Glück im Kleinen

Wir sind unterwegs. Ein Besuch in der Heimat. Zeit bei Omama und Opapa. Aber nicht nur Zeit mit ihnen, sondern auch ganz viel Zeit zu dritt. Gestern haben wir uns nach einem aufregenden und erlebnisreichen Wochenende ausgeruht. Haben im Garten und im Haus gespielt. Haben alle Mittagsschlaf gemacht und am Nachmittag einen Spaziergang durch die Stadt. Das Hauptziel war ein Eis zu essen. Diesmal sollte es bitte ein spitzes Eis sein. Also haben wir nur einen kurzen Weg, die Straße runter zum Marktplatz. Dort gibt es Softeis, spitzes Eis. Da wir auch eine Geschichte mit einem Wetterfrosch gelesen haben, kommen wir auf Frösche und den Froschkönig. So gehen wir dann noch zu einem Brunnen in der Stadt. An dem erwartet uns der Froschkönig. Und da nach dem Eis Hände gewaschen werden können, ist es gut, dass ein Brunnen da ist. Zu erst sind dann die Füße drin. Es wird geplanscht und gespritzt. Auf dem Brunnenrand Balancierübungen vollbracht und getestet wie tief der Beunnen eigentlich ist. Ich sitze währenddessen daneben und genieße. Die Gedanken ziehen vorbei. Pure Entspannung. So ist unterwegs sein mit zwei Kindern wunderbar. Zeitlos. Ganz im Moment.  

    
 

Waldesruhe

Heute war ein unruhiger Tag. Ich war sehr müde, der kleine Mann sehr unausgeglichen und das Septembermädchen hing immer dazwischen. Nach der Mittagspause fühlte sich die Luft schon sehr nach Gewitter an. Diese Energie verstärkte unsere Unruhe nur. Ständig krachten wir an einander. Mir war klar: wenn wir einen halbwegs entspannten Nachmittag haben wollen müssen wir raus. Und so packte ich alles ein und wir fuhren in den Wald. 

Im Frühling waren wir mit einem Waldspielkreis regelmäßig im Wald. Dort hin zog es uns nun wieder. Auf dem Parkplatz war es dann für uns drei schon wesentlich entspannter. Ich könnte die Kinder sein lassen. Sie entdeckten die vertraute und dich ganz andere Umgebung. Alles war sehr zu gewachsen, ein neuer Schotterhaufen lag da und der Matsch und der Bach waren ausgetrocknet. Die Kinder erlebten dies alles sehr intensiv. Wir entdeckten einen Käfer und lernten, dank Smartphone, dass es ein roter Fliegenkäfer war (auf dem Bild nicht wirklich zu erkennen, da er unter der Hand versteckt ist).  

 Dann ging es weiter zum Waldsofa. Auf dem Weg dorthin fanden wir einen weiteren Käfer (Mistkäfer) und Pferdespuren. Der kleine Mann hat sie sofort entdeckt und galoppiert dann als Pferd gleich weiter.  

   
Beim Waldsofa angekommen, ist der kleine Mann ganz bestürzt. Es ist kaputt. Zumindest deutlich beschädigt. Ob das Wildschweine waren?, fragt der kleine Mann. 

  
Natürlich habe ich etwas zu essen dabei. Wir essen alles auf. Himbeeren, Pfirsische und Pflaumen wandern in den Bauch. Zwischen durch zeigt mir das Septembermädchen ihren und sagt „Platz Bauch!“ Das dachte ich mir schon. Der Platz im Bauch wurde noch gut gefüllt.   
 Nach dem Essen tanzten die Kinder eine Weile. Wir suchten unser Zwergenhäuschen, das Dach ist leider eingestürzt, und dann sollte es auch schon wieder weiter gehen. So liefen wir zurück und einen breiten Weg hinauf. Den Pferden hinterher, denen wir vorher begegnet waren. Doch statt Pferde, die natürlich viel schneller waren, fanden wir Eicheln und Springkraut. Welche Freude! 

