Heute: (K)ein Tag wie jeder andere…

5:20 steht der Herzensmann auf. Ich weiß, dass auch ich nur noch 40 Minuten habe. In denen schlafe ich doch noch mal ein und träume. Dann stehe ich 6:09 im Bad und zieh mich an. Es ist stockdunkel draußen. In der Küche mache ich erstmal nur eine Kerze an. Ich mag noch kein helles Lampenlicht. Doch genug sehen zum Brotdosen vorbereiten kann ich nicht. Also doch den Lichtschalter betätigen. Kurz zucke ich zusammen. Dann die morgendliche Routine: Geschirr der Kinder in den Beutel, Brotdosen suchen und vorbereiten, Tee kochen. Währenddessen hat der Herzensmann geduscht und kommt, erfrischt und munter nach dem Morgensport – kein Scherz – in die Küche, Frühstück und Kaffee machen. Es klopft an die Küchentür – morgendliches Ritual der Kinder – der Dezemberjunge steht davor. Noch stumm und verschlafen kuschelt er sich auf Papas Schoß. Die Aussicht noch mit dem Papa frühstücken zu können und das es Pfirsichkompott mit Crunchys gibt, lässt ihn ins Bad zum Anziehen sausen. Dort habe ich bereits seine Sachen zurecht gelegt. Er findet also alles was er braucht. Die Brotdosen, der Tee und die Wasserflaschen sind endlich fertig, da schaut auch das Septembermädchen 6:45 in die Küche rein. Gut das sie selber aufgestanden ist. Wecken mag ich nämlich nicht. Auch sie muss noch eine Runde auf dem Arm kuscheln. Der Herzensmann ist inzwischen schon fertig und macht sich startklar. Er fährt heute mit dem Zug, damit ich das Auto nehmen kann, so verlässt er 6:56 das Haus. Er nimmt auch den gelben Sack mit und stellt die Papiertonne raus.  

 Wir frühstücken noch fertig. Ich versorge Hühner und Hasen, dann sammeln wir unsere Sieben Sachen und machen uns Start klar. Pünktlich 7:30 können wir mit dem Auto in den Wald starten. Dort angekommen sind wir mit die Ersten. Ich bespreche kurz nich ein paar organisatorische Dinge mit der Erzieherin und einer Mutter, dann mache ich mich auf den Weg zum Versuchsgut. Dort besprechen wir zwei der Versuche. Auf dem Weg von Feld zu Feld klingelt mein Telefon. Ob ich den Dezemberjungen zum Arzt fahren könnte? Na klar. Nach einer Stunde Arbeitszeit, sitze ich 9:15 schon wieder im Auto und fahre dahin, wo ich her gekommen bin. Im Wald erwartet mich ein etwas benommenes Kind mit lauter nadelstichgrossen roten Punkten auf der Stirn. Das Experiment, mit der eingedrehten Schaukel, einen Astronautentest zumachen, war dann doch etwas wagemutig. Beim Arzt bekommen wir einen Termin für 10:45. Hallo!!! Das ist erst in 1 1/2 Stunden. Mein Herz hängt irgendwo, aber sicher nicht da, wo es hingehört. Ich fahr mit dem Dezemberjunge erstmal nach Hause, wo er direkt anfängt zu spielen und zu basteln. 

10:30 Uhr sind wir wieder im Auto, auf dem Weg zum Arzt. Dort angekommen, wird der Fall aufgenommen – ist ja im Kindergarten passiert – und wir sind schnell dran. Der Arzt sieht den Dezemberjunge: „Das sieht ja komisch aus. Sowas hab ich ja noch nie gesehen.“ Sehr beruhigend. Danke. Das Zusammenspiel von Zentrifugalkraft und Hilfeschrei ergab wahrscheinlich dieses Bild. So die Erklärung.  

