Windelfrei: Nachts

Es gab Phasen, da war ich stolz wie Bolle. Denn der kleine Mann war nachts so gut wie trocken. Musste einmal aufs Klo, ansonsten schlief er durch. Das war lange die Regel. War etwas anders, wusste ich, da tut sich wieder was. Meistens waren es die Zähne. Dann musste er auch mal mehr. Wenn er dann musste, machte er kurz auf sich aufmerksam. Meistens merk ich es schon daran, dass er unruhig wird. Dann bin ich kurz mit ihm aufs Klo. Gepullert. Ins Bett. Fertig.
Im Moment sieht das leider alles ganz anders aus. Er muss locker fünf mal aufs Klo. Will genauso viel trinken/stillen. Das ist schon anstrengend genug. Hin zu kommt lautstarkes Weinen. Wenn er merkt, dass er aufs Klo muss. Weiter geht es, wenn er abgehalten wird. Während dem Pullern. Es wird sich gesträubt, mit Händen und Füßen. Er macht sich lang und steif. Kurze Erleichterung, wenn die Blase leer ist und er merkt, es geht zurück ins Bett. Doch auch diese Pause ist nur kurz. Genau so lang, wie wir brauchen, um vom Bad ins Schlafzimmer zugehen. In dem Moment, wo er das Bett berührt, geht es wieder los. Bis er wieder angezogen ist (Windel drum und Body zu, geht eigentlich sehr schnell) und er Stillen darf. Nichts hilft. Auch nicht zur zwischenzeitlichen Beruhigung wird der Nuckel akzeptiert. Nur Mama kann helfen. Dann ist er schnell wieder eingeschlafen. Bis er das nächste Mal muss.
Ich hab schon einiges probiert. Meistens mit mehr oder weniger Erfolg. Am Anfang, als die Phase los ging, hab ich einfach eine Wegwerfwindel drum gemacht. Da haben wir uns wenigstens den Gang ins Bad und den Großteil des Theaters erspart. Doch es ändert nichts an der Tatsache a) das er so oft muss und b) an der Frequenz des Stillens. Außerdem meldet er sich, wenn er muss. Ich möchte sein Signal nicht einfach übergehen. Ich bin ja froh, dass er es merkt und signalisiert. Meistens ist es im Moment so, dass ich ihn zwei bis dreimal abhalte. Irgendwann feststelle, die Einlage ist nass und ihm dann eine WWW um mache. Letzte Nacht war es wieder so. Während der große Mann die WWW holte, hielt ich den kleinen auf dem Arm. Da war er ruhig. Und ich kurz danach von oben bis unten nass. Es gibt also eine Möglichkeit, ihn ruhig abzuhalten. Vielleicht kann ich ihn so in einen Becher oder ähnliches Pullern lassen. Wir werden testen.
Unabhängig davon fände ich es schön, wenn er gar nicht fünf mal pullern muss. Zwei mal reicht ja auch. Meiner Meinung nach. Doch wie schaff ich das? Er muss so viel, weil er so viel trinkt. Also nicht so viel stillen. Aber wie? Hat er wirklich so viel Durst? Oder ist das alles ’nur‘ Komfortnuckeln? Um das heraus zu finden, werde ich ihm heute über den Tag verteilt viel zu trinken anbieten. Dann dürfte er ja eigentlich nachts nicht so ein Durst haben. Mal sehen. Ich hoffe das ist die Lösung. Oder er kommt selber auf den Trichter, dass weniger (pullern) mehr (Schlaf) ist. Bitte bald.

