermeiden. Er war noch so furchtbar müde von gestern. Da wurde viel Schlaf verweigert. So weit so gut. Wir fingen mit der Besprechung an. Nach einer Weile hörte ich ihn. Also raus zu ihm und mit rein nehmen. Im Gang traf ich einen Kommilitonen, der als er mich sah erleichtert meinte: ‘wir dachten schon, das es deiner ist.’ Ich hab mir noch nicht viel bei gedacht. Sondern nur ‘schön, dass sich meine Kommilitonen kurz gekümmert haben.’ Wir haben noch kurz geplaudert, während der kleine Mann sich auf meinem Arm beruhigte. Er musste schließlich laut nach seiner Mama rufen. Auf den wenigen Metern zurück in den Raum, kamen mir zwei Hochschulangestellte und ein paar Studenten entgegen. Alle habe ich noch nie gesehen. Alle waren ziemlich aufgeregt. Ich wurde aufgeregt gefragt, ob dass Kind auf meinem Arm meines sei. Wie ich auf die Idee käme es an der frischen Luft zu lassen. Ob ich Vorlesung hätte. Dann fiel der Satz:’ wir hätten jetzt die Polizei gerufen.’ Und mir die Kinnlade ganz weit runter. Ich war sprachlos. Wusste nicht wie ich überhaupt reagieren sollte. Geschweige den angemessen. Fühlte mich kurz wie vor einem Gericht oder ähnlichem.
Auch jetzt weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Wie soll ich mit dieser Situation umgehen. Für mich. Habe ich wirklich etwas so gravierendes Falsch gemacht? Und wenn ja, was? Ich würde es genauso wieder machen. Lasse auch bei mir mein Kind draußen stehen. Muss ich wirklich davon ausgehen, dass mein Kind weg ist, sobald es kurz ohne mich draußen ist? In was für einer Welt leben wir, wenn das so ist? Muss ich mir Vorwürfe zu meinem Verhalten machen lassen? Und zu welchem konkret? Weil ich mein Kind draußen lasse, wenn es schläft, weil es da schon immer am Besten schläft? Oder weil ich mein Kind mit in die Hochschule nehme? Oder weil ich eine Mutter und Studentin bin? Oder weil, ich weiß auch nicht, jemand gefehlt hat zum Vorwürfe machen?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mir keine Vorwürfe machen lassen möchte. Denn letztendlich kommt es immer auf einen Punkt hinaus. Die fehlende Betreuung an der Hochschule. Das Totschweigen der Möglichkeit, dass es Studierende mit Kindern gibt. Ich weiß nicht wieso, dass so ist an der Hochschule. Wieso wird diese Thematik komplett ausgeblendet? Warum ist das Problem nicht schon eher aufgetreten? Wo kommt es her? Diese Inakzeptanz der Kinder in unserer Gesellschaft. (Zum Thema) Oder ist es wirklich so vermessen beides zu wollen. Familie und Studium. Ich denke nicht. Ich denke eher, dass es viel mehr von uns geben sollte. Ich gebe mich nicht mit Situationen zufrieden, nehme es nicht als gegeben hin. Ich nehme mir das Recht heraus, auf diesen Missstand an der Hochschule hin zuweisen. Und wenn es nur durch mein Verhalten, mein Handeln ist. Mein Kind ist sichtbar an der Hochschule. Es ist dabei. Ich kann und will es nicht totschweigen. Genauso wenig möchte ich, dass es von anderen totgeschwiegen wird.
Genauso darf mein Sohn sich äußern. Er darf und soll sich melden, wenn ihm etwas nicht passt. Da wir sehr schnell auf seine Bedürfnisse jeglicher Art reagieren, ist er es nicht gewöhnt zu warten. Mit 10 Monaten auch nicht notwendig. So wird er schnell sehr laut. Doch ich lasse ihn nicht weinen. Nicht Absichtlich. Ja es gibt Momente, wenn ich auf dem Klo, unter der Dusche, beim Anziehen oder sowas bin, dass ich nicht gleich reagieren kann. Und es gibt eben auch Momente (die sehr selten vorkommen), wo ich ihn nicht sofort höre. So wie heute. Auch da ist es für mich völlig in Ordnung, dass er dann etwas länger weint. Er muss ja weiter auf sich aufmerksam machen. Ich reagiere immer sofort, sehr schnell, sobald ich ihn höre.
Es tut mir leid, liebe Hochschule, wenn du es nicht gewöhnt bist ein Kind laut nach seiner Mama rufen zu hören. Gewöhn dich dran. Mein Sohn kommt jetzt öfter vorbei und wenn er mich laut rufen möchte, dann soll er das machen.