 Da der Dezemberjunge ansonsten gut drauf ist, gibt es nur Ruhe und beobachten. Der Kopf sollte immer oben sein, auch im Bett und bei einer plötzlichen Müdigkeit oder sonstigen Verhaltensauffälligkeiten bitte direkt ins Krankenhaus fahren. Und so sind wir 11:36 Uhr wieder zu Hause. Mittagessenzeit. Nach Nudeln mit Tomatensoße und Schokolade zum Nachtisch geht es uns deutlich besser. Und da die Uhr schon 12:45 zeigt, machen wir uns auf den Weg das Septembermädchen abholen. Im Wald sind dann alle froh den Dezemberjunge wieder zu sehen. Seine Freunde kommen auf ihn zu und fragen wie es ihm geht. Da sie an dem Experiment beteiligt waren, sieht man die Erleichterung in ihren Gesichtern. So dauert das Abholen seine Zeit und wir sind nach 14:00 Uhr wieder zu Hause. So langsam geht mir die Puste aus. Doch erstmal müssen Kinderbedürfnisse gestillt werden. Das lang versprochene Buch wird vorgelesen und noch eins und noch eins. Dann etwas Obst essen und bitte weiter spielen. Ich darf heute mal wieder viel mitspielen. Bauernhof und Städte Bau, dabei weiß ich gar nicht wo dafür Platz sein soll im Kinderzimmer. Doch irgendwie passt es. Ist ja groß. Irgendwann ist es mir dann genug, die ganze Spielerei. Außerdem brauchen die Hasen eine Säuberung und auch der Hühnerauslauf muss täglich sauber gemacht werden (für die Nachbarn, sonst müssen sie ausziehen – also die Hühner). Damit die Kinder ruhig sind mache ich Ihnen ein Hörbuch an. Auf dem Fernseher laufen dabei irgendwelche schönen Landschaftsaufnahmen durch. Die Kinder bleiben also sitzen und ich kann ganz beruhigt eine kleine Frischluftdosis atmen und im Garten sein. Und schon ist der Nachmittag rum. Da die Kinder nach der Aufregung des Tages sehr müde sind, steht das Abendbrot auch kurz vor 18:00 Uhr auf dem Tisch. Nudelrest für das Septembermädchen und Milchreis für den Dezemberjungen. So sind alle zufrieden und am Ende satt. Das Septembermädchen ist so müde, dass sie sich ganz schnell selber auszieht. Klingt nach Widerspruch, heute klappt es irgendwie. So liegen wir alle gegen 19:00 Uhr im Bett und lesen die Gute Nacht Geschichte. Dann kommt auch der Herzensmann nach Hause. Kurz nicke ich mit den Kindern ein. Doch ich habe noch Chor und so verlasse ich das Haus als alle Kinder schlafen 19:50 Uhr. Der Chor lenkt mich etwas ab. Ganz konzentriert bin ich jedoch nicht. 22:20 Uhr bin ich wieder zu Hause und gehe direkt schlafen. Einschlafen kann ich jedoch nicht gleich. Ich lausche noch eine ganze Weile dem gleichmäßigen Atem der Kinder. Dankbar. 

#EINTAGOHNEMICH

#eintagohnemich ist eine Aktion zum internationalen Weltfrauentag am 8. April. Frauen sollen den Tag alle Arbeit, bezahlt und unbezahlt, nieder legen. Wie würde Mein Tag aussehen? 

Ich weiß es nicht. Aber es würde so einiges anders laufen. Heute wäre ich nicht mit dem Septembermädchen auf gestanden und aus Klo gegangen. Danach hätte ich ihr kein Frühstück gemacht. An den meisten Tagen macht das Frühstück der Herzensmann, denn er steht eher auf. Heute jedoch nicht. Ich hätte mich dann nicht darum gekümmert, dass die Kinder sich anziehen bzw ich sie anziehe. Ich hätte nicht die Essenssachen zusammen gepackt für das Kinderhaus kochen. Ich hätte nicht die Kinder ins Kinderhaus gebracht und für 17 Kinder und 4 Erwachsene gekocht. Wobei das Kinderhaus ohne Frauen wahrscheinlich geschlossen wäre, denn ein Betreuer auf 17 Kinder funktioniert nicht. Immerhin haben wir einen Betreuer! Ich hätte unsere Kinder nicht mit nach Hause genommen und keine Mittagspause nach den unterschiedlichen Bedürfnissen gemacht. Kein Vorlesen und kein Mittagsschlaf. Zwischen durch würde ich auch keine Gemüsekisten Bestellung machen. An einem Tag ohne mich würde ich kein Kaffetrinken machen, wenn das Septbermädchen auf gewacht ist. Ich würde nicht mit ihr Kuscheln bis sie wirklich wieder angekommen ist. Ich würde keine Nachmittagsaktivität durch führen. Das sind bei uns Waldausflüge, Spaziergänge, Gänge in die Bücherei, Treffen mit befreundeten Familien (meist aber Frauen mit ihren Kindern), Kinderchor, eventuell Besorgungen oder einfach nur Spielen. Ich würde nicht die kleinen und großen Emotionen auffangen und begleiten. Ich würde nicht die notwendigen Arbeiten im Haushalt erledigen und kein Abendessen kochen. Danach würde ich nicht die Kinder auf dem Weg ins Bett begleiten. Waschen, Zähne putzen, Gute Nacht Geschichte vorlesen und vom Tag erzählen. Je nach Tagessituation kommt in dieser Phase des Tages der Herzensmann nach Hause. Dann gehen wir ein Stück gemeinsam. 

