Staunend

Staunen. Einfach nur staunen und genießen, beim Anblick meiner Kinder. Beim kleinen Mann und vor allem beim Septembermädchen. Sie plaudert und blabbert den ganzen Tag. Sie singt und fragt. Sie weiß was sie will und hält nicht still. 

Seit Montag hat sie nochmal einen Schub gemacht. Ein Tag Fieber und schon sind neue Türen offen. Nun baut sie mit Duplo und ist ganz vertieft. So wie ihr Bruder Stein neben Stein. Wenn etwas nicht klappt und sie es ein paar Mal probiert hat, wird sie wütend. Wenn es dann klappt singt sie „Lalalala“.  

 Ja, sie singt. Wunderschön. Manchmal Lalalala. Manchmal summt sie. Manchmal „Lalelu manne mon“. Manchmal „daler, daler“. Manchmal kommt sie, will auf den Arm und fängt an mit „Heile, heile“, dann darf ich trösten. Sie schmiegt sich dann an mich ganz ganz fest und ich singe und genieße. 
Sie ist ein Wirbelwind. Flink wie ein Wiesel. Schon öfter ist sie mir entwischt, von Spielplätzen und durch das offen gelassene Gartentor. Dann bin ich staunend, ob ihrer Schnelligkeit.  

 Sie kommt in die Küche und fragt „ma du?“ Sieht einen dabei mit großen Augen an. Mehrmals täglich fragt sie auch „ba das?“ Wenn ich telefoniert habe, wenn draußen etwas vorbei gefahren ist, wenn ein Geräusch neu war, wenn eine neue Situation war. Neugierig entdeckt sie nun die Welt. Wir begleiten, entdecken und staunen. 

Sie ist offen und freundlich und kein bisschen ängstlich. Bei Freunden ist sie sehr schnell aufgetaut, kuschelt und spielt. Andere Menschen und Namen sind wichtig. Haben wir Besuch oder treffen jemanden, wird erstmal sehr lange jeder mit Namen angesprochen. Oft wird von den Menschen noch Tage später gesprochen. Auch gegenüber Tieren kennt sie keine Scheu. Hunde können nicht groß genug sein. Katzen wird hinter her gerannt, um sie zu streicheln. Jede Schnecke wird begrüßt. Vögel und Fliegen werden bewundert. Ein Regenwurm aus dem Sandkasten wird wieder ins Gras gesetzt. 

Sie lebt in und belebt ihre Umgebung. Ein Energiebündel. Ein lächelndes, lachendes Gesicht. Ein strubbeliger Zopf. Zwei funkelnde Augen. Ein kleines Mädchen mit großem Herzen. Unser Septembermädchen.   

Kommunikationsblüten: aus dem Wortschatz

Der kleine Mann ist 20 Monate alt. Er redet die ganze Zeit und bildet auch lustige zwei und drei Wortsätze. Hier ein Auszug:

Aus der Küche:
Boffel – Kartoffel
Tini – Zucchini
Mate – Tomate
Gogelee – Joghurt
Budda – Butter
Rabi – Kohlrabi
Gagau – Kakao

Sätze:
„Papa Auto Abeid“

„Mama essn“ sagte er zu Papa als ich ihn drum bat den Herzensmann zum Essen zu holen

Es wird auch immer erzählt, was gegessen wurde, z. B. „Mama Boffel“ dabei wird auf den Mund gezeigt, denn da ist sie rein gegangen

„Papa Mama auch“ – in diesem Fall hieß es „Papa gib der Mama den Quark sie braucht auch noch welchen.“

Sonstiges:
Neulich kam er mit irgendwas zu mir und meinte „elfen“ – ich sollte ihm helfen

Nau – Genau

Mehr – heißt hier nicht nur mehr oder nochmal, sondern wird immer auch für die Mehrzahl verwendet. Z. B. „Dadoda, mehr“ – ein Traktor und noch ein Traktor

Bommel – Trommel

Biene – alles was fliegt und die Form einer Biene hat also auch Fliegen etc.