Eingewöhnung mit Unterbrechungen

Nachdem ich mich so richtig aufgeregt hatte, die anfänglichen organisatorischen Probleme beseitigt waren und die Nerven wieder im normal Zustand sind, konnte es los gehen. Fast, denn dann wurden wir erstmal krank. Mit einer kleinen Verzögerung ging es also los. Jeden Morgen zur Tagesmutter. Gemeinsam, versteht sich. Der kleine Mann sah sich alles genau an. War zufrieden und spielte vor sich hin. Alles bestens also. Wir ließen es langsam angehen. Nach gut einer Woche starteten wir in die nächste Runde. Trotz Fieber am Vorabend und allgemeiner Unleidlichkeit des kleinen Mannes. Ich verabschiedete mich und ging nach Hause. Duschen. Welch ein Luxus. Ohne Hast. Einfach nur Duschen. Toll. Nach eineinhalb Stunden holte ich ihn wieder ab. Er spielte erst auf dem Fußboden. Als er mich sah wurde deutlich protestiert. Nicht weil ich ihn abholen kam. Nein, weil ich ihn alleine gelassen hatte. Man wird sich ja wohl noch beschweren dürfen. Darf er. Keine Frage. Es schien ganz gut funktioniert zu haben. Nur die großen Kinder, die machen manchmal so laut und kommen so nah ran. Dann bekommt mann schon mal Angst. Aber daran wird mann sich gewöhnen und später mit machen und sich freuen. Sind dann sicher auch tolle Spielkameraden.
Am Abend war das Fieber wieder da. Das Mittag wurde komplett wieder ausgespuckt. Der kleine Mann war fix und fertig. Ich rätselte vor mich hin. Wälzte Bücher. Beschloss, dass es die Aufregung und die Zähne waren. Aber irgendwie passte das für mich nicht. Schließlich waren die Zähne vorher so einfach gewesen. Besonders die im Unterkiefer. Aber dann war erstmal Wochenende. Keine Termine oder Aktivitäten standen auf dem Plan. Nur zu Hause sein. Ausruhen. Spazieren gehen. Das Tat gut. Am Sonntag Morgen entdeckte ich die ersten kleinen roten Flecken. Abends waren sie bis auf den Rücken runter gewandert. Röteln. Doch angesteckt wurden. Über einen Mittelsmann. So war erstmal eine Zwangspause angesagt. Der kleine Mann genoss es. Nur die Mama zu haben. Soviel gestillt zu werden wie er möchte. Alles eben.
Ich hingegen machte mir so meinen Kopf. Die Zeit lief mir davon. Das Wintersemester lässt nicht mehr lange auf sich warten. Ich hatte wieder keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Der kleine Mann war so extrem anhänglich. Nicht einmal der Papa war gut. Nein, die Mama musste es sein. Immer. Bei jeder kleinen Kleinigkeit. Richtiges Essen? Nein danke. Milch. Und nur Milch, bitte schön. Mir blieb nichts anderes übrig. Alles Angebotene wurde ignoriert. Die Milch lautstark eingefordert. Wieder wurde vollgestillt. Innerhalb nur zwei Wochen der zweite „Rückfall“. Ich hatte keine Lust mehr. Auf gar nichts. Stellte mir diverse Fragen. Alle sinnlos zustellen. Aber man macht es ja trotzdem. Auch wenn man weis, wie die Antwort lautet. Es wird sich zeigen, war die Eine. Die Andere, weil mein Studium eben 7 Semester dauert und nicht nur 4. Ja, ich habe mir gewünscht das Studium schon fertig zu haben. Aber so ist es nun mal nicht.
Heute konnten wir endlich wieder mit der Eingewöhnung weiter machen. Am Anfang blieb ich noch etwas da, bis der kleine Mann sich wieder zurecht fand. Als ich nach einer guten Stunde wieder los ziehen wollte, bekam ich eine SMS. Der kleine Mann schlief. Das hatte ich gehofft. Aber nicht erwartet. So bekam ich noch etwas Zeit. Beim Abholen würde auch nur kurz gemeckert. Dafür um so länger umarmt. Das hat mich wieder entspannt. Ich bin wieder guter Dinge und freue mich auf nächste Woche. Dann geht es nämlich wieder los mit dem Studieren.

9 – Monats – Geburtstag

Mit neun Monaten…

… Isst mann die ganz normale Familienkost
… Trägt mann weiterhin Größe 74
… Mag mann nicht auf der Wiese krabbeln
… Kann mann sich an Kisten, Mama und Papa hoch ziehen/drücken
… Findet mann es bei der Tagesmutter ganz schön spannend
… Hat man zum ersten Mal Fieber gehabt
… Kann mann schon „mamama“, „bababa“ und einiges mehr sagen (bei diesen beiden habe ich auch das Gefühl, das es inzwischen gezielt eingesetzt wird)
… Ist mann unser Strahlemann, der herrlich lacht
… Freut mann sich riesig, wenn der Papa abends nach Hause kommt
… Schmeißt mann mit größter Freude den Turm um, den Mama oder Papa gebaut haben
… Lacht mann über Finger- und Handpuppen, egal wie schlecht gelaunt mann vorher war
… Findet mann immer noch alles was rasselt und Krach macht super
… Räumt mann die DVD’s im Wohnzimmer aus dem Regal
… Hat mann sich schon an Mamas Schreibtischschublade die Finger eingeklemmt
… Kann mann sich hinknien