   
So pirschten wir uns von Springkraut zu Springkraut den Weg weiter. Die Ruhe und Gelassemheit des Waldes war schon längst Teil von uns geworden. Der Weg zurück ging schnell. Flitzen, flitzen, flitzen.  

    
Am Parkplatz stand auch mannshohes Springkraut und so konnten beide Samen springen lassen. Zum Abschluss wurde noch im Schotterhaufen gespielt. 

 Entspannt ging es zurück mit den ersten Tropfen. Die Wäsche gerettet, doch das Gewitter blieb (noch) aus. Draußen wie drinnen. Uns hat der Waldausflug geerdet. 
Was macht ihr um den aufbrausenden Familiensturm abzuwenden?

Frei

Es ist 11 Uhr. Das Septembermädchen schläft. Der kleine Mann ist bei der Tagesmutter. Ruhe. Ich sitze am Küchentisch. Die Beine hochgelegt. Zeit. Leere. Mehr nicht. Auch nicht weniger. Und irgendwie ist es seltsam. Die letzten Sachen erledigt. Nachher gehe ich los die Arbeit abholen. Dann kann sie in die Hochschule. Ich habe nichts mehr beizutragen. Jetzt sind andere dran. Lesen. Bewerten. Ich könnte mir mein Strickzeug holen. Denke „jetzt nicht“. Überlege, ob ich die Decke fertig nähen soll. Verschiebe es. Auch die Wäsche wird jetzt nicht gelegt. Ich sitze einfach. Komme zur Ruhe. Zu mir. Lasse alles wie es ist. Zeit. Für mich. Für meine Seele. 

Pendeleierei

Schon die letzten Tage bin ich lustlos. Schnell bin ich genervt. Ich möchte mich zurück ziehen allein sein. Mit zwei kleinen Kindern nicht so richtig möglich. Mir scheint, dass die Zeit die ich dann und wann mal für mich habe nicht reicht. Zu kurz. Immer kommt jemand dazwischen. Will etwas oder es passiert etwas, so dass ich handeln muss. Ich grüble und grüble. Wer bin ich. Was will ich. Wer und wie will ich sein. Mich nervt das. Mich nervt meine momentane Gereiztheit. Nichts passt. Nichts ist gut. Alles zuviel. Ich versinke in negativen Gedanken und es wird nur noch schlimmer dadurch. Diese Spirale nervt. Ich ätz mich an. 

In den letzten Tagen haben wir viele schöne Momente gehabt. Spaziergänge, Einkaufen, im Garten spielen und viele mehr. Es ist herrlich die zwei Rabauken zu erleben. Das Septembermädchen robbt durch die ganze Wohnung. Immer hinterher oder ihren eigenen Zielen entgegen. Der kleine Mann erzählt und spielt und lacht. Wir albern rum. Herrlich. Ich bin entspannt und alles läuft super. Ich lasse die Kinder auf dem Bett spielen während ich pausiere. Kann mich in der Hängematte entspannen, die zwei zufrieden im Garten und im Kinderwagen wissend. Es scheint alles einfach. Ich bin unendlich glücklich und dankbar. 

Sie liegen nicht weit voneinander entfernt diese zwei Zustände. Manchmal sind es nur Minuten. Mal in die eine Mal in die andere Richtung dreht sich das Rad. Das Pendel schwingt hin und her. Noch kann es nicht still stehen. Es wird wohl nie ganz still stehen. Doch langsamer wird es werden irgendwann. Die Wendepunkte nicht ganz so weit entfernt. Die Extreme nicht so stark. Vielleicht hat es gerade einen neuen Anschubser bekommen das Pendel – mein Pendel. Ich hoffe es legt sich und ich werde wieder ich. Zufriedener. Es ist anstrengend so. Nicht nur für mich. Aber auch und besonders für mich. 

