Kleines Glück im Alltag

Montag, der 4. Februar 2019

Heute sind die Kinder zu Hause geblieben. Zum einen, weil beide noch Husten, das Septembermädchen am Sonntag lange Mittagsschlaf gemacht hat und ich das Gefühl habe, dass es gerade gebraucht wird. Zum Anderen ist eine Erzieherin krank, einer im Urlaub und keiner da der einspringen könnte. So freuen sich die verbliebenen zwei Erzieher über weniger Kinder. Das Septembermädchen steht nach dem Herzensmann auf und frühstückt gleich. Der Dezemberjunge kuschelt sich noch mal zu mir. Als die Müslischüssel leer ist, kommt das Septembermädchen noch mal dazu. Dreiviertel Acht stehen wir dann auf. Die Kinder fangen direkt an zu spielen. Ich versorge die Hühner und Hasen, schalte die Waschmaschine an und bereite Frühstück zu. Dann kommen auch beide Kinder und essen noch mal eine Kleinigkeit. Der Dezemberjunge muss gleich zweimal aufs Klo. Das Ergebnis ist nicht so toll. Ich hoffe mit einem kleinen Schluck Heilerde-Wasser das gleich im Keim zu ersticken. Zumindest ist der Dezemberjunge recht gut gelaunt.

Den Vormittag verbringe ich mit Wäsche. Wäsche aufhängen. Wäsche sortieren und in die Waschmaschine stopfen. Wäsche legen. Wäsche aussortieren. Wäsche aufräumen. Währenddessen hören die Kinder zwei Hörspiele und spielen zu Frieden im Kinderzimmer. Irgendwann zieht sich der Dezemberjunge an und schaut den Bauarbeitern in der Nachbarstrasse zu. Ich spiele eine kleine Runde Halligalli mit dem Septembermädchen.

Dann machen wir uns die Reste des Sonntagabendessens warm. Es gibt Nudeln pur für die Kinder nach Wunsch und ich esse sie mit Pilzen und körnigem Frischkäse. Als Nachtisch kocht der Dezemberjunge mit ein bisschen Hilfe Schokopudding. Diesen hat er sich schon gestern Abend gewünscht und es gab ein großen Ärger darüber. In der Mittagspause mache ich Ihnen nochmal ein Hörspiel an. Ich habe eine kurze Pause auf dem Sofa. Nach dem Hörspiel sind die Kinder etwas unausgelasstet und wissen nicht so recht was sie machen sollen. Mich lockt die Sonne nach draußen. Zu erst erledige ich mit den Kindern den Einkauf und bringe gleich die aussortierte Wäsche zum Kleiderkontainer. Dann geht es auf den Spielplatz. Dort sind wir dann sicher 1 1/2 Stunden. Ich halte mein Gesicht in die Sonne und genieße. Die Kinder schaukeln, Rollern den Berg runter und spielen am Wasser. Entspannt. So ein kleines großes Alltagsglück. Neben mir im Bach platscht es. Ich beobachte einen Eichelhäher beim Baden. Kurz danach schaut noch ein Eichhörnchen vorbei. Ich freue mich sehr über diese zwei Tierbeobachtungen. Das ist für mich immer wieder etwas besonderes. Egal wie groß oder klein die Tiere sind. Ich kann auch stundenlang unseren Gartenvögeln zu schauen. Dabei werde ich ganz ruhig. Während ich so in der Sonne Bade und in der Natur auf tanke, spielen die Kinder. Ab und an werde ich etwas gefragt, oder ich darf den Startschwung auf der Schaukel geben. Eigentlich werde ich aber nicht gebraucht. So lese ich auch ein bisschen auf dem Handy. Unter anderem diesen offenen Brief eine Mutter an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein. Er hat mich sehr beeindruckt.

So langsam bekamen dann die Kinder Hunger und Durst. So machen wir uns auf den Heimweg. Es gibt einen Obstteller und Muffins von gestern. Außerdem Tee gegen den Husten. Danach schauen wir uns eine Folge Löwenzahn an. Das Thema ist Schokolade. Danach wird noch Zimmer aufgeräumt und es ist auch schon Abendbrotzeit. Die Hühner und Hasen werden auch für die Nacht versorgt und es gibt drei Eier zu beschriften. Zum Abendbrot gibt es Reis, Linsen“Brei“ und gedünstetes Paprika-Fenchel-Zwiebel Gemüse. Ich bin erstaunt wie gut heute beide essen. Das Gemüse war so schnell weg. Und dann geht es ins Bett. Als beide schlafen, nähe ich noch eine Kleinigkeit und dann geht’s auf s Sofa. Der Herzensmann kam auch nach Hause als wir gerade die Gute-Nacht-Geschichte gelesen haben.

