Abendliche (Un)Ruhe

Von einem Zimmer ins Andere. Hin und her zwischen den Betten. Der kleine Mann wartet. Wartet auf den Papa. Kann deshalb nicht einschlafen. Es ist egal, wie oft ich ihm schon gesagt habe, dass Papa heute spät kommt. Dass er schon schlafen darf. Dass er nicht warten braucht. Er wartet. 
Das Septembermädchen ist währenddessen stillend eingeschlafen. Ich bringe sie in ihr Bett. Wie jeden Abend braucht sie meine Nähe noch ein bisschen. Lässt mich nicht gehen. Ich hoffe, dass auch dem kleinen Mann die Augen zufallen. Irgendwann ununterbrochenes „Mama! Mama! Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!“ Ich löse das Septembermädchen von mir. Husche so schnell wie möglich in das Kinderzimmer zurück. Wenigstens ein Kind schläft. 
Einmal aufs Klo und zurück. Vielleicht schläft der kleine Mann jetzt. Spät genug ist es ja. Nein. Ich vergaß: Er wartet. Inzwischen ist die Tagesschau längst vorbei. Ich summe noch einmal das Schlaflied und höre draußen Schritte. Dann Schlüssel und ganz leise und vorsichtig die Tür klappern. Der kleine Mann hat es auch gehört. Traut sich nicht etwas zu sagen. Als der Kopf vom Papa in der Tür entdeckt wird, springt er auf. Mit breitem Grinsen gibt es eine Umarmung. „Papa bommt!“ Nach gemeinsamem Schlaflied singen wird der Papa aus dem Zimmer geschickt. Er soll zum Septembermädchen gehen. Zu mir sagt der kleine Mann dann, dass Papa nicht singen soll. Nur ich darf das heute. Welche Ehre. Nun klappen ihm doch die Augen zu.
Gerade will ich mich langsam aus dem Zimmer schleichen, ein Aufschrei. Nicht vom kleinen Mann. Aus dem Schlafzimmer kommt dieser. Ins nächste Bett. Oder wieder zurück. Das Septembermädchen zahnt. Schnell die Globuli geschnappt und beruhigt. Noch ein bisschen bei ihr liegen. Wieder langsam aus dem Zimmer schleichen. 
Jetzt kann der Feierabend endlich beginnen. Kurz erzählen wir noch das Wichtigste vom Tag. Ein Abriss in zehn Minuten. Der Herzensmann sehnt sich nach Bewegung, ich mich nach Sofa. Die Babyjacke für das noch ungeborene Baby einer Freundin soll weiter wachsen. Nebenher ein bisschen Fernsehgeduddel. Kaum nehme ich die Nadeln zur Hand höre ich das Septembermädchen wieder. Also noch einmal beruhigen. Inzwischen fallen auch mir fast die Augen zu. 

Gute Nacht.