„Bazirn dehn Mama?!“

Nach einem Besuchswochenende einfach mal die Seele baumeln lassen. Pure Glückseligkeit mit den Kindern. 

 

Obstbaumblütenduft

   

Laufradflitzer und schlafendes Septembermädchen

   

Ins Gras gefahren

  

Knoblauchduftwolke

  

Kletterei

  

Die ganze Reihe lang.

  

Kleine Stärkung aus dem Bioladen

  

Kurzer Spielplatzstop

 

Familienhobby

Ein Hobby zu haben ist eine tolle Sache. Es bietet Ausgleich vom Alltag, Zeit für sich und man kann einfach mal auftanken. Der Kopf wird wieder frei. Anspannung kann sich lösen, da der Stress für kleine Momente vergessen wird. Nur der Moment zählt. So ist es zu mindest bei mir. Ich kann bei meinem Hobby sehr gut abschalten. 

Mit Familie und besonders kleinen Kindern ist das mit den Hobbys so eine Sache. Nicht nur Vereinbarkeitsprobleme mit Familie und Beruf werden junge Familien feststellen, sondern auch die Vereinbarkeit von Hobby und Familie ist manchmal ein Problem. Hobbys die nur allein durchgeführt werden können und den ganzen Tag an Zeit brauchen sind nicht wirklich familienfreundlich. Doch alles aufgeben möchte man auch nicht. Wir haben jetzt ein Hobby wieder entdeckt. Also ein neues altes Hobby. Ein Familienhobby. 

Klettern. 

Es scheint auf den ersten Blick nicht gleich das familienfreundlichste Hobby zu sein. Denn nur für eine Stunde lohnt es nicht irgendwo hin zufahren. Die wenigsten haben Kletterfelsen im Garten oder eine Kletterhalle in der Nachbarschaft. Und doch hat es sich in den letzten Wochen als ein tolles Hobby heraus gestellt. Denn es haben alle etwas davon. So waren wir inzwischen das dritte Mal. Langsam kehrt der Mut und die Technik zurück. Ich habe mir heute schon mehr getraut als in den Zeiten als wir regelmäßig klettern gingen. 

In der Halle kann der kleine Mann auch nicht wirklich verloren gehen. Er kann ein bisschen an der Kinderwand (wie er es selber nennt) klettern, auf der Strickleiter schaukeln und guckt sich ansonsten gerne alles an. Zu entdecken und zu sehen gibt es mehr als genug. Bei schönem Wetter gibt es noch einen Spielplatz zum Austoben. Langeweile kommt da keine auf. Hinzu kommt, dass wir nicht alleine als Familie gehen. Denn trotz der vielen „Attraktionen“ für den kleinen Mann muss einer ein Auge auf ihn haben. Zu schnell macht er mal eine Dummheit oder rennt unter Kletternden durch. So treffen wir uns mit Freunden oder gehen mit Besuch. Noch ein toller Nebeneffekt: Soziale Kontakte auch für uns. 

Und wir können endlich wieder klettern. Unsere Grenzen testen, ausreizen und erweitern. Die kleinen Siege auskosten. Etwas für den Körper tun. Und auch für den Geist. Denn klettern ist Kopfsache. Ja man klettert besser mit ein paar Muskeln hier und da. Aber viel kommt vom Kopf. Konzentration, Vertrauen und Ruhe bewahren. Und dann merkt man, dass für einen kurzen Moment nur diese eine Route wichtig war. Nur die nächste Bewegung. Der nächste Griff. Der nächste Tritt. Die Geräusche drum herum werden weniger. Die Muskeln spannen sich. Wieder ein Stück weiter oben. Stück für Stück. Geschafft. Für diesen kurzen Moment war alles andere egal. Kinder, Studium und was noch alles ist. Egal. Nur ich. 

Die Glückshormone überfluten einen, hat man die Route geschafft. Glückselig kommt man wieder nach unten. Balsam für die Seele. Dann strahlt man die Kinder an. Glücklich. 

Alle.