Ein Ort zum Bleiben

Immer wieder denke ich darüber nach, beschäftigt es mich: Wo werden wir Leben? Eine Frage die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Die Ansprüche hoch und die Wünsche vielfältig. Ein paar Rahmenbedingungen, must-haves, gibt es.
Es muss ein Bauernhof sein. Wo sonst könnte ich meinen Lebenstraum verwirklichen. Das Land, die Wiesen und Weiden, sollten möglichst nah am Hof sein. Nicht aus ästhetischen Gründen oder so was. Rein arbeitswirtschaftlich gesehen. Der Hof sollte, wenn möglich in der Nähe einer größeren Stadt liegen. Nicht nur für die Vermarktung der Produkte. Auch für den großen Mann. Er möchte ja auch einer Arbeit nachgehen. Tja, und da hört es schon auf mit den wirklichen Must-haves. Der Rest sind Wünsche. Manche wichtiger, andere nicht ganz so. Ein See wäre schön, sowie ein Sprungplatz zum Fallschirmspringen. Andere Kinder, im gleichen Alter, sollten in der Nähe wohnen. Eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel sollte es geben. Kindergarten und Schule nicht so weit weg sein. Diese auch meinen/unseren Vorstellungen an Pädagogik, Erziehung und Lernen entsprechen. Es sollten nette Menschen in der Nähe wohnen. Nachbarn, Freunde, Verwandte. Ja die Liste kann sich beliebig fortführen lassen. Machen wir es also einfach. Es sollte der perfekte Ort für den Rest des Lebens sein.
Doch wo findet man den perfekten Ort? In Süddeutschland, wo wir jetzt wohnen? Ich weiß nicht. Das kann ich mir nicht vorstellen. Mich zieht es in den Norden bzw. Nordosten Deutschlands. Aber muss es überhaupt in Deutschland sein? Möchte ich die Suche auf ein Land beschränken, in dem so einiges nicht so ist, wie ich es mir vorstelle. Auf der anderen Seite, möchte ich wirklich auswandern? Wenn ja wo hin? Ist es da dann wirklich besser? Oder nur anders? Die Frage beschäftigt mich und uns immer wieder. Hat bei mir gerade wieder einen neuen Anstuppser bekommen. Auf der Fähre nach Schweden. Eine junge Familie aus Deutschland, seit drei Jahren in Schweden, saß neben uns auf dem Deck. Der Kleine war fünf Monate alt, die Tochter sieben oder acht. Die Gründe für ihren Entschluss konnte ich sehr gut nachvollziehen. Unter anderem Zukunft für die Kinder, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Aber auch die Lebensqualität allgemein, wie Natur und Großstadt nah beieinander, die Mentalität der Menschen. Letztendlich war es das Gesamtpaket, welches einfach gestimmt hat. Und dann war da der Entschluss auszuwandern. Ganz neu anzufangen. Ohne alles. In ein erstmal unbekanntes Land, fremder Sprache, ohne Arbeit. Mutig. Besonders mit einem Kind im Vorschulalter. Denn es war klar, das die Tochter in Schweden in die Schule kommen wird. Die Familie nicht einfach schwuppdiwupp wieder nach Deutschland ziehen wird. Es gab auch keine arbeitsbedingte Auswanderung. Der Mann hat sich in Schweden erstmal selbständig gemacht und hat nun eine Festanstellung. Die Frau hat vor einem halben Jahr die eigene Praxis in Berlin aufgegeben. Bis dahin ist sie zwischen Schweden und Berlin gependelt. Im Wochenrhythmus.
Ich find das sehr mutig. Weiß nicht ob ich das könnte. In meinem Kopf spiele ich diese Möglichkeit immer mal wieder durch. Besonders an Tagen, an denen ich mich frage wo ich/wir sein werden. Besonders zu Zeiten, in denen ich in einem Land bin, wo ich mir vorstellen könnte zu leben. So ist es auch noch eine Option, eine offene Tür in die Zukunft. Wer weiß schon, wo er sein wird in ein paar Jahren. Warten wir einfach ab, lassen uns überraschen was hinter der nächsten Kurve liegt.