Und so viele mehr. Jeden Tag hört man neue Wörter und Kombinationen und man kommt aus dem Staunen kaum raus. Jeden Tag werden neue Zusammenhänge richtig wieder gegeben und erkannt. Es ist einfach toll.

Heute, fast ein Tag wie jeder andere

Seit gestern habe ich nun Semesterferien. Der große Mann musste heute das erste Mal wieder arbeiten. So ist hier wieder alles wie sonst. Nach dem üblichen Müsli-Frühstück erledigte ich gemeinsam mit dem kleinen Mann so einige anfallende Hausarbeiten. Wie an den meisten Donnerstagen wollte ich mal wieder zum KuK – Kaffee und Kind – gehen. Dort gehe ich sehr gerne hin, denn ich treffe dort auch ganz andere Menschen als sonst. Unter anderem auch Flüchtlingsfrauen. Die Gespräche sind immer sehr interessant. In den letzten Wochen war ich wegen der Prüfungen nicht. So freute ich mich schon drauf.
Doch es sollte dann doch anders kommen. Statt Kaffee gab es Krankenhaus. Zum ersten mal Notfallaufnahme. Der kleine Mann wollte mit seinen nun 14 Monaten eben auch mal ein Krankenhaus von innen sehen. Schlimm war es nicht. Nur eine kleine Platzwunde. Nicht mal ein Zentimeter groß. Doch da ich keine Chance hatte die Wunde alleine ordentlich zu versorgen – der kleine Mann drehte und wendete seinen Kopf und schob meine Hände energisch weg – entschloss ich mich zu den Profis zu gehen. Von uns ist das Krankenhaus auch nicht weit. Nur einmal den kleinen Berg hinterm Haus hoch und schon ist man da.
Wie es dazu kam? Der kleine Mann liebt es in sämtliche Kisten hinein zu klettern bzw. hinein gesetzt zu werden. Da ich mich durch so einige Wäscheberge kämpfte, waren die Wäschekörbe auch nicht weit. Und so saß er in einem Wäschekorb, während ich die Wäsche sortierte. Doch irgendwann wird auch diese Lieblingsbeschäftigung langweilig. Und so wird dann versucht raus zu klettern. Das klappt allerdings noch nicht so gut. Denn nach dem Aufstehen kippt meistens die Kiste um. Damit auch der kleine Mann. Dumm ist, wenn ich dann nicht schnell genug zur Stelle bin. So wie heute. Und so ist unser kleiner Sonnenschein so richtig hin gekracht. Nach einem kleinen Schock war für ihn relativ schnell alles wieder okay. Er lachte, krabbelte und war so wie sonst. Also nichts schlimmes. Nur ein „Kratzer“, wie der Arzt meinte. Ich war mir auch nicht sicher, ob es überhaupt notwendig ist. Aber eine ordentlich Versorgung war mir wichtig und das konnte ich alleine nicht leisten.
Donnerstag Morgen in die Notaufnahme zugehen ist interessant. Es sitzen nur ältere Menschen da. Wir kamen auch ziemlich schnell dran. Die Schwester hat dann die Wunde versorgt, während ich den Kopf ruhig hielt. Der kleine Mann hat alles ganz toll mit gemacht und hat nun ein großes weißes Pflaster auf dem Kopf. Denn auch das Kleinste war noch zu groß für den kleinen Dickschädel.
Auf dem Weg nach Hause ist er dann zu seinem Mittagsschlaf eingeschlafen. Erstmal von dem ganzen Schreck erholen. Am Nachmittag haben wir dann das schöne Wetter genossen und alles war wieder wie sonst.
Irgendwann habe ich mich dann heute gefragt, wie oft wir noch da hoch gehen werden. Ob wir dann irgendwann Stammkunden sind oder wie nennt man das dann? Ich hoffe nicht.