Ein Tag ohne mich würde sicher funktionieren. Wie er auf Seiten des Herzensmannes aussehen würde? Ich kann nur mutmaßen. Hier würde sicher alles funktionieren. Der kleine Mann wäre im Kinderhaus und das Septembermädchen zu Hause. Er würde genauso ein bisschen Haushalt erledigen. Aber es gäbe keine Möglichkeit für ihn zu arbeiten. Er würde trotzdem versuchen ein oder mehr Telefonate zu führen und die ein oder andere Mail zu schreiben. Das würde wahrscheinlich zu Unzufriedenheit und Gereiztheit führen. Die Kinder würden in dieser Zeit irgendwelchen Quatsch machen (so wie jetzt). Also würde er sich dafür entscheiden es sein zu lassen. Was bedeutet, dass wir einen Einkommensausfall hätten. Am Abend würde der Herzensmann sich sehr nach Ruhe sehnen. Die Küche Küche sein lassen. Vielleicht beim ins Bett bringen sehr genervt sein. Und zwischendurch Tränen trocknen müssen. Denn beide Kinder können ohne mich, aber sie sind mich gewöhnt und fordern sehr bewusst auch meine Nähe ein, wenn sie die Wahlmöglichkeit haben. 

Ein Tag ohne Mich geht, aber wirklich lange funktioniert es wohl nicht. Und ich? Ich würde meine unbezahlte Arbeit vermissen, denn ich mache sie sehr gerne. Auch wenn ich mir wünsche, dass ich einen Teil zum Familieneinkommen beitragen könnte und dass die Familienaufgaben mehr verteilt wären. 

Wie sieht ein Tag ohne Dich aus? Was würde fehlen, wenn Du oder deine Partnerin die Arbeit niederlegst?

Unser Wochenende

Nach einer unruhigen Nacht beginnt der Samstag gegen acht. Die Kinder stürmen in die Küche. Das Septembermädchen angelt sich gleich einen Apfel. Der Herzensmann macht Frühstück und ich mache kurz Sport. Nach einer gemütlichen und entspannten Dusche, frühstücke auch ich und die Kinder futtern nochmal mit. Der Vormittag ist entspannt. Der Herzensmann und der kleine Mann verschwinden im Keller und sägen ein bisschen. Irgendwann gegen Mittag gehen ich mit dem Septembermädchen raus. Wir müssen noch zur Post und auf den Markt. Dort kaufen wir lauter leckeres Gemüse und Obst.  

 Auf dem Rückweg schläft das Septembermädchen ein. Zuhause kochen wir ein leckeres Mittagessen. 

   
Das Septembermädchen hat großen Hunger, reicht den Teller und sagt „Bidde, bidde“. Nach dem Essen machen wir eine Mittagspause und der kleine Mann schläft beim Geschichte lesen ein. Der Mittagsschlaf ist nötig und wird ziemlich lange. Während dessen lege ich Wäsche, spiele mit dem Septembermädchen und wir essen ein bisschen Obst.  

 Da die Männer immer noch schlafen, gehe ich mit dem Septembermädchen alleine eine Runde spazieren.  

 Als wir wieder kommen haben die Männer ein bisschen weiter gebastelt und das neue Sportgerät ist fast angebaut.  

    Dann gibt es schon Abendbrot und die Kinder gehen ins Bett. Den Abend lassen wir auf dem Sofa bei „Schulz & Böhmermann“ ausklingen. 

 

In der Nacht zu Sonntag schlafen wir alle mal wieder gut. Wir werden kurz vor sieben geweckt. Ich mache wieder Sport und der Rest der Familie bereitet Frühstück vor.  

 Den Vormittag verbringen wir mit Spielen und Arbeiten (der Herzensmann). Es wird gepuzzelt, gebaut und Hörbuch gehört.   

 Gegen Mittag sieht es in der Küche dann so aus: 

 Beide wollen mit helfen und, viel wichtiger, etwas probieren. Das Septembermädchen schnappt sich einen Pilz. Mit diesem kann sie dann auch entspannt angezogen werden und wir gehen die tägliche Einschlaf-Runde.  

 In der Mittagspause lese ich etwas, verfolge Ideen und bringe endlich den Himmel über dem Bett vom Septembermädchen an.  

  Nach sage und schreibe drei(!!!) Stunden Mittagsschlaf des Septembermädchens, machen wir noch einen kleinen Ausflug zum Sulzburghof. Wir haben Glück und können die Kühe anschauen. Danach lassen wir es uns im Café gut schmecken. Die Sulzburg besuchen wir dann ein nächstes Mal bei besserem Wetter.  

    
   
Auf dem Rückweg schläft der kleine Mann ein und lässt sich ins Bett tragen. Wir spielen noch ein bisschen und machen ein kleines Abendbrot. Und schon ist das Wochenende wieder vorbei. Morgen beginnt wieder eine volle Arbeitswoche beim Herzensmann und wir starten langsam, denn der Kindergarten hat zu. 

PS: Zum ersten Mal mache ich bei Wochenende in Bildern mit, auch wenn dies nicht das erste Wochenende ist, welches ich hier zeige. Bei Geborgen Wachsen zeigen noch mehr Familien ihre Wochenenden.